Hardeuberg (Georg Friedr. Philipp, 594. von), als Schriftsteller unter dem Namen Novälis bekannt (in lat. Urkunden des 13. Jahrh. bezeichnen 105 einige seines Geschlechts nach ihrem Sitze (Großen⸗] Rode de Novali), geb. auf seinem Familiengute Wiederstädt in der Grafschaft Mansfeld 2. Mai 1772, wurde von seinen Eltern trefflich erzogen, lebte dann bei einem Oheim in Lucklum in der Nähe von Braunschweig und besuchte hierauf das Gymnasium in Eisleben. In Jena, wo er als Verehrer Schillers freundliche Aufnahme in dessen Familienkreise fand, studierte er 1790 Philosophie, in Leipzig (bis 1793) und Wittenberg die Rechte und wendete sich dann nach Tennstädt, um sich als praktischer Jurist auszubilden. Hier lernte er auf einem benachbarten Gute Sophie von Kühn (geb. 1783) kennen, verlobte sich mit ihr, wurde 1795 als Auditor bei den Salinen in Weißenfels 1 08. 41 verlor aber 1797 seine Braut durch den Tod. Um sich die zu einer Anstellung bei den Salinen nötigen Kenntnisse zu erwerben, besuchte er noch in demselben Jahre die Bergakademie zu Freibern. Im Sommer 1799 kehrte er nach Weißenfels zurück und wurde dem Direktorium der Salinen als Assessor beigesellt. n diesem Zeitraume lernte er die beiden Brüder chlegel und L. Tieck kennen, mit denen er sich bald befreundete. Er war zum Amtshauptmann ernannt, als er im väterlichen Hause in Weißenfels in den Armen seines Freundes F. Schlegel 25. März 1801 starb. H. war ein hochbegabter und mit reicher Bildung ausgestatteter Dichter. Indessen machte sich bei ihm das mystische Gefühlsleben vorwiegend geltend, dem sein im einzelnen oft höchst scharfsinniger Verstand sich unterordnete. Daher entwickelte sich bei ihm alles lyrisch, oder er blieb, wie in den eistvollen, oft aber auch bizarren und dunkeln Fragmenten über Philosophie, Physik, Asthetik und Litteratur, bei geheimnisvollen Andeutungen und mystischen Aussprüchen stehen. Seinen originell angelegten, an den zartesten Phantasiegebilden reichen Roman «Heinrich von Ofterdingen » überlieferte er der Nachwelt als rätselhaften Torso. Den Kern seiner Dichtungen bildet fast überall das christl. Mysterium. So gehören auch seine geistlichen Lieder, welche den Anfang eines von ihm beabsichtigten Gesangbuchs bilden sollten, zu dem Schönsten, was auf diesem Gebiete geleistet worden ist. Überhaupt zeichnen sich seine lyrischen Dichtungen durch ungemeine Zartheit der Sprache wie des Gefühls und durch Tiefe der unmittelbaren Anschauung aus. Er selbst stellte die «Hymnen an die Nachto unter seinen Dichtungen am höchsten. Obschon H. als einer der vollkommensten Repräsentanten der romantischen Dichterschule gelten kann, hat er doch nie an den oft so heftigen litterarischen Streitigkeiten seiner Freunde teilgenommen. Seine „Schrifteno wurden von L. Tieck und F. Schlegel gesammelt (2 Bde., 1802; 5. Aufl., Berl. 1837; Bd. 3, 1846). H.s „Gedichten gab Beyschlag (Halle 1869) heraus, seinen 4Heinrich von Ofterdingeno Julian Schmidt (4Bibliothek der deutschen Nationallitteratur des 18. und 19. Jahrh.», Bd. 38, Lpz. 1876). Vgl. über ihn besonders R. Haym, «Die romantische Schules (Berl. 1870), (Friedrich von H. (genannt Novalis). Eine Nachlese aus den Quellen des Familienarchivso (Gotha 1873; 2. Aufl. 1883); «Novalis' Briefwechsel mit 19— und August Wilhelm, Charlotte und Karoline Schlegel. Herausg. von Raicho (Mainz 1880). Auch seine beiden Brüder waren poetisch beanlagt. Der ältere, Georg Anton von H., geb. 28. Juli 1773 zu Schlöben in Sachsen-Altenburg, Oberforstmeister in Hessen, gest. als preuß. Kammerherr und Landrat 10. Juli 1825 zu Oberwiederstädt, schrieb unter dem Namen Sylvester Beiträge zu des Renlm „Dichtergarten v und verschiedenen Musenalmanachen. Der zweite, Karl Gottlob Andreas von H., der sich Rostorf nannte, geb. 13. März 1776 zu Oberwiederstädt, wurde 1807 katholisch und starb als sächs. Amtshauptmann zu Weißenfels 28. Mai 1813. Er schrieb „Die Pilgrimschaft nach Eleusiso (Berl. 1804) und gab den „Dichtergartenv (Würzb. 1807) heraus.