Hai-nän, eine chines. Insel, welche durch die nur 15 km breite Hai-nanstraße von dem südlichsten Teile des kontinentalen China, der Halbinsel Laitschou getrennt ist und wie diese zur ProvinzKwangtung oder Kanton gehört. Dieselbe begrenzt die Bai von Tongking gegen O., ist an ihrem südwestl. Ende breiter als an ihrem nordöstlichen und hat eine birnförmige Gestalt mit einem Flächeninhalt von 36 195 qkm. Ihre Küsten sind im N. und W. flach, im S. und O. steiler und felsiger, zahlreiche treffliche Buchten, Häfen und Ankerplätze bietend. Das Innere wird in der Richtung von NO. gegen SW. von einem Ta-u-tschi genannten, verschiedene Seitenarme entsendenden, hauptsächlich granitischen Gebirge durchzogen, aus welchem mehr als 100 51„ Gipfel emporragen. H. wird von etwa zundert größern und kleinern Flüssen bewässert. Dieser Umstand, sowie die Lage der Insel zwischen den Wendekreisen bedingt große Fruchtbarkeit des Bodens, namentlich in ihrer westl. Hälfte. Ihre Flora ist eine tropische, der hinterindischen nahestehend. Kulturpflanzen sind hauptsächlich Reis, Indigo, Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak, die Kokos- und Arecapalme, sowie eine Menge von Obst⸗ und Gemüsearten. Die Wälder liefern vortreffliches Bau⸗ und Zimmerholz in Menge. Honig und Wachs wird durch Bienenzucht, das letztere auch durch ein anderes, Pe-la-tschong genanntes, auf verschiedenen Bäumen, wie z. B. Rhus succedaneum, Ligustrum glabrum, Crataegus bivus u. a., lebendes Insekt erhalten. Außerdem finden sich daselbst Gold, Silber, und mehrere Arten von Edelsteinen, während an der Küste Seesalz gewonnen wird und das Meer längs derselben einen großen Fischreichtum und Perlenmuscheln darbietet. Das Klima ist heiß, wird aber durch die Seewinde abgekühlt; die flachen Niederungen im südlichern Teile gelten für wenig gesund; die höher gelegenen Gegenden sind gesünder. Die Bevölkerung, auf 2½—3 Mill. geschätzt, besteht teils aus eingewanderten Chinesen (1335 000), teils aus Ureinwohnern, welche indessen schon längst vermengt und ineinander verschmolzen sind. Nur in den am wenigsten zugänglichen Gebirgsgegenden des Innern haben sich einzelne, wenig zahlreiche, von den Chinesen Le-sin, d. h. Menschen mit schwarzem Haar, genannte Stämme der Urbewohner unvermischt forterhalten. Sie sollen in Sprache, Sitten und Gewohnheiten manche Übereinstimmung mit den Migo-tseu, den Urbewohnern der chines. Provinzen Jün-nan, Kwang-si und Kwöi-tschou, zeigen. H. bildet das Departement Khung-tschou der Provinz Kanton und besteht aus drei Distrikten und zehn Kreisen. Hauptort und Sitz des chines. Gouverneurs ist das stark befestigte, über 3 Km im Umfange habende Khung-tschou an dem sich in die Hainanstraße ergießenden Flusse Li-mou, dessen Mündung seinen Hafen bildet, mit etwa 30000, sich mit Handel, Schiffahrt und Industrie beschäftigenden Einwohnern. Dasselbe wurde 1858 durch den Vertrag von Tientsin dem Auslande geöffnet. Etwa 15 km westlich davon liegt das gleich große und volkreiche Haudthalend oder Ho-wi⸗-so (auch Hoi-hou), der Haupthafen der Insel.