FeedKröpfungen
Sitten & ModeBau-Lexikon 1881

Kröpfungen haben nur den Zweck, die scharfen Spitzen zu vermeiden, welche leicht ausbrechen; in Fig. 2423, wo die Mittelsteine zu Höhe einer dritten Mauerschicht emporsteigen, treten hierzu noch die oberen Kröpfe bei b⸗ u. e mit gleichem Zweck wie die bei Ound D. Die hierdurch bewirkte Steilerleitung der Schublinie ist bei Fig. 2424 dadurch erreicht, daß die Fugen in der Höhe der ersten Mauerschicht über dem Widerlager nochmals gebrochen sind (frz. Coudé, engl. bent, bei a“ bis Kk); damit die zweite Schicht der Widerlagssteine keine zu scharfe Ecke bekommt, ist auch die Lagerfuge zwischen beiden (bei Ou. D) gekröpft, also der untere Widerlagsstein ebenfalls zum K., frz. imposte d impostoder spring, gemacht. G, Mittelpunkte für die Fugenrichtungen, sind entfernt. Die Fugen des Schlußsteins erhalten nur die unterste Kröpfung behufs leichteren Einpassens desselben; noch günstigere Schublinien und einfachere Konstruktion erreicht man, wenn man die Brechung der Fugen nicht in eine gerade, sondern in eine gebogene Linie setzt, nach Fig. 2425, wozu man aber etwas mehr Höhe braucht. — Bel noch schmälerenWiderlagern, also bei noch stärkerem Bedürfnis nach steilerer Schublinie, besonders daher bei ziemlich weit gespannten scheitrechten Bögen mit geringer Wölbhöhe, treten an die Stelle der nur einfachen Brechung der Fuge, franz. coude, engl. bent, die wirklichen Kröpfe, frz. crossette, oreille, engl. jagg, so daß wirkliche Kie entstehen, frz. claveau engrené à crossette, engl. jagged voussoir, wie dies Fig. 2426 — 2431 zeigen; in Fig. 2426 find die Kröpfe a bed sichtbar; dieselben können entweder durch hindurchgehen, franz. engrenage trough-Jagging, oder sie sind nur an der während im Kern des Bogens sehen ist, was auch gegen seitliches Ausweichen sichert. Es wird hier erst die durchgehende Fuge gearbeitet u. dann noch das Stück be d, b etd herausgehauen. — In Fig. 2429—2431 ist der Kropf äußerlich nicht zu sehen, franz. k engrenage perdue, recouverte, engl. covered jagging, hier ist die Arbeit etwas schwieriger, indem der Stein erst nach der Linie a bod durchgearbeitet und dann das dreieckige Prisma a b o, a. b et entfernt werden muß. Auch wird hier die Schublinie nicht so viel steiler, der Wölbstein 1 mehr geschwächt als bei der sichtbaren Kröpfung ästhetische Gründe werden jedoch hier und da auf diese Form hin-9 drängen. Diese Kröpfungen der Fugen und Wölbsteined finden sich an vielen Bauten romanischen Stils, auch bei —.—— Rundbögen und in Ziegeln ausgeführt, am meisten aber an arabischen und maurischen sowie an spanisch-gothischen Bauten, wo die Kröpfungen oft ungemein komplizirt gestaltet, auch ornamental verwerthet sind.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 236Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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