Lungenkraukheiten sind im Verhältnis zu den übrigen Organerkrankungen überhaus häufig, was bei dem ungemein zarten Gewebe und dem großen Blutreichtum der Lungen und bei der Leichtigkeit, mit welcher mancherlei mechanisch und chemisch reizende Schädlichkeiten der Außenwelt vermittelst des Atmungsprozesses durch die Luftwege in das Lungengewebe gelangen können, nicht wunder nehmen kann; sie bedürfen von Anbeginn an sorgsamster Beobachtung und Pflege, da sie oft genug bei Vernachlässigung dauerndes Siechtum oder frühzeitigen Tod zur Folge haben. Zu den häufigsten L. zählen die Blutüberfüllung der Lungen (s. Lungenhyperämie), der Lungen⸗ oder Bronchialkatarrh (s. Bronchialkatarrh), die verschiedenen Formen der Lungenentzündung (s. d.) und der Lungenschwindsucht (s. d.); unter gewissen Verhältnissen kommt es auch in den Lungen zur Bildung von Abscessen (s. Lungen abseesse) oder zum brandigen Absterben größerer Gewebspartien (s. Lungenbrand). Verlust der Elasticität des Lungengewebes und Ausdehnung der Lungenbläschen durch Schwund der Zwischenwände findet sich häufig bei chronischen Katarrhen, sowie bei Verdichtungen des Lungenparenchyms und stellt als Lungenerweiterung oder Emphysem (s. d.) eine der häufigsten Ursachen des Asthma dar, wogegen krampfhafter Verschluß der feinern Luftröhrenzweige das nervöse Asthma bedingt. (S. Asthma.) Beim Fötus sind die Lungenbläschen zusammengefallen und luftleer, die Brust noch nicht gewölbt, die Rippen flach niedergedrückt; bleibt dieser Zustand teilweise auch nach der Geburt noch bestehen oder wird er im spätern Lebensalter durch Krankheit erworben, so erfährt der Atmungsprozeß bedenkliche Störungen (s. Lungenatelektase). Auch die Ansammlung von wässeriger Flüssigkeit in den Lungenbläschen vermag den Atmungsvorgang schwer zu bedrohen oder ganz zu vernichten; dieselbe tritt häufig in den letzten Stunden des Lebens ein und wird so zur direkten Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. Todesursache. (S. Lungenödem.) Im hohen Alter nimmt die blaurote Lunge miolge⸗ es ende atmeten Kohlenstaubes eine dunkle schwarze Färbung an. Krebs, Sarkom, Syphilis und Echinokokkus können die Lungen ebenfalls befallen. Alle Lungenkranken sollen ein durchaus geregeltes Leben führen und die größte Sorgfalt auf den Atmungsprozeß verwenden, insbesondere für eine möglichst reine, beständig gleichmäßig warme Luft sorgen und sich vor schroffem Wechsel zwischen warmer und kalter Luft, sowie vor den rauhen Nord⸗ und Ostwinden schützen. Alle körperlichen und geistigen überanstrengungen, welche einen stärkern Blutzufluß zu den Lungen erregen, sind auf das sorgfältigste zu meiden, dagegen die Atmungsorgane selbst durch tiefe und ruhige Einatmungen so- wie durch zweckmäßige gymnastische übungen in vorsichtiger Weise zu kräftigen. Während der rauhen Jahreszeit ist das Tragen wollener Unterkleider und das Warmhalten der Füße durch wollene Strümpfe sehr zu empfehlen. Die Diät sei kräftig, nahrhaft und leicht verdaulich; obenan stehen frisch gemolkene warme Milch, Eierspeisen, leichte Fleischsorten, Fleischbrühen, Mehlspeisen, Butter und leichtverdauliche Fette u. dgl. In vielen Fällen leistet die längere übersiedelung in ein mildes südliches Klima oder in einen geschützten Höhenkurort vortreffliche Dienste.