Benäres oder Banaras lim Sanskrit Varanasi), Hauptstadt der gleichnamigen Division der Lieutenant-Gouverneurschaft der Nordwestprovinzen des do-Britischen Reichs, das Rom der Hindu, die aumuch Stadt derselben und der Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und Orthodoxie, liegt, etwa 8 km lang, unter 25 17“ nördl. Br. und 83 47 östl. L. (von Greenwich), amphitheatralisch auf dem linken Ufer des Ganges, der daselbst eine hafenförmige Einbucht in das Land bildet und eine nach der Jahreszeit wechselnde Breite von 550— 850 m bei einer Tiefe von 25 — 30 m besitzt. B. bietet von dem Ganges aus einen sehr eigentümlichen, malerischen Anblick. Es bildet ein Labyrinth dunkler, feuchter, m der. gekrümmter und so enger Straßen, daß kaum der Clefant allenthalben durchkommen kann. Wagen sind in ihnen gänzlich unbrauchbar. Die Häuser, deren — — sich 1872 auf 35 741 belief, sind meistens drei⸗, häufig aber fünf⸗ bis sechsstöckig. Da jede obere Etage über die untere etwas hervortritt, so stoßen die höchsten Stockwerke einander ge enüberliegender Häuser häufi In zusammen. Sehr viele von ihnen sind mit Ertern, Balkonen, Geländern, Kuppeln und runden oder mehr pyramidalischen Domen geschmückt. Auch die bunten Farben, mit denen die meisten von ihnen angestrichen sind, und die auf * Vorderseite grell gemalten Blumen, Tier⸗, Menschen⸗ und Göttergestalten geben ihnen ein sehr Wesehrungrder Aussehen. B. ist Mittelpunkt der Verehrung des Siwa oder Mahadeva, und die a0 der dieser Gottheit geweihten Tempel (Siwalas) daselbst soll sich auf mehr als 1000 belaufen. Die meisten sind aber als Bauwerke eund Leuchtene Der bedeutendste, älteste, geehrteste un — ist der des Vishrayesa, d. h. des Herrn der Welt. In allen sind aufrechtstehende Dem aus Stein Hauptgegenstand der Anbetung. Dem Shiwa geweihte Stiere laufen π-ðjẽ. frei in den Straßen umher, während es in mehrern Tem eln der Durga von dort gehegten und gepflegten a enthalben herumspringenden Affen wimmelt. Von den der Sekte der Dschainas angehörenden Tempeln sind besonders der Man-Mandil oder das Haus der Mandil-Singh, welches 1680 zu einer Sternwarte eingerichtet und mit großartigen, noch vorhandenen astron. Mandil oder versehen wurde, sowie der ainandil oder Tempel des Dschaina, wiewohl schon im Verfalle, ihrer Architektur wegen bemerkenswert. Von den etwa 300 Moscheen in B. ist die von Aureng-Zeyb, unweit des Ganges auf der Stelle eines niedergerissenen Hindutempels erbaut, mit drei Kuppeln und zwei Minarets eine der großartigsten. Die Da Bevölkerung beträgt (1881) 207 570, wechselt aber sehr wegen der Menge täglich nach B. strömender Wallfahrer und anderer Fremden, welche zur Zeit des Ram-Lila, des größten, und des Dawalll, des glänzendsten aller zu B. gefeierten relidesnd Feste mehr als 100 000 betragen. Unter 0 efinden sich mehr als 20000 Brahmanen, eine sehr Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. große Anzahl von Bettlern, Landstreichern, Müßiggängern aller Art und mit Schmutz bedeckten, fast nackenden Fakirs von der widerlichsten Erscheinung. Aber auch viele reiche und vornehme Hindu halten sich zeitweilig oder während der letzten Lebensjahre in B. auf, teilweise um dort zu sterben. Lieblingsaufenthalt der Bevölkerung sind die von den Quais zu dem Ganges hinabführenden Ghats oder Steintreppen. Um im Angesichte des Ganges zu sterben, lassen Todkranke sich dorthin tragen, während auf finden. B. noch immer, wie in alter Zeit, der Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und Wissenschaft, obgleich Kalkutta in neuerer Zeit, namentlich mit Bezug auf das Studium ind. Sprachen, mehr und mehr mit B. wetteifert. Die Benares-Pandits gelten noch immer in allen religiösen Wlran als erste Autoritäten. Von den zahlreichen Lehranstalten sind das Hindukollegium und das 1792 gestiftete Sanskritkollegium die bemerkenswertesten. Beide genießen die Unterstützung der engl. Regierung. In ersterm wird Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, dem Gesetze der Hindu, in deren heiliger Litteratur, dem Sanskrit, und der Astronomie erteilt. W0 dem andern lehrt man die engl. Sprache, Geschichte und Litteratur, das Sanskrit, das Hindi und wersigge⸗ Gaue Mathematik, Staatsökonomie u. s. w. B. ist auch der Sitz einer blühenden Industrie und als Handelsplatz von großer Bedeutung. un hen sind die dort verfertigten Schmucksachen von edeln Metallen, die Gold⸗ und Silberbrokate, Samte, seidenen und baumwollenen Stoffe. Zu Markte kommt ehem alles, was Indien und die Nachbarländer an edeln und kostbaren Erzeugnissen des Kunstfleißes sowie an Naturprodukten hervorbringen, zugleich mit allen nur denkbaren Erzeugnissen der engl. Industrie. Von den Kaufleuten in B. zählen einige zu den die schor in ganz Indien. B. ist eine uralte Stadt, die schon in den sanskritischen Dichtungen Kasi, d. i. die Glänzende, genannt und als älteste Brahmanenschule gefeiert wird. Im 1193 wurde dasselbe von dem Ghuriden Kutbed-din erobert und 1529 von Baber dem Reiche von Delhi einverleibt. Bei dem Verfalle des letztern zu Anfang des 17. Jahrh. schwang si der Sund von Ghazipur zum Gebieter über die Stadt und das Gebiet von B. auf, kam 1775 unter die Oberherrlichkeit der Englisch-Ostindischen Kompagnie wurde aber 1781 von letzterer abgesetzt und verlor sein Gebiet an dieselbe. Vgl. Sherring, The sacred citz of the Hindus; an account of B. in ancient and and castes, as represented in B.o (Benares 187²). Die Division Benares auf 47431 qkm und besteht aus den sechs Distrikten: B., Mirzapur, Ghazipur, Busti, Gorakhpur und Azimgarh.