FeedHaarseil
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Haarseil (setaceum) nennt man eine Schnur, welche in einen künstlich gemachten oder schon vorhandenen Wundkanal eingelegt wird. Früher brauchte man dazu eine Schnur von Haaren, e der Name; später wurden Schnuren aus Garn, Seide, Baumwolle, schmale, an den Seiten ausgefranste Leinwandbändchen, auch einzelne Fäden oder selbst dünne Wurzeln verschiedener Pflanzen dazu verwendet. Man bezweckte dadurch, den Säfteandrang von edeln Organen abzuleiten, Geschwülste zu zerteilen, Eiter abzuleiten; nur das letzte wird wirklich von dem H. geleistet. Es ist jetzt jedoch bei Menschen ganz außer Gebrauch; auch zum Ableiten des Eiters benutzt man es nicht mehr, sondern verwendet dazu feine, mit seitlichen öffnungen versehene Gummiröhrchen ( s, Drainageröhrchen). ei kranken Tieren hingegen macht man noch häufig vom H. Gebrauch, zu welchem man zu Zöpfen * tene Pferdehaare, Bänder u. dgl., meist aber uchecke (Anschrot) verwendet. Je nach dem verwendeten Material spricht man vom H. oder vom Eiterband, das mittels deutscher, oder engl., oder franz. Haarseilnadel gelegt wird. Hauptsächlich wird das in der Regel mit Terpentinöl getränkte H. durch einen künstlichen, dicht unter der Haut des Tieres, im Unterhautzellgewebe laufenden Wundkanal gelegt, um Entzündung und Eiterung hervorurufen, dadurch aber massenhaftes Zufließen von Blut nach einem lebenswichtigen Organ, das erkrankt ist, abzuleiten und dem weniger lebenswichtigen Körperteile, welches durch Haut und Unterhautzellgewebe repräsentiert ist, zuzuführen. Außer um ableitend zu wirken legt man das H. zum Ausheilen von Hohlgeschwüren, um angesammelte usle genügend zu entleeren, endlich um krankhafte Neubildungen zu zerstören.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 679Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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