FeedLunge (Pulmo)
HeilkundeBrockhaus 1882

Lunge (Pulmo), das Atmungsorgan der höhern Tiere und des Menschen bildet die Endigung der Luftröhre und ihrer Zweige und liegt beim Menschen mit dem Herzen in der Brusthöhle, und zwar drei Abschnitte derselben (Lappen, lobi) in der rechten, zwei (und das Herz) in der linken Brusthälfte. (S. die Tafel: Die Brusteingeweide des Menschen, Fig. I, 14.15, Fig. II, 17.) Eine jede L. hat die Form eines senkrecht durchschnittenen Kegels, dessen breite konkave Basis auf dem nach oben konvexen Zwerchfell aufliegt, während seine abgerundete Spitze über den obern Rand der ersten Rippe hinausragt; die äußere konvexe Fläche der L. liegt allenthalben der Seitenwand des Brustkorbes an, wogegen ihre innere ausgehöhlte Fläche mit der gleichen der gegenüberliegenden L. eine geräumige Nische für das Herz (s. d.) und die großen Gefäße bildet. Ihre Oberfläche ist von dem dünnen, glatten, durchsichtigen Brustfell (Pleura) überzogen, welches auch die innere Brustwand und das Zwerchfell auskleidet und nach seiner Lage in das Rippenfell (Pleura costalis), das die Brustwand mit den Rippen, und in das Lungenfell (Pleura pulmonalis), das die Oberfläche der L. überzieht, unterschieden wird. In der Mittelebene des Körpers berühren sich die beiden Brustfelle und bilden so zwischen beiden L. eine von der Wirbelsäule nach dem Brustbein verlaufende Scheidewand, das sog. Mittelfell Mediastinum), welches oben und hinten einen dreieckigen Raum freiläßt, von welchem der hintere die Speiseröhre und die große Brustschlagader, der vordere das Herz und seine großen Gefäßstämme, die Luftröhre und die Thymusdrüse aufnimmt. (S. Brust.) „Die L. ist ein schwammiges, außerordentlich elastisches, unter dem Fingerdruck knisterndes Organ, das beim Durchschneiden schaumiges, mit Luftbläschen gemischtes Blut austreten läßt und bei Cröffnung der Brusthöhle zusammensinkt. Cbenso nimmt sie einen kleinern Raum ein beim Ausatmen; spannt sich aber beim Einatmen das Zwerchfell und hebt sich durch die Thätigkeit der Atmungsmuskulatur der Brustkasten, so wird die L. von der nachrückenden Luft ausgedehnt. Eine aus dem Körper genommene L. läßt sich leicht aufblasen und verändert ihre bläulichrote Farbe in eine hellrosenrote. Ihr spezifisches Gewicht ist wegen der im Gewebe verteilten Luft geringer als das des Wassers, weshalb L., welche geatmet haben, als Ganzes, oder in Teile geschnitten, auf dem Wasser schwimmen. (S. Lungenprobe.) Ihr absolutes Gewicht beträgt bei mäßiger Füllung mit Blut ungefähr 1 bis 1,30 kg; bei Frauen etwas weniger. Die letzten Zweige der baumförmig verzweigten Luftröhre (s. d.) tragen eine große Anzahl halbkugelförmiger, mikroskopisch kleiner Bläschen, welche in einem Lungenlappen alle miteinander in offener Verbindungstehen, die Lungenbläschen oder 800 Wil alveolen, deren es in beiden L. gegen 1800 Mill. gibt; ihr Durchschnitt schwankt zwischen 01 und 0,37½ mm. Auf den Lungenbläschen ist ein überaus feines Haargefäßnetz ausgebreitet, in welchem die Lungenarterien endigen und das sich zu den Lungenvenen sammelt; durch die Wandungen dieses Haargefäßnetzes hindurch findet jener beständige Austausch von Gasen zwischen dem Blut und der eingeatmeten Luft statt, auf welchem der Atmungsprozeß und damit das Leben beruht. Das dunkelrote Blut der Lungenarterien gibt nämlich in den Lungenbläschen Kohlensäure ab, nimmt dafür Sauerstoff auf und wird so zum hellroten Blute der Lungenvenen. (S. Atmung.) Die Fläche, auf der dieser Austausch zwischen der eingeatmeten Luft und dem Blute (beim erwachsenen Menschen etwa 16mal in der Minute) stattfindet, ist von Huschke auf nahezu 2000 Quadratfuß berechnet worden. Ernährt wird die L. durch das Blut der Bronchialarterie. Weiterhin enthält das Lungengewebe viele Lymphgefäße, welche mit den schwärzlich pigmentierten Luftröhren- oder Bronchialdrüsen in Verbindung stehen, und Nervenfasern, die den chem. Prozessen der L. und ihrer Empfindlichkeit vorstehen und teils dem zehnten Hirnnerven, dem sog. Lungenmagennerven, teils dem sympathischen Nerven angehören. Wird die Brusthöhle durch Verwundungen oder Verschwärungen eröffnet, so sinkt die L. zusammen und die Atmung hört auf dieser Seite auf, wodurch das Leben in hohem Grade gefährdet ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 254Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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