Liberia, Negerrepublik an der Pfefferküste Oberguineas, verdankt ihren Ursprung der 31. Dez. 1816 in Washington gegründeten Amerikanischen Kolonisationsgesellschaft für freie Neger. Ein erster Versuch 1820, auf der Sherbro-Insel 30 Negerfamilien aus Amerika anzusiedeln, mißlang durch das mörderische Klima; dagegen gedieh eine 1821 auf Kap Mesurado (korrumpiert von Monte-Serrado) gegründete Kolonie, deren Hauptort dem Unionspräsidenten Monroe zu CEhren den Namen Monrovia (s. d.) erhielt. Im +597 ahre widerstand sie tapfer den Angriffen der Eingeborenen, 1824 erhielt sie den ersten Keim zu einer polit. Selbstverwaltung, indem die Gesellschaft die Anstellung aller Beamten der Kolonie selbst überließ. Am 8. Juli 1847 erklärte der Senat der Vereinigten Staaten die bisherige Kolonie für einen souveränen, selbständigen Freistaat, dem 1860 auch die 1834 am Kap Palmas gegründete, seit 1854 freie Negerrepublik Maryland beitrat. Nach der Verfassung werden Präsident, Vizepräsident (beide mindestens 35 J. alt) und das aus 13 Mitgliedern bestehende Abgeordnetenhaus auf zwei, die 8 Mitglieder des Senats auf vier Jahre gewählt; jede Grafschaft sendet zwei Mitglieder in den Senat, und der Zuwachs von je 10000 Seelen ermächtigt zu einem Repräsentanten mehr. Die Republik erstreckt sich gegenwärtig etwa 600 km weit von dem zum Sheba gehenden Flusse Jong, in 7 35 nördl. Br., bis zum San-Pedro, in 4 45 nördl. Br., jenseit Kap Palmas, und umsaßt etwa 37200 km; auch beansprucht sie im Nordwesten die ihr von England streitig gemachte Gallinasküste zwischen dem Manna und der Sherbro-Insel. Nach dem Innern steht die Grenze nicht fest; unterworfen haben sich indessen die Stämme bis auf etwa 130 bis 160 km Entfernung von der Küste. L. besteht aus den vier Grafschaften oder Kun Palm Mesurado, Grand-Bassa, Sinoe und dap Palmas mit Maryland. Die Zahl der aus Amerika übergesiedelten und andern befreiten, sog. civilisierten Neger beträgt etwa 18000. Die Bevölkerung, hauptsächlich den Stämmen der Veys, bei denen der Mohammedanismus Wurzel gefaßt hat, Golas, Busies, Dehs, Pessies, Mandingos, Grebos, Gallinas, Bassas und Krus angehörend, wird auf 1050000 angegeben. Weiße können nicht Bürger werden. In Monrovia besteht ein College. Die Staatssprache ist die englische, die Kirche die evangelische, mit ausdrücklicher Ausschließung der katholischen; die meisten aber sind in ihren Fetischdienst zurückverfallen. Die Liberianer besitzen eine Anzahl großer Schiffe, die Handel mit England, Belgien, Amerika und Hamburg treiben, sowie über 30 Küstenfahrzeuge. Die Handelshäfen sind Robertsport Monrovia, Junk-Marshall in der Grafschaft Mefurado, Edina und In er in der Grafschaft Grand-Bassa, Greenville in der Grafschaft Sinoe und Harper in Maryland; indes ist der Handel ganz unbedeutend. Die weißen Kaufleute sind faltisch die Herren im Lande. Zur Ausfuhr kommen Palmöl, Palmnüsse, Kaffee, Rotholz, Elfenbein, Arrowroot, Zucker, Ingwer. Die Einnahmen des Staats betrugen (1883) 174014, die Ausgaben 157 465, die Staatsschuld 500000 Doll. Jeder 16 —50 J. alte, waffenlagize Bürger ist zum Kriegsdienste verpflichtet; ines besteht keine Armee. Die Miliz umfaßt 1 Briade von 4 Regimentern. In Vertragsbeziehungen 50 L. mit dem Deutschen Reiche, Großbritannien, rankreich, Belgien, Dänemark, Italien, den Vereinigten Staaten, Niederlanden, Schweden und Norwegen, Portugal, Osterreich-Ungarn und Haiti. Vgl. Die Republik L.v (in Unsere Zeito, Bd. 3, Lpz. 1858); Valdez, Six yvears of a traveller's life in Western Africa o (Lond. 1861); Wilson, Western Africa o (Lond. 1856); Hutchinson,« impressions of Western Africay (Lond. 1858); Oberländer, over L. Resultaten van eene onderzoekingsreis 1879 —82 (Amsterd. 1883).