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Sitten & ModeBrockhaus 1882

Manuie (vom grch. νεια, d. h. Wut, Raserei) ist eine Form von Geisteskrankheit (s. d.). Man unterscheidet verschiedene Grade von M., nämlich ) einen leichtern, die maniakalische Cxaltation, charakterisiert durch eine unabhängig von äußern Einflüssen sich entwickelnde (meist heitere) Verstimmung und gehobenes Selbstgefühl, verbunden mit abnorm raschem Fluß und reichem Zuströmen der Gedanken, mit Neigung letztere sofort in Handiungen umzusetzen, und demgemäß auch mit erhöhter Muskelthätigkeit. Unbesonnene Handlungen (z. B. Heirat mit unwürdigen Personen u. s. w.), Neigung zur Projektmacherei, Spekulationen, taktloses Benehmen in Worten und Handlungen sind dabei gewöhnliche Erscheinungen. 2) Eine schwerere Form bildet die Mania gravis (maniakalische Tobsucht), wo es vollständiger Zusammenhangslosigkeit der Gedanken (sinnlose Reimereien), Verworrenheit, hochgrädigen wechselnden Affekten, Sinnestäuschungen und vor allem zu allerhand zwecklosen Bewegungen (Gestikulieren, Grimassieren, Schreien u. s. w.) kommt. Die Triebe sind oft hochgradig gesteigert und beherrschen den Kranken dann vollständig. Tritt eine excessive Steigerung des Geschlechtstriebes mit schamloser Befriedigung desselben hervor, so bezeichnet man den Zustand bei weiblichen Personen als Nymphomanier (bei Männern «Satyriasiso). Die M. ist, wo sie rein auftritt, überwiegend als eine heilbare Erkrankung zu betrachten. Wenig Aussicht auf Heilung bietet die periodisch wiederkehrende M. Manieristen, in der Malerei Bezeichnung für diejenigen, welche den Stil eines großen Künstlers ohne Geist nachahmen. Manifest (mittellat. manifestum, das Handgreifliche) nennt man eine öffentliche Erklärung einer Staatsregierung über eine wichtige Angelegenheit zur Rechtfertigung ihrer Handlungsweise. Manifest im Seerecht heißt der Frachtbrief über die gesamte Ladung, welcher die Auszüge aus den einzelnen Frachtbriefen enthält. rung, Darlegung der Gedanken und des Willens;, in der Naturphilosophie die Erscheinung des Unendlichen im Endlichen. Manifestationseid, s. Offenbarungseid. Maniguettapfeffer, s. unter Amomum. Manihiki-Inseln, Inselgruppe im Großen Ocean, unter 10° südl. Br. und 150—161 westl. L. von Greenwich, 137 qkm groß, mit etwa 1600 E. Die Insel Caroline, die östlichste des Archipels, 5,5 qkm groß, ist von den Engländern, Tongarewa oder Penrhyn (300 E.) und Flint sind von den Amerikanern in Besitz genommen. Manihot (Manihot utilissima Ponl.) oder Cassavestrauch, ein etwa Im hoher, der Familie der Euphorbiaceen angehörender Strauch, der handförmige, fünf⸗ bis siebenteilige, ganzrandige, unterseits seegrüne Blätter und end⸗ und blattwinkelständige armblütige Trauben trägt, deren Blüten einhäusig sind und aus einem fünfteiligen Perigon mit zehn Staubgefäßen oder einem Stempel mit drei großen morchelförmigen Narben bestehen. Die Frucht ist eine fast zolllange, länglichkugelige, auswendig runzelig-geflügelte Kapsel, welche weiß-graue, marmorierte Samen enthält. Der Strauch ist im tropischen Amerika einheimisch und wird von der Magellanstraße bis nach Florida allgemein in mehrern Spielarten angebaut, jetzt auch im tropischen Afrika, seltener in Asien angepflanzt. Seine gewöhnlich 30 bis 60 em langen und zu drei bis acht büschelig beisammenstehenden Wurzeln enthalten einen äußerst scharfen und sehr giftigen Milchsaft und zugleich eine Menge Stärkemehl, und sind nach Entfernung des Milchsaftes durch Auswaschen eins der wichtigsten Nahrungsmittel der Amerikaner. Auch ist der Ertrag ein äußerst großer. Um das Mehl zu erhalten, reibt man die Wurzel, wäscht und preßt sie aus und bringt den ausgepreßten Rückstand auf einer eisernen Platte, welche durch Feuer erhitzt wird, zum Darren. Das so erhaltene Mehl heißt Manioc, Mandioka oder Cassave. Aus dem Wasser aber, welches zum Auswaschen der geriebenen Wurzel verwendet wurde, setzt sich beim Stehen ein äußerst feines und reines Stärkemehl ab, welches Tapiocca oder Cassavestärke genannt wird. Wird das Manioc zu einer Art Kuchen gebacken, so gibt es das Cass avebrot. Man baut auch noch eine andere Art, welche man früher für eine Abart der beschriebenen hielt, die M. Janipha Pohl., deren Wurzeln einen ganz milden Saft enthalten. Diese Art wird die süße Cassave oder Juca genannt, während jene mit giftigscharfer Wurzel bittere Cassave oder bittere Juca heißt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 410Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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