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ReligionBrockhaus 1882

Markus, der Cvangelist, ist wahrscheinlich derselbe, der in der Apostelgeschichte unter dem Namen Johannes M. vorkommt. Er stammte aus Jerusalem, seine Mutter, in deren Hause die Christen zu Jerusalem zusammenkamen, hieß Maria. Er war ein Vetter des Barnabas, begleitete denselben und den Apostel Paulus nach Antiochien, Cypern bis Perge in Pamphylien, trennte sich aber dort von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück. Später befand er sich als Mitarbeiter des Barnabas, nachdem dieser sich von Paulus getrennt hatte, in Cypern (Apostelgesch. 13, 5; 15, 37 fg.). Nach Kol. 4, 10; 2 Tim. 4, u1 wäre er später bei Paulus wieder in Rom gewesen; nach 1 Petr. 5, 13 erscheint er dagegen als Genosse des Petrus in Babylon. Die kirchliche Sage weist ihm Agypten und die afrik Provinzen Libyen, Marmarika und Pentap olis als Missionsgebiet zu und läßt ihn in Alexandria nach 20jähriger Wirksamkeit den Märtyrertod sterben. Sein Leichnam soll nach der im 9. Jahrh. aufgekommenen Legende zuerst nach Aquileja, später nach Venedig gebracht worden sein. Er ist der Schutzheilige der letztern Stadt, und die kath. Kirche hat ihm den 25. April als Festtag geweiht. Das unter seinem Namen im Kanon befindliche Evangelium steht zu den Evangelien des Matthäus und Lukas in einem so engen schriftstellerischen Verwandtschaftsverhältnis, daß es seit Griesbach allgemein als dürftiges Excerpt aus beiden betrachtet wurde, eine Ansicht, welche auch noch Baur, Strauß und Zeller festgehalten haben. Dagegen fanden zuerst Wilke, Weiße und Bruno Bauer in M. den Urevangelisten, und gegenwärtig hat diese Annahme ziemlich allgemeinen Beifall gefunden (zuletzt noch vertreten durch Reuß, Ritschl, Ewald, Holtzmann, Weizsäcker, Scholten, Weiß, Wittichen und in eigentümlicher Weise durch Volkmar). Dennoch ist die kritische Frage noch ungelöst. Daß das gegenwärtige Markus-Evangelium durch mancherlei Veränderungen hindurchgegangen sei, können auch die Vertreter seiner relativen Ursprünglichkeit immer weniger in Abrede stellen. Der geschichtliche Rahmen scheint (namentlich auch in der Leidensges chichte) die Ordnung des ältesten Evangeliums noch ziemlich treu bewahrt zu haben; aber die Darstellung selbst liegt vielfach in späterer Gestalt als bei Matthäus vor. Während aber unser kanonisches Markus-Evangelium eine einfache überarbeitung der Grundschrift ist, haben Matthäus und Lukas neben letzterer noch andere Quellen benutzt. Der sog. Urmarkus» war eine gemäßigt judenchristl., heidenfreundliche Schrift, die wohl noch vor der Zerstörung Jerusalems entstanden ist. Die überarbeitung entstand wohl erst zu Ende des 1. Jahrh. in Rom zu dem Zwecke, das Evangelium den Bedürfnissen der dortigen Heidenchristen anzupassen. Die kirchliche Tradition läßt dasselbe aus den Lehrvorträgen des Petrus hervorgegangen sein, welche Markus mit Erlaubnis des Apostels und noch bei dessen Lebzeiten niedergeschrieben. Ob M. Verfasser der Grundschrift sei, muß dahingestellt bleiben; unser gegenwärtiges Evangelium ist sicher von einem Spätern verfaßt. Der ursprüngliche Schluß des Buchs ist verloren gegangen; der gegenwärtige Schluß (Kap. 16, 9—20) ist unecht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 467Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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