FeedHackwaldbetrieb oder Haubergsbetrieb
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Hackwaldbetrieb oder Haubergsbetrieb, ein Niederwaldbetrieb (s. Forstwirtschaft), bei dem unmittelbar nach dem jedesmaligen Abtriebe des Bestandes der Boden «gehainte oder ageröderto, d. h. unter Beihilfe von zurückgelassenem Reisig gebrannt und bearbeitet wird, um sodann ein bis wei Jahre lang Getreide zwischen den Ausschlagsocken anzubauen. Es gibt zwei Arten des Hainens: 1) Das a aes oder Überlandbrennen, bei welchem alles Reisig, gewöhnlich bis zu 1 oder 2,5 em Stärke, gleichmäßig über den Schlag verteilt und nach erfolgter Abtrocknung verbrannt wird. 2) Das Schmoren oder Schmoden, bei welchem der abgeschälte oder getrocknete Bodenüberzug mit Reisig, Spänen u. s. w. gemengt, in 60— 90 em hohen Häufchen aufgesetzt und verbrannt, die Asche zwischen den Ausschlagstöcken verteilt wird. Hauptholzart ist die Eiche, weniger die Hainbuche, welche das Sengen nicht verträgt. Birke erscheint als Lückenbüßer. Auch Kiefer in niedrigem Umtrieb wird hier und da verwendet. Das angebaute Getreide ist Buchweizen, Winter⸗ und Staudenroggen. Letzterer ist vorteilhaft, weil er erst im zweiten Jahre nach der Aussaat Halme und Ahren entwickelt, also im ersten Frühjahr gleichzeitig mit dem Buchweizen gesäet werden kann. Die durch das Hainen gewonnene Asche dient als Düngung für das Getreide. Da sie aber nur Produkt derselben Bodenfläche ist, dieser also Pflanzennährstoffe nur entnommen, aber nie zugeführt werden, muß der Hackwaldbetrieb den Boden, wie auch die Erfahrung lehrt, allmählich erschöpfen. Heimisch ist dieser Betrieb schon seit Jahrhunderten namentlich im Odenwald, in einigen Gegenden des Rheins und Westfalens.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 690Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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