Messedaglia (Angelo), ital. Nationalökonom und Statistiker, geb. 2. Nov. 1820 zu Billafranca in der Provinz Verona, studierte die Rechte und war 1842—58 Privatlehrer in Verona, 1858 Professor der Nationalökonomie und Statistik an der Universität Pavia. Seit 1866 ist er Mitglied des Hauses der Abgeordneten, seit 1869 auch Mitglied des höhern Unterrichtsrats. Seine Arbeiten sind meist in Zeitschriften zerstreut. Messen oder Handelsmessen nennt man die großartigen und längere Zeit andauernden Märkte, die sich von den gewöhnlichen Jahrmärkten dadurch unterscheiden, daß sie nicht für die nächste Umgebung der Orte, an welchen sie abgehalten werden, sondern für weite Kreise und vorzugsweise für den Großhandel berechnet sind. Die M. entstanden im Anschluß an Kirchenfeste (daher keria, frz. foire), die eine große Menschenmenge herbeizogen und daher eine günstige Gelegenheit zu Geschäften boten. Die Schwierigkeiten des Verkehrs machten eine Konzentrierung der Warenzufuhr auf einige Hauptpunkte und eine periodische Zusammenkunft von Käufern und Verkäufern an denselben sehr wünschenswert. Es wurden auf den M. nicht nur die zugeführten Waren verkauft, sondern auch Bestellungen für die Zukunft und häufig auch Kredit von einer M. zur andern gewährt. Dadurch bildete sich der Wechselverkehr aus, der für manche M., besonders die lyoner, am Ausgange des Mittelalters nicht minder wichtig wurde als der Warenverkehr, und namentlich ein dem System des Clearinghouse (J. d.) ähnliches Abrechnungsverfahren hervorrief. Die Regierungen suchten, um die M. zu heben, dieselben durch die sog. Meßfreiheiten zu fördern, welche in Befreiung von Zöllen und Abgaben, in freiem Geleit für die Reisenden und Warentransporte, in beschleunigtem Verfahren bei Rechtsstreitigkeiten u. s. w. bestanden. Ebenso traf man Veranstaltung, daß die Zahlungen, welche bei den sehr verschiedenen Münz⸗ und Gewichtssystemen manche Schwierigkeiten hatten, sich auf den M. verhältnismäßig leicht machten. In neuerer Zeit verloren indes die M. an Bedeutung, und einzelne derselben, wie z. B. die alte M. von Zurzach in der Schweiz, welche schon in der Römerzeit bestanden haben mag, sind sogar ganz eingegangen. Die Ursachen dieses Absterbens einer einst blühenden Einrichtung liegen in den veränderten Handels⸗ und Verkehrsverhältnissen. Nur wo es noch an ausreichenden und guten Kommunikationsmitteln fehlt, wie z. B. in Rußland und Asien, stehen die M. noch in voller Blüte, während sie in Europa sich mehr und mehr zu bloßen Abrechnungstagen und Musterausstellungen oder größern Jahrmärkten gestalten, bei denen der Detailverkauf das übergewicht erlangt. Für jede M. besteht eine M eßordnung und auch eine Art von Meßrecht, insofern bestimmte lokale Festsetzungen rechtlicher Art für den Handelsverkehr zwischen den Meßbesuchern gelten. Die Zeiten der M. sind fest bestimmt und dürfen nicht verändert werden. Doch stellen sich Käufer und Verkäufer gewöhnlich schon früher ein und beginnen die Geschäfte schon vor dor eigentlichen Meßwoche. Die letzten Tage der M. sind die Zahltage, an welchen die Abrechnungen stattfinden. Die wichtigsten deutschen M. sind die zu Leipzig und Frankfurt a. O. Diesen schließen sich Braunschweig und Frankfurt a. M. an. In Frankreich waren früher sehr berühmt die M. zu Lyon und Beaucaire, in Italien die zu Sinigaglia und Bergamo; in Rußland hat Nishnij-Nowgorod gegenwärtig die bedeutendste von allen M. Außer Europa gibt es wichtige M. zu Tanta in Agypten, zu Mekka, zu Hurdwar (Ostindien) und zu Irbit und Kiachta in Sibirien. Vgl. Philippi, Beiträge zur Geschichte und Statistik der deutschen M.9 (Frankf. a. O. 1857).