Magnetismus der Erde. Die Beobachtung, daß ein an einem Faden in seinem Schwerpunkt beweglich aufgehängter Magnet eine bestimmte Richtung annimmt, weist mit Bestimmtheit darauf hin, daß unsere Erde selbst magnetisch ist. Und zwar muß, weil der nach Norden hinweisende Pol des Magnets der Nordpol, der nach Süden Dedmane der Südpol heißt, zufolge des Gesetzes, daß nur die ungleichnamigen Magnetpole sich anziehen, der im Bereiche des geogr. Nordpols liegende magnetische Pol der Erde ein Südpol und der im Gebiet des geogr. Südpols liegende Magnetpol der Erde ein Nordpol sein. Die beiden magnetischen Pole der Erde fallen aber nicht mit den geogr. Polen zusammen. Der magnetische Südpol der Erde liegt im nördl. Amerika, ungefähr unter 73 25 nördl. Br. und 264 21, östl. L. (von Greenwich), und der magnetische Nordpol südlich von Vandiemensland, ungefähr unter 72 35 südl. Br. und 152 30˙ östl. L. (von Greenwich). Der Winkel, um welchen die Richtung eines in horizontaler Ebene um eine lotrechte Achse in seinem Schwerpunkte drehbaren Magnetstabes von dem geogr. Meridian abweicht, heißt magnetische Deklination oder Abweichung. Eine lotrechte Ebene, welche die magnetische Achse eines solchen Magnetstäbchens oder einer solchen Magnetnadel enthält, nennt man den magnetischen Meridian. Der Winkel, um welchen ein im magnetischen Meridian in seinem Schwerpunkte um eine wagerechte Achse drehbarer Magnetstab unter den Horizont sinkt, heißt magnetische Inklination. Die magnetische Deklination und Inklination, sowie auch die Stärke der Wirkung (Intensität) des Erdmagnetismus sind an den verschiedenen Orten der Erde verschieden und werden teils an stationären magnetischen Observatorien, teils von Reisenden mit Hilfe der dazu geeigneten magnetischen Deklinatorien, Inklinatorien und magnetischen Intensitätsmessungen ermittelt. Die Orte gleicher magnetischer Deklination werden durch Kurven verbunden, welche Isogonen heißen; die Linie, welche die Orte verbindet, wo die Deklination gleich Null ist, heißt Agone; die Kurven gleicher magnetischer Inklination nennt man Isoklinen; die Linie, welche die Orte verbindet, wo die Inklination gleich Null ist, heißt Akline oder Nullisokline; die Kurven gleicher magnetischer Intensität Isodynamen. Der Erdmagnetismus gilt als die Folge von elektrischen Strömen, die in der Erde auf eine gewisse Weise verteilt sind. Vgl. Lamont, «Handbuch des Erdmagnetismuso (Berl. 1849); derselbe, (Astronomie und Erdmagnetismusp (Stuttg. 1851). (S. auch Erde,‚ Bd. VI, S. 2675).