FeedHarfe
MusikBrockhaus 1882

Harfe, ein Saiteninstrument, dessen Saiten mit den Fingern gerissen oder geschnellt werden. Das Instrument hat die Form eines Dreiecks und dieses ist gebildet 1) durch das Resonanzeorpus, einen etwa 1,6 m langen, von oben nach unten sich erweiternden und früher vierkantigen, jetzt halbrund gewölbten und mit flacher Decke versehenen Kasten, ewöhnlich von Ahornholz, in dessen Mitte der änge nach eine schmale und dünne Leiste von hartem Holz befestigt ist, in welchen Löcher zum Einhängen der Saiten (Darmsaiten) gebohrt sind; 2) durch den Hals, welcher schlangenförmig gebogen, am obern schmalen Ende des Corpus in spitzem Winkel ansetzt und in dem die Stimmnägel haften, um welche die Saiten geschlungen sind; durch die Vorderstange (Baronstange), au Träger genannt, welche dazu bestimmt ist, der bedeutenden Zuglast der zwischen Hals und Resonanzkörper ausgespannten Saite einen hinlänglichen Widerstand entgegenzusetzen. Da die H. bereits in früherer Zeit einen beträchtlichen Tonumfang fünf Octaven, vom großen C bis zum eingestrichenen oder d) hatte und der Raum für eine vollständige chromatische Leiter in diesem Umfange zu klein ist letwa nur 40 em), so sind die Saiten der H. nur in der diatonischen Skala gestimmt. Behufs der chromatischen Erhöhung irgendwelcher Töne mußten in früherer Zeit die diatonischen Saiten mittels eines Fingers an den Hals angedrückt und so verkürzt werden. Später ließ man dieses Andrücken durch Häkchen, welche mit der Hand gedreht wurden, verrichten. Solche Hakenharfen sieht man noch heute in den Händen geringerer Spielleute, und selbst für diese und ihre einsachen Melodien und Accompagnements hat das beständige Regulieren bei Tonerhöhungen seine großen Unbequemlichkeiten. Diesen Mängeln wurde erst ein wirksames Ziel gesetzt durch die Erfindung des Pedalmechanis mus durch Hochbrucker in Donauwörth (um 1720). Dieser Künstler brachte nämlich sieben Fußtritte (Pedale) an dem Instrument an, welche auf Züge wirken, die durch die dasel Vorderstange nach dem Halse hinlaufen und daselbst durch Gelenke u. s. w. die Häkchen so umdrehen, daß sie sich fest an die Saiten legen und so die Halbtonserhöhung durch den ganzen Umfang des Instruments (d. h. in allen Oktaven) bewirken. Diese Erfindung, welche die Hände des Spielers in ihrer eigentlichen Funktion ungestört läßt und durch die Ermöglichung des modulierenden Spiels die H. erst zum Solospiel und fürs Orchester tauglich machte, wurde noch vervollkommnet durch die do ppelte Pedalrückung (double mouvement), welche Sebastien Erard (s. d.) erfand. Die Erardsche Doppelpedalharfe, in Ces stehend, hat einen Umfang von beinahe sechs und einer halben Oktave, während die Hochbruckersche H., in Fstehend, nur Uußz Oltaven und eine Sexte an Umfang zählte. Außer der gewöhnlichen H. gibt es noch Wesche ene Übergangs⸗ und Spielarten derselben, B. die Spitz-oder Flügel harfe (Arpanetta), die Doppelharfe(Arpa doppia), die dreichörigeũHarfe des Luca Antonio Eustachio u. s. w. Die H. gehört 0 den allerältesten Tonwerkzeugen, von denen wir histor. Nachrichten haben. Bereits die alten Agypter hatten H., die hinsichtlich des Tonumfangs bereits eine hohe Entwickelung zeigen. Dann bedienten die Juden bei religiösen und andern Festlichkeiten sich der H. und harfenartiger Instrumente. Nicht minder wichtig erscheint die H. bei den Griechen, ja die H. des Apoll ist sogar das Sinnworden poetisch-musikalischen Vortrefflichkeit geworden. Endlich Canae sie sich bei gallischen, hochschott. und deutschen Sängern, sowie bei den skandinav. Skalden. Von Tonsetzern für die H. in neuerer Zeit sind zu nennen: Krumpholz, Nadermann, Labarre, Demar, Parish-Alvars, Godefroy, Oberthür u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 844Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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