Flecktyphus (Fleckfieber, exanthematischer oder Petechialtyphus), eine akute, äußerst Hansteckende Infektionskrankheit, die sich durch hohes Fieber mit schweren nervösen Symptomen und einem eigentümlichen masernähnlichen Hautausschlag zu erkennen gibt, vorzugsweise in dumpfen, überfüllten Wohnungen, in schlecht ventilierten Hospitälern und Auswandererschiffen, nach Mißernten und Teuerungen epidemisch auftritt (daher auch Hunger⸗, Lazarette, Schiffs- oder Kriegstyphus genannt wird) und schon wiederholt in einzelnen Gegenden (Irland, Oberschlesien, Polen, Ostpreußen, Rußland) die Bevölkerung deimiert hat. Die Krankheit beginnt in der egel nach einem kurzen, drei bis vier Tage währenden Vorbotenstadium, in welchem Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Frösteln, hichsten Er en und große Mattigkeit die hauptsächlichsten Erscheinun5gen bilden, mit einem heftigen Schüttelfrost, gro⸗ „ßer Hinfälligkeit und sehr hohem Fieber (40—41˙ C.), wozu sich sehr bald Delirien, Gliederzittern, Schlaflosigkeit, Benommenheit und andere nervöse Störungen gesellen. Am dritten oder vierten Tage, selten etwas später, entstehen am ganzen Körper mit Ausnahme des Gesichts zahlreiche rote masernähnliche Hautflecken (Petechien), und oft genug nimmt in schweren Fällen sogar die ganze Haut eine dunkle livide Färbung an. Zu dieser Zeit bieten die Kranken das schwerste Krankheitsbild. Mit dunkelroter Gesichtsfärbung, halb offenem Mund und Auge, trockener brauner Zunge liegen sie völlig teilnahmlos da, verbreiten einen eigentümlich moderigen Geruch und versinken unter anhaltendem Fieber in eine tiefe Betäubung, aus der sie bei ginstigem Verlauf der Krankheit erst Anfang oder Mitte der dritten Woche unter einer plötzlichen Krisis erwachen. Häufig schließen sich schwere Nachkrankheiten, namentlich Lungen- und Brustfellentzündungen an, und immer erfordert die Rekonvaleszenz infolge der hochgradigen Schwäche und Erschöpfung der Kranken geraume Zeit. Der tödliche en Wog erfolgt meist in den letzten Tagen der zweiten Woche unter Herzschwäche, Krämpfen oder Lungenödem. Die mittlere Sterblichteit schwankt beim F. zwischen 15 —20 Proz., hat aber auch in einzelnen schweren Epidemien (Krimkrieg, London 1858) selbst 50—55 Proz. betragen. Doch ist neuerdings auch bei dem Fleckfieber durch die energische Durchführung der Kaltwasserbehandlung die Mortalitätsziffer bedeutend herabgesetzt. Hinsichtlich der Vorbeugung des F. ist es von der größten Bedeutung, bei herrschenden Mißernten und Teuerungen für zweckmäßige Ernährung, Bekleidung und Unterbringung der ärmern Volksklassen zu sorgen, ferner die Herbergen, Gefängnisse, Arbeitshäuser und Auswandererschiffe jederzeit auf das strengste zu kontrollieren, die Verschleppung des Krankheitsgifts durch das herumwandernde Proletariat möglichst zu verhüten und bei ausgebrochener Krankheit alle Kranken sobald als möglich in gut isolierten Krankenhäusern unterzubringen und zu verpflegen. Die Behandlung besteht wie die der übrigen typhösen Fieber in sorgsamster diätetischer Pflege, energischer Bekämpfung der übermäßig hohen Temperaturen durch kalte Bäder, Chinin und andere antipyretische Mittel und Darreichen erregender Mittel (Wein, Ather, Kampfer) bei drohender Herzschwäche. Die Rekonvaleszenz ist durch eine leichtverdauliche und nahrhafte Diät und Fernhalten jedweder Schädlichkeit angemessen zu unterstützen. Vgl. Murchison, «A treatise on the continued fevers of Great Britaino (Lond. 1862); Griesinger, „Infektionskrankheiteno (Virchows «Handbucho», 1864); Mosler, «Erfahrungen über die Behandlung des Typhus exanthematicuso (Greifsw. 1868); Passauer, «über den exanthematischen Typhus in klinischer und sanitätspolizeilicher Beziehung » (Erlangen