Manuersdorf, Marktflecken in der niederösterr. Bezirkshauptmannschaft Bruck, Station der Linie Schwechat-M. der Osterreichischen Staatsbahnen, hat ein Schloß (Scharfenegg), eine Schwefelquelle und eine Fabrik für Leonische Waren und zählt (1880) 2533 Maunesschwäche, s. Impotenz. Maungeld, soviel wie Wergeld. Mann ardt (Wilh.), deutscher Mytholog und Sagenforscher, geb. 26. März 1 1831 zu Friedrichstadt in Schleswig, studierte 1851—54 in Berlin und Tübingen, habilitierte sich 1858 als Privatdocent in Berlin, zog sich aber 1863 nach Danzig zurück, wo er 26. Dez. 1880 starb. Er gab seit 1855 die «Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sagenkunder heraus. Von seinen Schriften sind zu nennen: Germanische Mythens» (Berl. 1858), «Die Götter der deutschen und nordischen Völker (Berl. 1860), „Jioggenwolf und Roggenhundo (2. Aufl., Danz. 1866), «Die Korndämonen» (Berl. 1868), (Wald⸗ und Feldkultey (2 Bde., Berl. 1875—77). Mannheim oder Man heim, Hauptstadt des gleichnamigen bad. Kreises, in einer Ebene am linken Ufer des Neckar, über den eine Kettenbrücke führt, oberhalb der Einmündung desselben in den Rhein, über welchen eine 1865—67 erbaute Eisenbahnbrücke nach Ludwigshafen führt, ist eine der neuesten und regelmäßigsten Städte Deutschlands. Die Straßen sind schnurgerade und durchschneiden sich rechtwinkelig so, daß die ganze Stadt aus 110 Quadraten besteht, welche in ihrer Reihenfolge durch Buchstaben und Jiffern carttenz werden (3. B. MI, M2 u. s. w.). Die ehemaligen Festungswerke wurden nach dem Luneviller Frieden geschleift und an ihre Stelle sind Gärten gekommen. M. ist Sitz eines Landgerichts einschließlich einer Kammer für Handelssachen, eines Amtsgerichts, einer Handelskammer, eines Landeskommissars und der Rheinschiffahrtscentralkommission. Auf dem Paradeplatz befindet sich ein marmorner, aber wasserleerer Springbrunnen mit von Crepello l senen Statuen, und der schöne große Marktplatz ist mit einer in Stein gehauenen Gruppe von Peter und Matthäus van der Branden geziert. Auf dem Platze neben dem Theater, seit 1858 Schillerplatz genannt, stehen das kolossale Standbild Schillers von Cauer (seit 1862) und die von Ludwig J. von Bayern gestifteten Statuen Ifflands und Dalbergs, alle drei in Erzguß ausgeführt von Miller. Das 250 m lange, 1720—29 unter dem Kurfürsten Karl Philipz erbaute Schloß ist hinsichtlich seines Umfangs ein; der bedeutendsten in Deutschland und besteht au. drei großen Vierecken. Der linke Flügel brannt bei der Belagerung von 1795 großenteils ab. De rechte Flügel, den Kurfürst Karl Theodor erbaut und der Kunst und Wissenschaft bestimmte, enthäl die öffentliche Bibliothek, eine Bildergalerie, ein bedeutende Kupferstichsammlung, eine Sammlunvon Gipsabgüssen der berühmtesten Antiken, eing Sammlung etrusk. Sarkophage, röm. und griech Inschriftsteine und Antiquitäten und ein kleines Naturalienkabinett. Unter den geistlichen Gebäuden ist das vormalige Jesuitenkollegium wegen sei ner Kirche zu bemerken, die einen mit Säulen vom feinsten pfälz. Marmor gezierten Hochaltar und eine in Fresko gemalte Decke enthält, auch hinsichtlich ihrer Bauart sich auszeichnet, indem sie zwischen zwei Thürmen eine hohe Kuppel hat. Andere Gebäude sind das Zeughaus, das Kaufhaus und das Schauspielhaus. Von höhern Unterrichtsanstalten und wissenschaftlichen Instituten sind vorhanden ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Gewerbeschule und eine Sternwarte. Die Zählung vom 1. Dez. 1880 ergab eine Bevölkerung von 53 465 E., darunter 25632 Protestanten, 23376 Katholiken und 4031 Israeliten. Die Industrie ist in stetem Aufblühen begriffen. Es bestehen Fabriken besonders für Tabak und Cigarren, Hart⸗ und Weichgummiwaren, Maschinen, Spiegel, Tapeten, Liqueur u. s. w.; ferner Eisengießereien, Spiritusbrennereien und Bierbrauereien. Der Handel in Getreide, Tabak, Hopfen, Harzprodukten und sonstigen Landesprodukten ist bedeutend. Unterstützt wird der Handel durch eine Reichsbankhauptstelle, die Badische Bank und verschiedene andere Banken, durch die hier mündenden Linien der Badischen Staatsbahn M.⸗Konstanz, der Main-Neckarbahn, der Rheinthalbahn, der Hessischen Ludwigsbahn und der Pfälzischen Bahnen, sowie namentlich durch die Okt. 1875 vollendeten großartigen Hafenanlagen mit dem Centralgüterbahnhof. An der Stelle M.s lag seit dem 8. Jahrh. in der Nähe einer ehemaligen röm. Niederlassung die zum Kloster Lorsch gehörige Villa Manniheim. Während des 13. Jahrh. wurde letztere ein Pfarrdorf mit Zollstätte und besaß ein Schloß, in welchem während des Konzils zu Konstanz Papst Johann XXIII. gefangen saß. Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz legte daselbst 1617 ein festes Schloß an, die Friedrichsburg, und unter ihm wurde M. zur Stadt, die vorzüglich Niederländer bevölkerten, welche wegen Religionsbedrückung ihr Vaterland verlassen hatten. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde M. 1622 durch Tilly, 1631 durch den Herzog Bernhard von Weimar, 1644 von den Franzosen und nach wenigen Tagen wieder von den Bayern erobert. Von Melac 1688 nach 17tägiger Belagerung genommen, wurde es nebst 11 andern Städten der Unterpfalz zerstört. Bei dem Wiederaufhau der Stadt 1699 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm sie befestigen. Ihren Glanz verdankt die Stadt dem Kurfürsten Karl Philipp, der sie 1720 zur Residenz erhob, was sie, durch Karl Theodor mannigfach verschönert, bis 1771 blieb. Im Revolutionskriege bemächtigten sich die Franzosen im Dez. 1794 nach zweitägigem Bombardement der Brückenschanze, nachdem das Treibeis die Rheinbrücke hinweggerissen hatte, und 1795 wurde diesen die Stadt durch Vertrag übergeben. Infolge der Entschädigungsverträge, die der Lunsviller Friede nach sich zog, und des Reichsdeputationshauptschlusses kam M. 1803 an Baden. Bgl. von Feder, 4«Geschichte der Stadt (Bde. Mannh. 1875—77); Wörl, «Führer durch Der Kreis Mannheim zählt auf 465 akm (1880) 124 121 C., der Landeskommiffariatsbezirk Mannheim auf 3600 akm 426 728 E.