Hall (Karl Christian), dän. Staatsmann, geb. 25. Febr. 1812 in Kopenhagen, studierte die Rechte und wurde 1847 Docent, 1851 Titularprofessor der Rechte. H. war 1848 Mitglied der roeskilder Ständeversammlung, dann der konstituierenden Reichsversammlung, wo er als Hauptführer der nationalliberalen (doktrinären) Partei viel Einfluß übte, und seit 1849 des Volksthings auf dem dän. Reichstage. Er stiftete 1851 den sog. Fünften-Juni-Verein gegen die hervortretenden absolutistischen Gesamtstaatstendenzen, und im April desselben Jahres nahm er teil an der flensburger Notabelnversammlung. Von 1851 bis 1854 Generalauditeur der Armee, übernahm H. in dem neuen Kabinett vom 12. Dez. 1854 unter Scheeles Vorsitz das Portefeuille des Kultus und Unterrichts, in welcher Stellung er wesentlich zur Vereinbarung der zweiten Gesamtstaatsverfassung vom 2. Okt. 1855 mitwirkte. Seiner Wirksamkeit als Kultusminister verdankt Dänemark ein liberales Schulgesetz, sowie auch eine anerkennungswerte Begünstigung des wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens. Nach Scheeles Sturze wurde er 13. Mai 1857 Konseilpräsident, 10. Juli 1858 zugleich Minister des Auswärtigen, mußte 2. Dez. 1859 dem bauernfreundlichen Ministerium Rottwitt Platz machen, aber schon 24. Febr. 1860, nach dem plötzlichen Tode Rottwitts, nahm er wieder seine Amter ein, bis die Konflikte, welche den Thronwechsel begleiteten, im Dez. 1863 seinen Rücktritt herbeiführten. Er wurde 28. Mai 1870 wieder zum Kultusminister im Kabinett Holstein berufen und trat mit demselben 14. Juli 1874 ab. Mitglied des Reichstags blieb er bis 1881, wo er sich krankheitshalber von dem polit. Leben zurückzog.