FeedMasern oder MorbillenMorbilli
HeilkundeBrockhaus 1882

Masern oder MorbillenMorbilli, Rubeolae; frz. rougeole, i measles), eine akute Infektionskrankheit, welche sich lediglich durch Ansteckung fortpflanzt, meist einen ganz regelmäßigen (typischen) Verlauf nimmt und sich durch einen eigentümlichen fieberhaften, kleinfleckigen, blaßroten Hautausschlag, sowie durch heftigen Katarrh der Nase, der Augenbindehaut und der Atmungsorgane charakterisiert. Die Krankheit kann übertragen werden durch das Blut, die Thränen, den Lungenschleim, die Hautausdünstung, und sie wird sogar durch Personen verschleppt, die selbst nicht an den M. erkranken. Nur Kinder unter dem ersten Lebensjahre und Greise bleiben in der Regel von der Krankheit verschont, während sonst alle Lebensalter von ihr ergriffen werden können. Einmalige Durchseuchung schützt meist vor einer zweiten Erkrankung. Die Krankheit bricht 12—14 Tage nach erfolgter Ansteckung aus (sog. Stadium der Inkubation oder Latenz) und beginnt als fieberhafter Katarrh der Luftwege und der Augenbindehaut. Dieses Vorläuferstadium gibt sich e, starke Lichtscheu und Thränenabsonderung, anhaltendes Niesen, Schnupfen und Husten zu erkennen und währt in der Regel drei Tage, worauf unter Zunahme des Fiebers zunächst im Gesicht, dann am Halse und an der Brust und endlich am ganzen übrigen Körper zahlreiche linsengroße, rundliche, rote Flecken aufschießen, die an manchen Stellen zusammenfließen, zwischen sich aber Haut von gesunder Farbe lassen. Mit dem vollendeten Ausbruche des Ausschlags mindert sich das Fieber und verschwindet oft ganz, während die Flecken schon nach 24 Stunden zu erblassen beginnen. In gutartigen Fällen sind die Flecken am 8. oder 9. Tage der Krankheit ver30 N und die Haut schuppt sich kleienförmig ab. An sich töten die M. nur selten, wohl aber hinterlassen sie als Nachkrankheit manchmal Tuberkulose, sowie chronische Augen⸗ und Ohrenentzündungen. Bei der Behandlung der Krankheit ist darauf zu achten, daß die Temperatur des Krankenzimmers immer 13 bis 15 R. betrage und diese Temperatur nach dem Thermometer geregelt werde. Die Kranken müssen das Bett so lange hüten, bis die Abschuppung vollendet ist. Die Augen schütze man vor zu grellem Licht, halte sie aber keineswegs ganz im Dunkeln. Täglich soll die Luft des Krankenzimmers erneuert werden, aber so, daß die Kranken nicht dem Zuge ausgesetzt sind. Leib⸗ und Bettwäsche wechsele man, wenn nötig, doch nur nach vorgängiger Durchwärmung. Abnorm hohes Fieber ist durch Chinin, Salicylsäure und kalte Einwickelungen zu bekämpfen. Die Kost sei anfangs leicht, später kräftiger.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 501Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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