Matthäus, einer der zwölf Apostel, Sohn des Alphäus, von Geburt ein Galiläer, von Christus selbst zum Apostelamte berufen, war vorher Zolleinnehmer am See Tiberias. Ob er mit Levi eine Person sei, muß dahingestellt bleiben. Die kirchliche Legende läßt ihn bald in Pontus abei den Menschenfresserno predigen und daselbst den Feuertod sterben, bald in Parthien, bald in AÄthiopien predigen und zuletzt mit dem Schwerte getötet werden. Die röm. Kirche hat dem M. den 21. Sept., die griechische den 16. Nov. geweiht. In der kirchlichen Überlieferung gilt M. als der Verfasser des ersten unserer kanonischen Evangelien, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, durch Darstellung der Lehre und Lebensgeschichte Jesu die Erfüllung der alttestamentlichen Weissagungen auf den Messias aus Davids Geschlecht zu erweisen. Das Buch ist in seiner gegenwärtigen Gestalt ein planmäßiges Ganzes, welches namentlich in der Verarbeitung der Aussprüche Jesu zu größern Redegruppen schriftstellerische Kunst verrät. Dennoch zeigt eine nähere Prüfung seine Entstehung aus ziemlich verschiedenartigen, teilweise sogar einander ausschließenden Bestandteilen. Nach einer Überlieferung aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. hätte M. eine Zusammenstellung der Reden des Herrno in hebr. Sprache hinterlassen. Aus einer Verschmelzung dieses Urmatthäuso mit dem Evangelium des Markus (s. d.) soll nach der jetzt herrschenden Annahme das Matthäus-Evangelium hervorgegangen sein. Doch ist letzteres sicher ursprünglich griechisch geschrieben. Neben dieser apostolischeno Quelle hat der überarbeiter wahrscheinlich zwar nicht den kanonischen Markus, aber doch dessen Grundschrift benutzt. Beide Quellen, namentlich aber die erste, trugen ein judenchristl. Gepräge. Beide stammen noch aus der Zeit vor der Zerstörung Jerusalems. Der heidenfreundliche Charäkter des kanonischen Matthäus-Evangeliums ist ebenso wenig wie die Benutzung streng judenchristl. Quellen zu verkennen. Seine gegenwärtige Gestalt scheint es kaum vor Ende des 1. Jahrh. erhalten zu haben. Das sog. Hebräer-Evangelium, welches übrigens ebenfalls vielfach überarbeitet wurde, ist in seinem Ursprung mit unserm Evangelium des M. verwandt.