FeedMonokotyledonen
PflanzenreichBrockhaus 1882

Monokotyledonen oder Monokotylen (arch., d. i. Einsamenlappige Gewächse) nennt man in der Botanik die eine der drei großen Gruppen der Phanerogamen. Sie umfaßt bedeutend weniger Arten als die Gruppe der Dikotyledonen, aber mehr als die der Gymnospermen; man kennt ungefähr 20000 Spezies. Zu den M. gehören alle diejenigen Gewächse, deren Embryo oder Keim nur einen Samenlappen oder Kotyledon besitzt. Übrigens gibt es auch Pflanzen mit nur einem Kotyledon, die zur Gruppe der Dikotyledonen (s. d.) gehören. Der Embryo der M. nimmt gewöhnlich nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Samens ein und die Reservestoffe, die zur Keimung sowie zur Entwickelung der zuerst auftretenden Organe an der Keimpflanze verbraucht werden, sind nicht wie bei vielen Dikotyledonen in den Samenlappen, sondern im Endosperm aufgespeichert; das letztere erreicht deshalb bei vielen M. mit großen Samen, wie bei manchen Palmen (Cocos u. a.) bedeutende Dimensionen. Die Form des Embryo ist sehr verschiedenartig, in der Regel ist er gerade und ungefähr cylindrisch oder zapfenförmig, nicht selten aber erreicht er eine ziemliche Länge und zeigt dann gewöhnlich eine spiralige Krümmung. Bei einigen Familien ist er nur rudimentär ausgebildet und stellt einen wenig zelligen eine weitere morpholog. Differenzierung an demselben auf,z. B. bei den Orchideen. Die meisten M. entwickeln zwar bei der Keimung eine Hauptwurzel, die schon im Embryo angelegt ist, aber dieselbe stirbt 1 bald ab und nunmehr besteht das ganze Wurzelsystem aus Neben⸗ oder Seitenwurzeln. Die Stammorgane der M. sind in vielen Fällen als Rhizome, Zwiebeln oder Knollen ausgebildet, seltener zeigen sie, wie bei den Palmen, einen baumartigen Wuchs. Die Blätter stehen meist zweireihig alternierend, nur in wenigen Familien ecele sie eine andere Anordnung, sie sind in der Regel an der Basis stengelumfassend und scheidenartig entwickelt. An diesem scheidenartigen Teil setzt sich gewöhnlich direkt die Blattspreite an oder es ist ein besonderer oft sehr langer (wie bei den Palmen) Blattstiel vorhanden. Ihrer Form nach ist die Blattspreite in der Mehrzahl der Fälle ganzrandig, lineal und mit untereinander parallel laufenden Nerven versehen, doch gibt es auch eine ziemliche Anzahl anderer Blattformen bei den M., so z. B. die pfeilförmigen Blätter von Sagittaria, die gefiederten oder fächerförmigen vieler Palmen, die mannigfaltig geteilten mancher Aroideen (Philodendron, Amorphophallus) u. s. w. Im anatom. Bau der Stämme unterscheiden sich die M. hauptsächlich dadurch von den Dikotyledonen, daß die Leit⸗ oder Gefäßbündel nicht wie bei den letztern in einem Ringe angeordnet sind, sondern in der Regel über den ganzen Querschnitt zerstreut liegen. Auch ist der Verlauf der Bündel ein anderer; während bei den Dikotyledonen die von den Blättern in den Stamm eintretenden Bündel sehr bald sämtlich in derselben Entfernung von der Peripherie und parallel der Achse verlaufen, zeigen dieselben bei den M. zunächst einen in radialer Richtung schief nach innen gehenden Verlauf und nähern sich dann allmählich der Peripherie wieder. Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen den beiden Gruppen der Angiospermen liegt darin, daß die Stämme der Dikotyledonen fortwährend in die Dicke wachsen können und zwar vermittelst eines besondern Bildungsgewebes, des sog. Cambium (s. d.), die Stammorgane der M. hingegen eines solchen entbehren und deshalb nur eine beschränkte Dicke erreichen können. Nur einige baumartige Liliaceen, wie die Dracaenen, haben in spätern Stadien eine dem Cambium ähnlich wirkende meristematische Gewebeschicht, durch deren Wachstum sie einen bedeutenden Durchmesser erreichen können. Im Bau der Blüte zeigt sich bei den M. insofern eine Übereinstimmung, als die vorherrschende Anzahl der Teile in den einzelnen Blattkreisen die Zahl 3 oder ein Vielfaches derselben ist, dagegen drei oder vierzählige Blüten sehr selten, fen dibotgüberhaupt nicht vorhanden sind. Bei den Dikotyledonen hingegen ist die Blüte in den meisten Fällen aus fünfzähligen Blattkreisen zusammengesetzt. Die wichtigsten Familien der M. sind die Gramineen, Palmen, Aroideen, Cyperaceen, Liliaceen, Orchideen, Scitamineen, Juncaceen. Über die fossilen Pflanzen aus der Gruppe der M. s. unter Paläontologie (botan.). Monokratie (grch.), soviel wie Monarchie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 826Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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