FeedL'Hlassa
ErdkundeBrockhaus 1882

L'Hlassa, H'Lassa oder Lassa, d. h. Land der Götter, die Hauptstadt von Tibet, in der Provinz Dwus oder Wei, in einer weiten, von vereinzelten Bergen besetzten, wasser⸗ und fruchtreichen Ebene unter 2939 nördl. Br. und 90,59 östl. L. (von Greenwich),3566mh 140 unweitwestlich vom Mudik-Dfang-bolung, einem linken Nebenflusse des Jaru-Dsang-botsju oder Brahmaputra gelegen, ist von nicht großem Umfang und zählt etwa 25000 E. L. ist das Rom der Buddbisten. Seine Hauptstraßen sind sehr breit, gerade und auch sauber, voll Schmutz dagegen die Vorstädte, jenseit welcher zahlreiche Gärten und Parks dem Ganzen eine reizende Umfassung verleihen. Nach dem Franzosen Huc, der 1846 aus eigener Anschauung die Stadt beschrieben, besitzt L. im ganzen große Häuser von mehrern Stockwerken, in welchen oft 50 Familien Obdach finden. Dieselben, äußerlich sauber, im Innern aber schmutzig und geschmacklos, sind aus els, Backstein oder Lehm aufgeführt. Den Mittelpunkt der Stadt bildet das sehr umfangreiche Kloster Labhrang, das als Centrum des ganzen Landes gilt. Auf dasselbe führen alle Tibet durchschneidende Landstraßen, und in ihm hat die Regierung ihren Sitz, versammeln sich auch die Minister und andere höhere Behörden zur Beratung wichtiger Angelegenheiten, ehe sie diese dem Dalai-Lama und den beiden chines. Gouverneuren vortragen. Außerdem ist das Kloster Moru, als höhere Studienanstalt für die Eingeborenen und seiner Druckereien wegen bemerkenswert. Auch ist daselbst das Pockenhospital, in welchem die als Arzte fungierenden Lamas nur Singen und Beten als Heilmittel anwenden. Nur 1 km westlich von L. liegt auf einem nicht sehr hohen dreigipfeligen Kegelderge die berühmte Residenz des Dalai-Lama (. Lama), eine ganze Tempel⸗, Kloster⸗ und Palastgruppe, tibetanisch Potala oder Botala, eigentlich Buddha-Lha (d. i. der Weisheit Glück), chines. Futo-Schan genannt. Auf einem andern Gipfel desselben Bergs stehen zwei große Klosterpaläste zur Aufnahme der fremden Lamas, welche hier ihre theol. Studien vollenden wollen. Zwei von der Stadt nach Potala führende Baumgänge bilden eine lebhafte Straße, auf welcher sich unausgesetzt eine große Menge Pilger aus der Ferne zu Fuß, so- wie die prächtig gekleideten Hoflamas auf Rossen bewegen. Die Stadt L. ist ein Mittel⸗ und Sammelpunkt, sowie ein wichtiger Handelsplatz für das ganze östl. Asien und zeigt die größte Mannigfaltigkeit von Völkerschaften und Mundarten. Unterter L. liegen nach den vier Weltgegenden die Klöter Samje, Ghaldhan, Sera und Bhraebung, die vier größten der dreitausend, welche sich in Großtibet befinden sollen. Das erste war einst die Residenz der weltlichen Könige des Landes. Das zweite birgt die unverwesliche Leiche des buddhistischen Reformators Tsongkhapa. In die beiden andern begibt sich jährlich der Dalai-Lama einmal, um das Buddhagesetz zu erklären.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 48Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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