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ErdkundeBrockhaus 1882

Arkansas, einer der südl. Staaten der Union, zwischen 33* und 36· 30 nördl. Br. und 89· 307 und 9430 westl. L. (v. Gr.) gelegen, im O. vom Mississippi und dem Staate Missouri, im N. von Missouri, im W. vom Indianergebiete und Texas, im S. von Louisiana begrenzt, hat ein Areal von 135 187 qkm. Der Staat A. wird ziemlich in der Mitte von dem Arkansasflusse, der ihm den Namen gab, durchströmt. Derselbe ist nach dem Missouri der größte Nebenfluß des Mississippi, strömt von den ocky-Mountains herab, verstärkt sich rechts durch die Einmündung des Canadian und Poteau, links durch die des Verdigris und Illinois und fließt nach einem Laufe von etwa 3000 luß in v. Arkansas-Post in den Mississippi. Der Fluß ist von seiner Mündung bis tief in das Indianergebiet, also überall im Staate A., schiffbar. Der zweite bedeutende Fluß des Staats ist der White-River, der von N. kommt und nach einem Laufe von 900 km nicht weit oberhalb des Arkansas in den Mississippi mündet. Er ist für kleine Dampfer bis Batesville, 380 kKm von seiner Mündung, und in sehr nassen Jahren noch 225 km weiter mien i schiffbar. Von seinen zahlreichen Nebenflüssen ist der Black-River, der 60 Km unterhalb Batesville mündet, 150 Em weit schiffbar. Der eine Strecke lang die Grenze zwischen A. und Missouri bildende St.⸗Francisfluß strömt durch den nordöstl. Winkel des Staats, wo er sich zu einem 8—30 km breiten See erweitert, der durch Einsinken der Erde infolge des großen Erdbebens von 1811 entstanden ist; der Fluß ist 680 Km lang, wovon jedoch nur 225 km schiffbar, und mündet oberhalb des Städtchens Helena in den Mi Rhtr i. Der Washita, im westl. Teile des Staats, südlich vom Arkansas-Rie entspringend, läuft diesem parallel in südöstl. ichtung, den schönsten und fruchtbarsten Teil des Staats bewässernd, dann südlich nach Louisiana, wo er sich mit dem Red-River kurz vor dessen Einmündung in den Mississippi vereinigt. Der Red-River selbst, auf einer kurzen Strecke die Grenze wischen A. und dem Indianergebiete bildend, durch-Eann die äußerste südwestl. Ecke des Staats. Die berfläche des Staats ist verschieden im O. und W. Der östl. Teil am Mississippi ist tief und flach, von üppiger Vegetation, aber zugleich reich an Sümpfen, die sich bei den ÜUberschwemmungen bilden und, im Sommer austrocknend, die Luft höchst ungesund machen. Gesund ist das nordwestliche A.; hier tritt das Ozarkgebirge in das Land, das sich von Little-Rock aus in nordwestl. Richtung erstreckt (480— 630 m hoch), und verleiht ihm einen pittoresken Charakter. Die Niederungen an den Flüssen und die Abhänge der Berge gestatten lohnenden Anbau von Getreide, während sich die fruchtbaren, aber ungesunden Riederungen im O. zum Anbau der Baumwolle trefflich eignen. Südlich vom Arkansasflusse ist das Masserne⸗ oder Washitagebirge, sehr öde und unfruchtbar. Erst vom Washita an beginnt wieder fruchtbarer Boden. Nicht weit von diesem lusse etwa 104 km in südwestl. Richtung von ittle-Rock im Hot-Springs-Bezirk liegen berühmte * Quellen, 75 — 100 an Zahl, die mit einer emperatur von 40 — 70 C. namentlich gegen Gicht, Rheumatismus und Merkurialleiden wirksam sind. Das Klima des Landes Loffen T. aber im Spätherbst und Winter sehr schroffen Temperaturwechseln durch die eisigkalten Nordwinde unterworfen. Im Frühjahr und Sommer kommen schwere Gewitter vor. Die Extreme der Temperatur in Little-Rock sind — 10“ und + 36 C.; die mittlere Temperatur der Wintermonate + 8, der Sommermonate + 27 C. Im Sommer ist die Hitze oft 40—50 Tage lang hintereinander über 32 C. Der sehr große Mineralreichtum des Landes ist noch 9081 unbenutzt. Zwar lohnt sich das im Bezirk hite entdeckte Gold nicht der Mühe der Ausbeute aber an beiden Ufern des Arkansasflusses oberhal Little-Rock erstrecken sich mächtige Lager von Steinkohlen. Zinkerz findet sich in größerer Menge als in irgendeinem Staate der Union, mit Ausnahme von Neujersey. Ebenso kommt silberhaltiges leierz und Salz häufig vor, und Eisen tritt im Ozarkgebirge an vielen Stellen 85 Tage. An Mangan und Gips ist A. reicher als alle übrigen Staaten der Union. Am Washita finden sich ausgedehnte Lager des besten Olsteins. An Wild ist A. noch immer sehr reich. Büffel, Elentiere, Hirsche, Biber, Ottern, Hasen, Waschbären, wilde Puter, 177 Wachteln sind, namentlich im Ozarkgebirge, zahlreich, auch Bären und Wölfe nicht selten. Obgleich A. von der Natur reich begünstigt ist, hat es doch wegen der früher dort herrschenden Sklaverei verhältnismäßig nicht schnell an Einwohnerzahl zugenommen; auch hat sich bei dem sehr niedrigen Kulturgrade der Bevölkerung, welche durch Zuwanderung aus den südöstl. Sklavenstaaten der Union Geamtleb⸗ seine Wichtigkeit für das wirtschaftliche Gesamtleben der Union keineswegs im Verhältnisse zu seiner Einwohnerzahl gesteigert. In den J. 1820, 1840, 1860 und 1870 betrug diese Zahl resp. 14273, 97574, 435450 und 484471 CE., und erst infolge der Abschaffung der Sklaverei stieg die Bevölkerung 1880 auf 802 564 E., darunter nur 10295 im Ausland Geborene, aber 210953 Farbige, einschließlich 134 Chinesen und 197 Indianer. Im ganzen waren 416 383 E. männlichen und 386 181 weiblichen Geschlechts. Es gab 1870 im Staate 111 799 über 10 J. alte Personen, die nicht lesen, und 133339, die nicht schreiben konnten. Erst nach Beendigung des Bürgerkriegs wurde 1868 ein Freischulensystem an den Staat eingerichtet, der bisher die schlechtesten nterrichtsanstalten in der ganzen Union lofichhatte, und 1870 besuchten von 180274 schulpflichtigen Kindern 107908 die Schulen. Seit Anfang 1872 ist auf Kosten des Staats in Fayetteville die Arkansas Industrial University eröffnet, eine Art Realschule niederer Ordnung, welche 321 Freistellen hat und von etwa 400 Hesensich besucht wird. Die Schulden des Staats beliefen sich 1880auf 5046 405 Doll., während der Taxwert des Grundeigentums auf 54 606 057 Doll. und das buede, Vermögen auf 32286 484 Doll. geschätzt wurde. Deutsche gibt es, Florida ausgenommen, in keinem Staate der Union so wenig wie in A. Die Bevölkerung ist fast ausschließlich ackerbautreibend. Von den 33 ½ Mill. Acres, welche das Areal des Staats bilden, waren 1850 erst 781530, 1860: 1 933036 und 1870 infolge des Kriegs nur 1714 466 Acres unter Kultur. Der Wert aller Farmen, 1850 auf 15 ½¼ Mill. Doll. angegeben, betrug nach dem Census von 1860 nicht weniger als 91 ½ Mill., während er infolge des Kriegs 1870 auf 36 457476 Doll. herabgesunten war. Die Ernte der J. 1860 und 1880 wies in den wichtigsten Produkten folgende Zunahmen auf: Weizen von 955298 auf 1269 730 Bushel; Mais von 17758 665 auf 24150417 Bushel; Baumwolle von 367485 auf 608256 Ballen (à 225 kg). Der Gesamtwert des Viehbestandes war 1850—60 von 6647 969 auf 22040211 Doll. gestiegen. Gegenüber dieser Mangel a im Ertrag des Ackerbaues steht gänzlicher Mangel an allem industriellen Leben. Selbst die einfachsten, mit dem Ackerbau zus Kiine eriten. den Industrien haben so gut wie gar keine Existenz. Am 1. Jan. 1880 waren nur 1293 km Eisenbahn im ganzen Staate vollendet. Der Staat ist in 74 Counties geteilt. Die gesetzgebende Gewalt ruht in einem zur Zeit aus 31 Mitgliedern bestehenden, auf vier Jahre gewählten Senate und einem aus 93 Mitgliedern Hanfe. Dis auf zwei apeche gewählten Abgeordnetenhause. Die vollziehende Gewalt übt ein auf zwei Jahre gewählter Gouverneur, der nicht öfter als einmal wiedergewählt werden darf und 3500 Doll. Gehalt bezieht Der oberste Richter des Gerichts höchster Instanz wird ernannt vom Gouverneur und bestätigt von der Legislatur auf acht Jahre, während die vier Richter direkt vom Volke auf acht Jahre gewählt werden. Die Richter des Bezirksgerichts und der untern Gerichte stellt der Gouverneur mit Zustimmung des Senats auf sechs Jahre an; die Friedensrichter dagegen werden für zwei Jahre vom Volke gewählt, die der Gerichte erster und zweiter Humide direkt vom Volke auf zwei und vier Jahre. um Kongreß schickt der Staat zwei Senatoren und vier Repräsentanten. Wichtige Städte befinden sich im Staate gar nicht. Selbst die Staatshauptstadt Little-Rock mit 13 185 E. und Helena, der bedeutendste Hafen am Mississippi, eine Handels stadt und Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnen, mit 3652 E., sind verhältnismäßig unbedeutende Orte. Geschichtliches. Der gegenwärtige Staat A. gehörte ursprünglich zu dem von Frankreich angekauften Louisiana-Territorium, ward 1812, bei der Zulassung des Staates Louisiana in die Union, mit dem jetzigen Missouri zusammen ein Territorium, dann 1821, als auch Missouri Staatwurde, ein besonderes Territorium, das 15. Juni 1836 als Sklavenstaat in die Union trat. A. wurde 1861, obschon eine große Majorität seiner Einwohner sich für das Verbleiben in der Union ausgesprochen, durch terroristische Maßregeln mit in den Aufruhr der Sklavenstaaten gerissen. In dem 19951.7 der daraus entstand, hatte namentlich die nördl. Hälfte von A. furchtbar zu leiden. Im Sroigbs 1862 war die Nordwestecke des Staats Schauplatz blutiger Kämpfe (Schlacht bei Pea-Ridge). Im Sept. 1863 occupierte ein Bundesheer Ktle⸗ ock. Erst mit dem Frieden kehrten einigermaßen geordnete Abichasn wieder, und seit der durch ihn 10e Möal bschaffung der Sklaverei ist wenigstens die Möglichkeit gegeben, daß A., in Betreff seiner Bevölkerung der 25., seiner Kultur nach aber der letzte Staat der Union, sich aus seiner Verwilderung erheben kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 904Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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