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GeschichteBrockhaus 1882

Hannibal, der Sohn des Hamilkar Barkas, einer der größten Feldherren und Staatsmänner des Altertums, geb. 247 v. Chr., war 9 J. alt, als ihn sein Vater, wie nach dem Bericht des Polybius und anderer H. selbst erzählte, schwören ließ, daß er nie ein Freund der Römer sein wolle, und ihn hierauf mit sich nach Spanien nahm. Unter Hasdrubal, seinem Schwager, der nach Hamilkars Tode 229 den Oberbefehl in Spanien führte, wurde er 224 Anführer der Reiterei; nach Hasdrubals Ermordung 221 rief ihn das Heer, das ihn liebte, zum Oberfeldherrn aus. Er vollbrachte die Unterwerfung des östl. Spanien bis zum Ebro und griff, um den Krieg mit Rom zum Ausbruch zu bringen, Sagunt an. Acht Monate lang leistete die Stadt tapfern Widerstand. Als sie 219 gefallen, forderten die röm. Gesandten vom karthag. Senat H.s Auslieferung und erklärten, da sie nicht erfolgte, den Krieg, welcher der zweite Punische Krieg genannt wird. H. beschloß, die Römer in Italien selbst anzugreifen. Nachdem er für Afrikas Sicherheit gesorgt, ließ er in Spanien seinen Bruder Hasdrubal mit einem Heere zurück und brach selbst im Frühjahr 218 von Neukarthago auf. Von den 90000 Mann zu Fuß und 12000 Reitern, die ihm zur Verfügung standen, entließ er, obschon er etwa 20000 Mann in Kämpfen zwischen Ebro und Pyrenäen verloren und noch 10000 Mann . Fuß und 1000 Reiter Hanno zur Behauptung des eroberten Gebiets zwischen Ebro und Pyrenäen übergeben hatte, doch noch 10000 Mann, bevor er mit 50000 Mann zu Fuß und 9000 zu Pferd die Pyrenäen überstieg. Er zog dann durch das südl. Gallien, vermied das Zusammentreffen mit dem röm. Konsul Publius Cornelius Scipio an dem Rhöne und trat, von cisalpinischen Galliern geführt, den berühmten Zug über die Alpen an, den er in 15 Tagen vollendete. Nach der Untersuchung von Wickham und Cramer (4On the passage of II.v 11820]; vgl. Law, The Alps of II.d I1866)) ist der Kleine St. Bernhard als übergangspunkt anzunehmen. Nach andern ging er über den Mont-Genövre, noch andere nennen den Mont-Cenis. Fünf Monate, nachdem er aufgebrochen, langte H. im September 218 in Italien an; sein Heer war auf 12000 Afrikaner und 8000 Spanier zu Fuß und 6000 Reiter herabgeschmolzen. Am Flusse Ticinus traf er auf den röm. Konsul Publius Cornelius Scipio und besiegte diesen in einem Reitertreffen. Ein zweiter Sieg, den er in demselben Jahre über Scipio und den andern Konsul Tiberius Sempronius Longus an der Trebia erfocht, hatte den Abfall der cisalpinischen Gallier von Rom zur Folge, unter denen er nun seine Winterquartiere nahm. Im nächsten Jahre (217) drang er durch unwegsame Gegenden des Apennin und die Sümpfe des obern Arno in Etrurien ein. Die Anstrengungen hatten vielen das Leben gekostet, H. selbst verlor durch Entzündung ein Auge. Der röm. Konsul Gajus Flaminius ließ sich durch H. in die Engen zwischen dem Trasimenischen See (Lago di Perugia) und den Bergen von Cortona hineinlocken, wo er selbst mit dem größten Teil seines Heeres den Untergang fand. Die gefangenen röm. Bundesgenossen entließ H. freundlich, ⁰ sodann gegen Spoletium, das aber widerstand, und von da nach Picenum, Samnium und Apulien, immer bedacht, die Bundesgenossen zum Abfall zu bewegen. Die Römer stellten ihm den Diktator Quintus Fabius Maximus entgegen, einen furchtbaren Gegner durch sein vorsichtiges Zögern. H. sah sich zu ermüdenden Märschen genötigt und endlich durch Fabius in Campaniem bei Casilinum (dem heutigen Capua) eingeschlossen. Durch die List, daß er die Römer durch Rinder, denen brennende Heubündel zwischen die Hörner gebunden waren, in der Nacht täuschte, gewann er jedoch den Ausweg nach Apulien. Marcus Minucius Rufus, den er in den Hinterhalt lockte, wurde von Fabius gerettet. Im nächsten Jahre (216) brachte H. in der für die Entwickelung seiner Reiterei günstigen apulischen Ebene den Konsul Gajus Terentius Varro 2. Aug. (nach dem berichtigten Kalender im Medo bei Cannä zur Schlacht, die mit der völligen Niederlage der Römer endete. Nach dieser Schlacht fiel ihm mit Ausnahme der griech. und lat. Städte fast ganz Unteritalien zu, zudem verschaffte ihm der Sieg den Beschluß der Karthager, ihn thätig zu unterstützen, und das Jahr darauf Bündnisse von Macedonien und Syrakus mit Karthago. Aber obwohl von Maharbal dazu gemahnt, hatte es H. unterlassen, auf Rom zu marschieren, dessen Widerstandskraft er zu gut kannte, sondern sein Heer nach Capua, das ihm infolge des Sieges von Cannä sich angeschlossen hatte, geführt, während Nola von dem Prätor Marcus Claudius Marcellus glücklich gegen ihn behauptet worden war. Von dem Berge Tifata, wo er im nächsten Jahre (215) meist lagerte, suchte er vergebens seine Macht weiter auszubreiten. Ein neuer Sieg des Marcellus bei Nola ermutigte die Römer, die ihm in Campanien sechs Legionen entegengestellt hatten. H.s Heer war geschwächt, sein ruder Hasdrubal, der ihm aus Spanien ein Heer zuführen sollte, hatte dort eine schwere Niederlage erlitten, der größte Teil der Hilfe, die man ihm von Karthago aus zu senden beschloß, ging bei dem vergeblichen Versuche, Sardinien zu erobern, verloren; das Bündnis mit Philipp von Macedonien brachte keinen Nutzen, und Heden Syrakus, wo die karthag. Partei siegte, sendeten die Römer den Marcellus, der 212 v. Chr. die Stadt eroberte. In demselben Jahre nahm H. Tarent bis auf die Burg ein, suchte aber 211 vergebens das belagerte Capua durch einen Marsch gegen Rom zu retten, wo die Nachricht von seinem Anmarsch den größten Schrecken hervorrief und der Ruf Hannibal ad portaso sprichwörtlich blieb. Er mußte, ohne seinen Zweck zu erreichen, zurückgehen, und die harte Strafe, die Capua nach der Einnahme von den Römern erlitt, führte viele der abgefallenen Bundesgenossen den Römern wieder zu. Doch hielt sich H. in Lucanien, im Lande der Bruttier und in Apulien. Er siegte 210 bei Herdoneä in Apulien, hatte aber außerdem mehr Verluste als Erfolge. Tarents Eroberung durch Fabius 209 entzog ihm den größten Teil der —— die ihm noch treu geblieben. Dagegen fand Marcellus, der 209 schließlich über ihn gesiegt hatte, 208 im Hinterhalt seinen Tod. Als der Versuch seines Bruders asdrubal, ihm Hilfe zuzuführen, durch dessen Niederlage in Etrurien 207 vereitelt war, zog sich H., der nunmehr den Krieg in Italien in der Hauptsache verloren sah, in die Südwestspitze Italiens (das Land der Bruttier) zurück, wo er sich fast ohne Schlacht in fester Stellung gegen die Römer behauptete. Mago, der von Ligurien und Gallien aus die Römer bedrohte, wurde 203, nachdem er im Lande der Insubrer geschlagen worden war, nach Afrika zurückberufen, da sich Karthago selbst durch den großen Publius Cornelius Scipio, der 204 in Afrika gelandet war, bedroht sah; doch starb Mago unterwegs. Auch H. wurde zurückgerufen, verließ mit bitterm Schmerz 203 Italien und landete bei Leptis. Im folgenden Jahre (202) lieferte er die entscheidende Schlacht westlich von der Stadt Zama, in der er überwunden wurde. (S. Punische Kriege.) Mit den Resten des Heeres, die er in Hadrumetum gesammelt, kehrte er nach Karthago zurück, wo er nun selbst für den Frieden sprach, in welchem er die einzige Rettung seines Vaterlandes sah. H. wurde zum höchsten Magistrat ernannt und war als solcher für die Verbesserung der Staatsverwaltung und Verfassung bedacht, reizte aber dadurch viele der Vornehmen, welche die ihm feindliche Partei des Hanno verstärkten. Bei den Römern wurde er verdächtigt, daß er den syr. König Antiochus III. zum Kriege antreibe. Als er sich der Auslieferung an die Römer durch die Flucht entzogen hatte, erklärten ihn die Karthager sogar für verbannt. Über Tyrus wich er nun zu Antiochus nach Ephesus. Sein Versuch, die Karthager zum Bündnis mit Antiochus zu bewegen, schlug ebenso fehl wie der, den König zu vermögen, ihn mit einem Heere nach Italien zu senden. Ihm selbst wurde nur der Befehl über eine syr. Flotte gegen die mit den Römern verbündeten Rhodier übertragen, welche aber, obwohl H. auf dem von ihm befehligten Flügel siegreich war, unterlag. Da nach Beendigung des Kriegs das siegreiche Rom auch von Antiochus H.8 Auslieferung verlangte, war er von neuem zur Flucht genötigt. König Prusias II. von Bithynien nahm ihn auf. Auch diesen reizte er zum Kriege und focht 50 ihn gegen Eumenes, den Freund der Römer. Röm. Gesandte forderten darauf seine Auslieferung, und Prusius war bereit, ihnen zu gehorchen. Da entzog sich H. 183 der Schmach, indem er sich selbst durch Gift tötete.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 819Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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