FeedMelodrama (grch.)
MusikBrockhaus 1882

Melodrama (grch.), im allgemeinen jedes mit Musik verbundene Schauspiel, im besondern eine im 18. Jahrh. zuerst durch Jean Jacques Rousseau eingeführte Weise der dramatischen Aufführung, in der die Deklamation von Instrumentalmusik begleitet wird. Selbständig entwickelte Formen, wie in der Oper, besitzt hier die Musik nicht, sondern sie bleibt in allen ihren Bewegungen durch die Deklamation bedingt, an diese durchaus sich anschließend, indem sie entweder in größern oder geringern Massen zwischen die Sätze und Perioden der Rede eintritt, oder mit der Rede zugleich und neben derselben hergeht. Demnach besteht diese Musik immer nur in abgerissenen, oft kurzen, mitunter nur einige Accorde enthaltenden Sätzen, von denen jeder für sich anhebt und aufhört, ohne mit den andern zusammenzuhängen. Monodrama nennt man das M., wenn nur eine Person, Duodrama, wenn zwei Personen in ihm thätig sind. In Deutschland bearbeitete zuerst (1775) der Dichter und Schauspieler Johann Christian Brandes die Gerstenbergsche Cantate «Ariadners und nachher Friedrich Wilhelm Gotter die »Medeay für melodramatische Darstellung, und Benda lieferte zu beiden Stücken die Musik. Dieselben fanden ihrerzeit großen Beifall und riefen viele Nachahmungen hervor, z. B. Reichardts Inov und Kephalus und Procrisp, Neesees KSophonisbey und Abt Voglers Lampedov. Doch war der Erfolg der ganzen Gattung nur vorübergehend und dieselbe hat für die Kunst eine geringe Bedeutung. Das Wesen des eigentlichen M. wurde auch auf nichtdramatische Dichtungen übertragen, indem z. B. Schillers «Taucher » mit der begleitenden Komposition Rombergs, und Hebbels Heideknabev oder Byrons Manfredo mit Schumanns Musik deklamiert werden; ähnlich ist die Symphonie Die Wüster von Felicien David behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 605Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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