Linieninfanterie ist eine Bezeichnung für die schwere, hauptsächlich zum geschlossenen Gefecht bestimmte Infanterie, die gegenwärtig nicht mehr denkbar ist, da nur leichte, für alle Arten und Stadien des Gefechts brauchbare Infanterie Nutzen bringen kann. Linienkavallerie wird ebenfalls die schwere, hauptsächlich zur geschlossenen Attacke, weniger zum Felddienst geeignete Kavallerie genannt, namentlich die Kürassiere und wohl auch die Ulanen. Im Deutschen Reich ist L. auch gleichbedeutend mit aktivem Heer, im Gegensatz zur Landwehr. Andererseits pflegt man den Gardetruppen gegenüber die übrige Armee mit L. zu bezeichnen. In der Befestigungskunst spricht man von den einzelnen L. eines Werks, als Teilen des Grundrisses. In frühern Jahrhunderten spielten die Befestigten Linien eine große Rolle (3. B. die Weißenburger L. im 18. Jahrh., die L. von Torres-Vedras 1811). Sie haben indes den Nachteil, daß sie bei ihrer großen Ausdehnung einer bedeutenden Truppenmasse zu ihrer Besetzung bedürfen, dabei aber doch eine geringe Widerstandskraft besitzen, indem sie leicht an einer Stelle durchbrochen werden können. Man legt in der Befestigungskunst Hesauwärtig mehr Wert auf die Befestigung einzelner Stützpunkte, welche noch durch Schützengräben verbunden sein können. — Im militärischen Eisenbahnwesen heißt L. eine zum durchgehenden Militärverkehr eingerichtete Eisenbahnverbindung, welche zum Aufmarsch- oder Operationsterrain führt. Derartige L. werden für die wahrscheinlichen Kriegstheater schon im Frieden vorgesehen. Im Deutschen Reiche existieren zu den nötigen Vorarbeiten im Frieden Linienkommissionen, mit Stabsoffizieren besetzt und dem Chef des Generalstabes unterstellt (zur Zeit in Königsberg i. Pr., Bromberg, Breslau, Posen, Schwerin, Kassel, Hannover, Sachs enien en, Köln, Düsseldorf, Karlsruhe). Im Kriege dienen die Linienkommandanturen für die Regelung der Militärtransporte auf bestimmten im Inland belegenen Bahnstrecken oder Bahnkomplexen. Sie bestehen aus einem Stabsoffizier als Kommandanten, einem Adjutanten, einem Arzt, einem höhern Eisenbahnbeamten nebst Hilfspersonal, einem Zahlmeister, und sind der Eisenbahnabteilung des stellvertretenden Generalstabes untergeben.