Hand (manus), der unterste Teil der obern Ertremität, welche durch das Handgelenk mit dem Vorderarm in direkter Verbindung steht. Man unterscheidet an ihr den gewölbten Handrücken (dorsum manus) und die leicht ausgehöhlte Hohlhand oder den Handteller (vola manus), weiterhin die Handwurzel oder das Handgelenk (carpus), die Mittelhand (metacarpus) und die Finger (digiti); endlich zwei abgerundete Ränder, den Speichenrand auf der Daumenfseite und den Ellbogenrand auf der Kleinfingerseite. Das Gerüst der H. besteht aus 27 kleinen Knochen, von welchen 8 die Handwurzel, 5 die Mittelhand und 14 die Finger bilden. Die 8 mehr oder minder würfelförmigen Handwurzelknochen bilden zwei übereinanderliegende Reihen von je 4 Knochen, von denen die eine Reihe (bestehend aus dem Kahn⸗, Mond⸗, dreieckigen und Erbsenbein) an das Ende der Unterarmknochen, die andere (gebildet durch das große und kleine vieleckige, das Kopf- und Hakenbein) an die Mittelhand stößt. Die Knochen jeder Reihe werden durch kurze und starke Bänder so fest untereinander verbunden, daß sie gewissermaßen nur einen Knochen darstellen (s. Tafel: Bänder des Menschen, Fig. 1) aber die Gelenke zwischen beiden Reihen und zwischen dem Unterarm und der obersten Reihe sind derart, daß das eine die Bewegung der H. nach vorn, das andere die nach der Seite gestattet. Wegen ihrer benachbarten Lage ist die kombinierte Wirkung beider Gelenke dem eines ziemlich ausgiebigen Kugelgelenks gleich. Die Drehung der H. um ihre Achse vermittelt allein der Vorderarm, indem sich das untere Speichenende um das untere Ende des Ellbogenbeins dreht. Die Handwurzelknochen bilden einen nach der Hohlhand offenen Bogen, über welchen ein breites, festes Band (ligamentum carpi transversum) gespannt ist, unter welchem die Sehnen der Beugemuskeln verlaufen. Vier der röhrenförmigen Mittelhandknochen sind unter sich ziemlich straff und unbeweglich verbunden; der fünfte, der Mittelhandknochen des Daumens, gestattet eine so freie Beweglichkeit wie ein echtes Fingerglied und kann dadurch den übrigen Fingern gegenübergestellt werden, worauf die Fähigkeit des Greifens und Erfassens beruht; nach der Hohlhand zu sind die Mittelhandknochen zugeschärft und bedingen so den eigentümlichen Bau des Handtellers. Der Daumen (pollex), in dessen kräftiger Ent-Raerl und ce selbständiger Beweglichkeit ein wichtiger un charatteristischer Vorzug der Menschenhand vor der Affenhand liegt, hat nur zwei Glieder, jeder andere Finger drei. (S. Finger.) Sämtliche Knochen der H. sind mit Bändern untereinander verbunden, und enmapt den beweglichen befinden sich außerdem Gelenkkapseln. Die zahlreichen die H. und die Finger bewegenden Muskeln liegen hauptsächlich am Vorderarm und nur wenige an der 5. selbst, und zwar entspringen die Beugemuskeln von der innern, dem Handteller entsprechenden Fläche des Vorderarms, die Streckmuskeln hingegen von der äußern Fläche des letztern; die Finger haben gemeinschaftliche Muskeln, der Zeigefinger außerdem noch einen besondern Strecker, und der Daumen und der kleine Finger, die ihrer freien Lage wegen besonders beweglich sein können, jeder noch eine Anzahl zum Teil in den Handballen gelegene Muskeln. Die Finger selbst tragen keine Muskeln, sondern nur Sehnen solcher; sie bestehen nur aus diesen, aus den Knochen, der Haut und dem Fett mit den zugehörigen Nerven und Gefäßen. Die H. wird durch zwei Arterien, die Speichen⸗ und die Ellbogenarterie, mit Blut versorgt, und zahlreiche Venen führen das Blut aus ihr ab; in der Hohlhand stehen dünne Pulsadern durch bogenförmige Zweige (arcus volaris) vielfach untereinander in Verkehr. (S. Tafel: Die Blutgefäße des Renschen.) Die Haut der H. ist an den Gelenkfalten fest an die darunterliegenden Gewebe angeheftet. Dieselbe ist reich an Gefühlsnerven, die namentlich an den Fingerspitzen mit besondern, das Tasten vermittelnden Endorganen, den sog. Tastkörperchen, versehen sind. In die Haut der letzten Fingerglieder ist auf der Rückenseite der Nagel eingefugt, welcher dem Gliede, das nur einen kurzen Knochen besitzt, eine große Festigkeit verleiht. Die H., die kein Tier in derselben Vollkommenheit besitzt wie der Mensch, ist das kunstfertigste Instrument, welches überhaupt existiert, und befähigt wesentlich den Menschen zu der hohen Stellung, welche er in der Natur einnimmt. Als feines Tastorgan steht es unter ähnlichen Vorrichtungen obenan und wird an Feinheit der Empfindung nur von der Zungenspitze übertroffen. Die tausendfältigen Verrichtungen der Hände (Hantierungen), die ein ausschließliches Vorrecht des Menschen sind, werden nur durch den weise berechneten Bau dieses Werkzeugs ausführbar, welches durch seinen wohlberechneten Mechanismus ganz jener geistigen überlegenheit entspricht, durch welche der Mensch, das an natürlichen Verteidigungsmitteln ärmste Geschöpf, sich zum Beherrscher der lebenden und leblosen Natur aufwirft. Gerade des kunstvollen Baues der Hände wegen bezeichnete schon Anaxagoras den Menschen als das vollkommenste Geschöpf, Galen als den Beherrscher der Erde. Die Verletzungen der H. heilen wie die des Gesichts außerordentlich leicht, und selbst fast Sunn abgetrennte Finger wachsen leicht wieder an. Vorzüglich ist die Verwundung der enboen zu fürchten; Blutungen aus den Arterienbogen der Hohlhand lassen sich nur ungemein schwer stillen, und es müssen dazu oft die Arterien des Vorderarms, werd die Arterien des Oberarms unterbunden werden, ohne daß selbst hierdurch immer die Erhaltung des Lebens gesichert wird. Bei skrofulösen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. Kindern werden die Handwurzelknochen leicht der Sitz von Zerstörung durch Knochenfraß oder Knochenauftreibung. Alle Entzündungen und Eiteweil i an der H. erfordern sorchame Behandlung, weil infolge der ausgedehnten Sehnenscheiden die Entzündung sich oft sehr rasch nach allen Richtunausbreitet und zu bösartigen Zerstörungen nlaß HDitez wenn nicht durch frühzeitige Incisionen dem gebildeten Eiter Abfluß geschafft wird.