FeedSaint-Germain-en-Laye
ErdkundeBrockhaus 1882

Saint-Germain-en-Laye, Stadt von (1881) 13841 (Gemeinde 15 790) E. im Arrondissement Versailles des franz. Depart. Seine-et-Oise, 21 Km im Westen von Paris, mit dem es eine Zweiglinie der Westbahn (die erste franz. Lokomotivbahn, 26. Aug. 1837 eröffnet) verbindet, an einem Hügel links der Seine, mit einem im franz. Frührenaissancestil gebauten Schlosse, welches seit Franz I. die Könige von Frankreich häufig bewohnten. Ludwig XIV. ließ es bedeutend erweitern und verändern, indem er fünf starke Pavillons hinzufügte. Nachdem Ludwig XIV. seine Residenz nach Versailles verlegt hatte, angeblich, weil ihn verdroß, aus seinen Wohnzimmern in S. die Türme der Abtei von St.⸗Denis, den Begräbnisplatz der Könige von Frankreich, stets vor Augen zu haben, wohnte in dem alten Schlosse zu S. der vertriebene König Jakob II. von England 12 Jahre lang von Ludwigs XIV. Unterstützung, und starb hier auch (1701; sein Grabmal in der Kirche). Während der Revolution machte man daraus eine Kaserne, welche Napoleon I. in eine Militärschule für Kavallerieoffiziere verwandelte; später wurde ein Militärgefängnis daraus. Gegenwärtig dient das vortrefflich restaurierte Schloß als Lokal für ein Museum gallischer, röm. und fränk. Altertümer. Die Lage des Schlosses ist außerordentlich schön. Eine hohe 35 mbreite, 2,4 km lange Terrasse trennt es von der Seine und gewährt eine prächtige Aussicht über das Thal des sich windenden Flusses und die belebte, mit Landhäusern übersäete Ebene. Das von Heinrich II. erbaute neue Schloß wurde 1776 großenteils niedergelegt; der einzige Rest desselben ist der Pavillon Henri IV. am Anfang der Terrasse, woselbst 3. Sept. 1877 Thiers starb. Ein Standbild dieses Staatsmannes, von Mercie, wurde 1880 auf der Place Thiers errichtet. Der Ruf von vorzüglich guter und reiner Luft, dessen die Stadt schon lange genießt, macht sie zum Sommeraufenthalt vieler Pariser. Jedes Jahr (Anfang September) wird in dem wildreichen 4400 ha großen Walde von S. vor dem von Anna von Ssterreich, Gemahlin Ludwigs XIII., errichteten anstalt sür Les Loges (ijetzt Filiale der Erziehungsanstalt für Töchter von Mitgliedern des Ordens der Chrenlegion) auf einer großen Wiese eine aus Paris und der ganzen Umgegend vielbesuchte dreitägige Kirchweih (La Fete des Loges) gefeiert. In den Hugenottenkriegen wurde im Aug. 1570 zu S. ein den Reformierten günstiger Friede geschlossen; im hiesigen Frieden vom 29. Mai 1679 wurde Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg durch chwedisch-Pommern wieder aufzugeben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 114Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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