Echo oder Widerhall heißt die Zurückwerfung des Schalls von einer durch die Schallwellen getroffenen Wand oder von einer sonst dazu geeigneten Fläche, welche selbst die Wolken bieten können. Als Beispiel hierfür dient das Rollen des Donners, welches zum Teil von seiner Zurückwerfung von den Wolken herrührt. Damit der zurückkehrende Schall wieder deutlich an dem Orte, von welchem er ursprünglich ausgegangen ist, vernommen, also „B. von einem Rufenden ein E. seiner Worte gebört werde, muß die Richtung der Wand gegen die ankommenden Schallstrahlen eine senkrechte sein; denn schiefe Wände werfen den Schall nach einer andern Richtung als nach dem Orte seiner Erzeung zurück. In der Regel findet der erste Fall statt, selten der letzte, wie dies z. B. zu Genetay bei Rouen sich findet, wo das an Gebäuden entstehende E. in einer Richtung vernommen wird, welche von dem Orte der Schallerregung sehr verschieden ist. Die Entfernung der zurückwerfenden Wand muß, wenn das E. von dem ursprünglichen Laute 30 der trennen soll, wenigstens so groß sein, da der Schall zum Hin⸗ und Hergange die Zeit braucht, welche für unser Ohr nötig ist, wenn es zwei aufeinanderfolgende Töne deutlich scheiden soll. Dies ist nur möglich, wenn der zurückgeworfene Schall erst dann ankommt, wenn der ursprüngliche bereits gehört worden ist, sodaß unser Ohr neuerdings für eine Anregung empfindlich ist. Das menschliche Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V. Ohr vermag nämlich in 1 Sekunde nur etwa 9 Laute von einander deutlich zu unterscheiden. Der Eindruck eines Lautes währt also /½, Sekunde. Während dieser Zeit kann das Ohr einen zweiten Laut nicht deutlich wahrnehmen. Soll daher der zurückgeworfene Schall von dem ursprünglichen deutlich unterschieden werden, so muß er ½ Sekunde später an das Ohr gelangen als jener. Da nun der Schall in ruhiger Luft 333 mein 1 Sekunde zurücklegt, so wird eine mindestens 18,5 m entfernte Wand eine Silbe deutlich wiederholen können. Denn weil der Schall bei der angegebenen Geschwindigkeit den Weg von 18, m vom Rufenden bis zur Wand in ½/s Sekunde, und ebenso denselben Weg nochmals von der Wand bis zum Ohr des Rufenden in ½/is Sekunde zurücklegt, so langt er erst )3 Sekunde nach seiner Erregung wieder an, und kann daher von dem ursprünglichen Ruf deutlich unterschieden werden. Ist die Entfernung kleiner, so entsteht nur ein undeutlicher Nachhall. Ist aber die Entfernung größer als 18,5 m, so kann das E. so viel Silben hören lassen (mehrsilbiges E.), als in der bis zum Wiederkommen des Schalls erforderlichen Zeit gesprochen werden können. Das E. am Grabmal der Cäcilia Metella in der röm. Campagna, welches nach Gassendi einen Hexameter wiederholt, der etwa 2½ Sekunden zum Aussprechen erfordert, muß daher aus ungefähr 400 m Entfernung kommen; das 17silbige E. im Park des engl. Schlosses Woodstock muß in einer Entfernung von nahezu 315 m seinen Ursprung haben. Befinden sich in der Richtung des Schalls mehrere Wände (elsen, Mauern u. s. w.) in verschiedenen größern Entfernungen, so bildet jede Wand ihr E. für sich, und diese E. werden dann hintereinander ans Ohr gelangen (mehrfache oder vielfache CE.). Die berühmtesten E. dieser Art befinden sich bei Rosneath in Schottland, bei Koblenz, auf der Großen Gans bei der Bastei in der Sächsischen Schweiz, bei Adersbach in Böhmen u. s. w. Ein solches E. entsteht ferner, wenn der Schall auf zwei Wände trifft, die miteinander einen Winkel machen und dann durch Hin- und Herwerfen der Schallstrahlen das E. ähnlich vervielfachen, wie B. die Spiegel eines Kaleidoskops die Bilder. Ein derartiges E. wird von den beiden Flügeln des Schlosses Simonetta bei Mailand erzeugt, welche einen Pistolenschuß bis 60 mal wiederholen. Auch Wände, welche einander parallel in gehöriger Entfernung gegenüberstehen, können ein vielfaches E. geben. Echoartige Schallzurückwerfungen finden ferner an elliptischen oder kugelförmigen Gewölben statt, z. B. bei der Flüstergalerie in der Paulskirche zu London, in der Vorhalle des Gewerbemuseums in Paris. (S. Schallspiegel.) über die Bedingungen der Beschaffenheit der Schall zurückwerfenden Wände weiß man noch nichts Bestimmtes; es scheint jedoch, daß dabei die Erregung durch Resonanz (s. d.) eine Rolle spielt. Die Erfahrung lehrt, daß selbst Bäume, Waldränder u. dgl. ein E. erzeugen. In der griech. Mythologie ist Echo, wie es scheint, erst von den Dichtern der alexandrinischen Zeit recht eingeführt worden, wenn sie auch schon vorher als göttliche Person erwähnt wird. Sie war eine Nymphe der Berge und Wälder, welche von Pan geliebt wurde, aber diese Liebe nicht erwiderte. Nach dem Dichter Longus machte dann Pan die Hirten rasend, welche E. zerrissen und ihre noch singenden Glieder in alle Welt zerstreuten. Nach Ovid 4an E. oft Hera (Juno), wenn sie ihren „Durch Jupiter bei den Nymphen überraschen wollte, durch lange Gespräche hin. Zur Strafe dafür beschränkte ihr die Göttin die Sprache, sodaß ihr die Stimme nur zur Wiederholung des letzten Wortes, das sie hörte, blieb. Im Gram über ihre verschmähte Liebe zu Narcissus verzehrte sie sich so, daß nur die Stimme und Gebeine übrigblieben, welche zuletzt in Felsen verwandelt wurden (aus denen das E. ertönt). — Echo heißt auch einer der Asteroiden. (S. Planeten.)