FeedAckerkrume
NaturlehreBrockhaus 1882

Ackerkrume nennt der Landwirt die oberste Kulturbodenschicht, soweit dieselbe durch die Ackergeräte, namentlich den Pflug, bearbeitet und für den Anbau zubereitet wird. Die A. enthält allein von allen Bodenschichten Humus (s. d.), darf aber keineswegs mit diesem verwechselt werden. Sie ist ein Konglomerat feinzerteilter Felsentrümmer, vermischt mit n tierischer und vegetabilischer Organismen, welches in dieser Gestalt zur Aufnahme und Ernährung der Nutzpflanzen besonders durch seinen Gehalt an löslichen Mineralbestandteilen geeignet ist. Tiefe oder Mächtigkeit einer A. ist eine der wesentlichen Bedingungen, von welchen der Pflanzennahrungsgehalt, also die Qualität (Bonität) oder die Ertragsfähigkeit eines Bodens abhängt; seicht ist eine A. bei 10 em, mitteltief bei 15 em, * bei 25 em, außergewöhnlich tief bei größerer Mächtigkeit. Außer der Mächtigkeit ist natürlich auch die chem. Zusammensetzung und das physik. Verhalten (Bindigkeit, Lockerheit u. s. w.) der A. von wesentlichem Einfluß auf die Ertragsfähigkeit des Bodens. (S. Agrikulturchemie.) Vgl. Mulder, «Chemie der A.» (deutsch von Grimm, de., Lpz. 1862; von Joh. Müller, Berl. 1861 —62); Senft, (Lehrbuch der Gesteins⸗ und Bodenkunde, für Land⸗ und Forstwirte, sowie auch für Geognosteno (2. Aufl., Berl. 1877). ckermann (Konrad Ernst), berühmter deutscher Schauspieler, der neben Schönemann und Ekhof als Begründer der deutschen Schau Driin betrachten ist, geb. 1. Febr. 1712 zu Schwerin. Nachdem er unter dem russ. General Münnich gegen die Türken gekämpft, wandte er sich der Bühne zu und trat zur Schönemannschen Gesellschaft, bei welcher er im Jan. 1740 in Lüneburg debütierte. Dort lernte er seine spätere Frau, verwitwete Schröder, kennen. Mit letzterer ging er 1746 nach Danzig, dann nach Petersburg und Moskau, wo er sich 1749 mit ihr verheiratete. Nach seiner Rückkehr aus Rußland kam er nach Königsberg. Hier verlor er durch den Bau eines eigenen Theaters (1755) sein Vermögen, indem er das Unternehmen bei Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs übereilt auf5 A. führte hierauf mit seiner in ein anderleben, ging nach dem Hubertusburger Frieden wieder nach Hamburg, nahm hier im Sept. 1764 Kochs Stelle ein und begann die Errichtung eines neuen Theaters, während dessen Bau er in Bremen spielte. Der Aufenthalt A.s in Hamburg bildet eine wichtige Epoche in der Geschichte des deutschen Theaters. Seine Gesellschaft umfaßte die vorzüglichsten Talente, wie, außer seiner Familie und seinem Stiefsohne, dem genialen Schröder, Ekhof, Hensel, Schröter, Boek, Borchers, die Frauen Hensel (Seyler) und Sophie Schulz, und wurde sowohl dadurch, als auch durch den Umstand, daß Lessing an ihre Leistungen seine dramaturgif en Abhandlungen knüpfte, tonangebend für M eutschland. Doch stand A. nur bis zum 6. März 1767 als Unternehmer an der Spitze des hamburger Theaters, welches um diese Zeit unter dem Namen eines Deutschen Nationaltheaters an 12 hamburger Bürger überging. A. verblieb jedoch mit dem größten Teil seiner Gesellschaft unter der neuen Direktion. Aber schon nach einigen Jahren scheiterte das Unternehmen, und er führte nun im März 1769 das Bühnenpersonal unter dem Namen der Niedersächsischen Komödiantengesellschaft zuerst nach Hannover, wo er, ohne genügenden Ersatz zu finden, im Aug. 1769 Ekhof und mehrere seiner vorzüglichsten Talente verlor, dann nach verschiedenen andern Orten, bis er 13. Nov. 1771 in Hamburg starb. A. ist als der Begründer der eigentlich deutschen Schule der Schauspielkunst zu betrachten. Sein Bestreben ging vor allem dahin, dem unentwickelten und verdorbenen Geschmacke des Publikums gegenüber die bessern Erscheinungen der damaligen, freilich noch dürftien dramatischen Literatur der Deutschen auf der Buhne zur Darstellung zu bringen. A.s Darstellungen waren Muster von farbiger Frische und natürlichem Maße; sie hatten kein Vorbild, sondern gingen unmittelbar aus seiner schöpferischen Natur hervor. Seine Zeitgenossen sprechen mit Bewunderung von seinen bürgerlichen, 1.Motkere- und humoristischen Rollen, von seinen Moliereschen und Holbergschen Charakteren; ideale Rollen hingegen, Liebhaber, Heroen der französischen Tragödie wollten ihm nicht gelingen. — Seine Gattin, Sophie Charlotte A., geb. Biereichel, war 10. Mai 1714 in Berlin geboren und die Witwe des Organisten Schröder daselbst. Sie betrat die Bühne zuerst 1740 mit ihrem spätern Gatten als Mitglied der Schönemannschen Gesellschaft zu Lüneburg und fand hierauf besonders in Hamburg einen EtA für ihr außerordentliches Talent, bis sie mit A. nach Rußland ging. Später bewährte sie sich nicht nur als ein bedeutendes Mitglied der Gesellschaft ihres Gatten, sondern auch als eine ucklhleit Directrice, indem sie mit großer Geschicklichkeit die Anfertigung der Garderobe besorgte, bei dem Einstudieren und Probieren der Rollen mitwirkte und selbst die Theaterreden und Gelegenheitsstücke verfaßte, wie sie bei den damaligen Wandergesellschaften gebräuchlich waren. Nach dem Tode ihres Gatten trat sie von der Bühne zurück, beschäftigte sich aber mit der Ausbildung junger Schauspielerinnen. Sie starb 14. Oct. 1792. Aus ihrer ersten Ehe stammte der berühmte Schauspieler Friedrich Ewei Tochter 2 (. 5 aus ihrer zweiten hatte sie zwei Töchter, Dorothea und Charlotte, die sich beide als Schauspielerinnen ausgezeichnet haben. Die ältere, Dorothea A., geb. 12. Febr. 1752 in Danzig, gab in gelungener Weise schwärmerische und zärtliche Charaktere, sowie solche von graziöser Munterkeit oder aufflammender Leidenschaft. Sie schied jedoch im Juni 1778 von der Bühne und vermählte sich mit dem Professor Unzer. Ihre jüngere Schwester, Charlotte A., geb. 23. Aug. 1757, gleich ausgezeichnet durch Liebenswürdigkeit, b geistige Bildung und mimisches Talent, starb in der Blüte der Jugend 10. Mai 1775. Ihre unglückliche Liebe zu dem dän. Major von Sylburg schilderte Otto Müller in dem Romane: «Charlotte A.» (Frankf. 1854). Vgl. Devrient, «Geschichte der deutschen Schauspielkunste (Bd. 2, Lpz. 1848).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 115Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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