FeedAnsicht
BaukunstBau-Lexikon 1881

Ansicht, k. franz. vue, engl. view, ital. veduta, span. Vista. Die A. eines Gebäudes ist das Bild, welches dasselbe dem Auge darbietet, die Hauptansicht also die Vorstellung der hauptsächlich ins Auge fallenden Seite etc.) ebenso erklären sich Vorder-⸗, Hinter-, Seiten- und Queransicht und innere A. In der Zeichnung werden die An-⸗ sichten entweder so dargestellt, wie sie dem Maß nach sind, d. h. sie werden geometrisch aufgetragen u. die Zeichnung heißt dann Aufriß, orthographia oder Façade, s. d. Art. Aufriß, oder so, wie sie in der Ausführung dem Beschauer von irgend einem angenommenen Punkt aus erscheinen; die Zeichnung heißt dann perspektivische A., Prospekt oder scenographia. Auf diese müssen die Verhältnisse und Gruppirungen berechnet sein, denn in der perspektivischen [A. kommt Manches zum Vorschein, was man in der Façade nicht sieht, z. B. die Unteransichten der Balkons, der Simse etc., und umgekehrt versteckt sich durch die Perspektive dem Auge des Beschauers Manches, was man in der Fagade sieht, z. B. die unteren Theile der hinter etwas Anderem aufsteigenden Körper, ein Theil des Daches etc. Man muß deshalb oft beim Entwerfen manche Verhältnisse so gestalten, daß sie sich auf der Fagade nicht gut ausnehmen, später aber durch die Verkürzung etc. gewinnen. Das zum Vorscheinkommen von in der Façade versteckten oder verkürzten Theilen nennt man zur Ansicht kommen. Näheres s. unter Fagade u. Perspektive.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 121Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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