FeedMikrokephalen (grch., Kleinköpfe)
TierreichBrockhaus 1882

Mikrokephalen (grch., Kleinköpfe), eine Klasse von Blödsinnigen, die mit einem für normale Men-RBein absolut zu kleinen Gehirn geboren werden. eim ausgesprochensten Grade dieser Mißbildung erreicht der Gehirnteil des Schädels im erwachsenen Zustande kaum die Größe einer Faust und das Gehirn nicht einmal das Volumen des Gehirns eines Gorilla oder Orang-Utang. Infolge dieser angeborenen Verkümmerung des Gehirns ist die Stirn sehr niedrig, der Schädel kaum gewölbt, das Gesicht relativ sehr groß, die Augen von vorspringenden Bogenringen eingefaßt, Mund und Gebiß unverhältnismäßig groß und vorspringend, die Vorderzähne schief gestellt Prognath), der Gaumen elliptisch in die Länge gezogen. An dem Schädel fallen besonders die Knochenleisten auf, welche die gewaltigen Kaumuskelansätze begrenzen und die zuweilen so weit an dem Schädel hinaufrücken, daß sie in der Mittellinie beinahe zu einem Kamme zusammenstoßen. Die Verkümmerung trifft hauptsächlich die obern Gewölbteile des großen Gehirns. Der Körper dieser Geschöpfe ist wohlgebildet, meist indes etwas kleiner als im Durchschnitt bei der Rasse, in der sie geboren wurden. Die Eltern aller bis jetzt genauer bekannten Fälle von M. waren wohlgebildete und gesunde Leute und hatten neben einem oder mehrern mißbildeten Kindern andere, die keinen Fehler zeigten. Der Gesichtsausdruck, die Haltung, das ganze Wesen dieser Geschöpfe erinnert einigermaßen an die Affen, sodaß sie von einigen als Affenkinder oder als Tiermenschen bezeichnet werden. Sie geben nur unartikulierte Töne von sich, lernen aber einzelne Worte, wenn auch undeutlich, nachsprechen. Im Gegensatz zu Kretinen sind sie in ihren Bewegungen sehr flink und hastig. Die meisten starben im Jünglingsalter. Man hat in den M., die man darum als Affenmenschen bezeichnete, eine die Abstammung des Menschen von den Affen bezeugende Rückschlagsbildung (s. Atavismus) erkennen wollen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 710Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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