Graphische Künste nannte man früher gevielen ye das Schreiben, Zeichnen, Malen, jetzt die vielen verschiedenen Reproduktionsverfahren, durch welche von Schrift, Zeichnung oder Bild Stempel oder Platten hervorgebracht werden, von welchen viele einander vollständig gleiche Kopien auf mechan. Wege durch den Druck in einer Presse erzielt werden können. Die Zahl dieser Reproduktionsverfahren, die in frühern Zeiten sich auf das rylod3s Atbogriedt und kalkographische, später noch auf das lithographische beschränkte, hat in neuester Zeit durch den Hinzutritt des photographischen einen Zuwachs erhalten, durch welchen die ohnehin sehr zahlreichen Abzweigungen der drei genannten Kunstverfahren sich außerordentlich vermehrt haben. Nach der Produktionsweise unterscheidet man zwei Hauptarten graphischer Kunst, die Herstellung mittels Handarbeit (Zeichnung, Schnitt, Eingrabung) und die mittels chem.⸗physik. Methoden (Atzung und Pressung). Nach dem Druckverfahren zerfallen die graphischen Künste in drei Gruppen: Hochdruck, Tiefdruck und Druck aus der Ebene (Steindruch). Haupteigentümlichkeit des Hochdrucks ist die Notwendigkeit, daß von dem Gegenstande, welcher durch den Druck vervielfältigt werden soll, erst ein erhaben stehendes Bild geschaffen werden muß, während alle andern Teile der Platte oder der Type ausgetieft sind. Die Herstellung derselben geschieht in der Regel durch Gravieren mittels des Stichels oder des Messers (Metallhochschnitt, Holzschnitt (s. Holzschneidekunstl, Stempelschneiderei [s. d.), oft auch unter Benutzung mechan. Hilfsmaschinen (Bohr⸗ und Fräsmaschine, Guillochiermaschine); doch werden auch chem. Mittel (Atzung) zur Hervorbringung von Hochdruckplatten angewandt (Chemitypie, Galvanographie und andere Hochätzungen, s. die Spezialartikel). Das Druckverfahren, das bei den Erzeugnissen dieses Zweigs in Anwendung kommt, faßt man gewöhnlich unter der allgemeinen Bezeichnung Buchdruck zusammen. Beim Tiefdruck wird die Herstellung der Druckplatte gerade auf dem umgekehrten Wege wie im typographischen, nämlich durch Tiefgravierung, erzielt, indem der Gegenstand, welcher im Druck als Bild erscheinen soll, vertieft in eine Platte eingegraben wird, während die nicht zu druckenden Teile der Platte ihre glatte Oberfläche behalten. Man nennt dieses Verfahren nach dem hauptsächlichsten dazu verwendeten Material gewöhnlich Kupfer-oder Stahlstich, obwohl auch Zink⸗, Zinn⸗ und dergleichen Platten benutzt werden. Auch hierbei wird die Arbeit hauptsächlich mittels des Stichels und der sog. kalten Nadel ausgeführt; doch wird auch unter Anwendung der Radiernadel die Atzung vielfach benutzt. Als dem Wesen nach hierher gehörig, wenn auch die Eigenschaften des Materials ganz verschiedene von denen der Metallplatte sind, kann Gravierung in Stein genannt werden. In der Lithographie geschieht das Herstellen des zu druckenden Bildes teils durch die erwähnte Gravierung, welche jetzt meist nur für kartographische Arbeiten angewendet wird, mittels der Graviernadel und des Schriftdiamants, teils einfach durch Zeichnen mit Kreide oder der Feder auf Stein (Kreidezeichnung, Federzeichnung), oder durch Aufdrucken (Umdruck, Autographie); das Bild liegt also nicht tiefer als die Platte, sondern auf der Oberfläche derselben. Die Möglichkeit, ein solches Bild drucken zu können, liegt in dem Gesetze der Unvereinbarkeit der fetten Farbe mit Wasser, sodaß nicht die glatte, feucht gehaltene Oberfläche des Steins, sondern nur die Zeichnung beim Einreiben die Farbe annimmt. (S. Steindruck.) Die große Erfindung, mit Hilfe des Lichts ein Bild auf chem. Wege ohne mechan. Zuthun hervorzubringen (Daguerreotypie, Photographie), hat einen vierten Zweig, die photo-mechanischen Druckmethoden, ges afsen. Dieselben lassen sich nicht in einen der erwähnten Zweige einrangieren, sondern gehören, was das Druckverfahren betrifft, bald dem einen, bald dem andern an. Sie beruhen auf der Möglichkeit, durch die verschiedenartigen Einwirkungen des Lichts auf verschiedene veränderliche organische Substanzen eine druckbare Platte mittels eines chem. Prozesses zu erzeugen (Photo-Lithographie, Albertotypie (Lichtdruck, s. d.], Heliographie, Dallastypie, Aubeldruck, Woodburydruck u. s. w.). Das Nähere ist in den verschiedenen Spezialartikeln ausführlicher behandelt, wo auch die Litteratur angeführt ist.