Grivas (Theodorakis), neugriech. Heerführer und Parteichef, stammte aus einer alten Armatolenfamilie in Akarnanien, und gewann zuerst in den Unabhängigkeitskriegen der Griechen gegen die Pforte einen großen Namen. Er eröffnete durch ein Gefecht mit türkischen Reitern bei Laspi zu Anfang des Juni 1821 den Aufstand in We griechenland, nahm Teil an der am 9. Juni 1821 begonnenen Belagerung von Vrachori in Atolien, und erscheint seit dieser Zeit als einer der thätigsten und unermüdlichsten Führer rumeliotischer Palikaren, und zwar später wiederholt auch in Morea. G. half (seit 29. Juni 1821) den Makrynoropaß gegen Ismael Pliassa Pascha verteidigen, kämpfte in demselben Sommer mit vor Patras, und im Sommer 1822 an der Seite Alex. Maurokordatos bei Komboti in Epirus, und später mit ausgezeichnetem Heldenmut bei Aitos. Als er sich zu Anfang des J. 1825 zugleich mit Theod. Kolokotronis der Regierung in Nauplia hatte ergeben müssen, wurde er in Hydra gefangen gesetzt; die Haft hat er benutzt, um schreiben zu lernen, bis unter dem Drucke der Angriffe der Agypter er und seine Freunde wieder ins Feld geschickt wurden. Nach dem Falle von Missolonghi hatte er (Sommer 1826) das Schloß Palamidhi mit seinen Rumelioten zu schützen, dessen Verrat Ibrahim Pascha durch die verlockendsten Anerbietungen an G. 1827 zu erkaufen sich vergeblich bemühte. Minder erfreulich ist die Rolle, die G. als unruhiger Palikarenhäuptling in der wüsten Zeit nach dem Tode des Präsidenten Giovanni Kapodistrias spielte. Auch der Teilnahme an einem Komplott mit Theod. Kolokotronis und andern Führern gegen die bayr. Regentschaft (1833) angeklagt und (1834) zu langjähriger Haft auf dem Palamidhi verurteilt, wurde er noch im Sommer 1834 durch den Minister Kolettis wieder freigelassen, der ihn dann mit Erfolg gegen messenische und arkadische Insurgenten ins Feld schickte. Auch in den durch die attische Septemberrevolution 1843 veranlaßten Bewegungen spielte G. eine lebhafte Rolle, wurde 1844 durch Kolettis mit den hohen militärischen Amtern des alten Philhellenen Church betraut, hatte aber 1854 zur Zeit des Krimkriegs bei den Versuchen, Thessalien und Epirus gegen die Pforte aufzuwiegeln, bei aller Tapferkeit nicht das frühere Glück. Zuletzt ein eifriger Gegner der bayr. Dynastie, insurgierte G. im Zusammenhange mit der gegen König Otto in Athen ausbrechenden Revolution vom 17/18. Okt. 1862 das akarnanische Vonitsa, zog dann nach Missolonghi, um hier eine mobile Kolonne zu bilden, starb aber infolge der Strapazen 5. Nov. 1862. Vgl. Michael Deffner, „Ehrenrettung des Theodor G.v (in dem Archiv für mittel⸗ und neugriech. Philologie, Bd. 1, Athen 1880).