Samniter (Samnites), ein Volk des alten Italien, umbrisch-sabellischen Stammes. (S. Itaö lische Völker und Sprachen.) Dieselben waren nach ihrer Stammsage infolge des Gelöbnisses eines heiligen Frühlings (ver sacrum, s. d.) von ihrer sabinischen Heimat südwärts ausgesandt worden, hatten sich, durch einen von Mars gesandten Stier geleitet, in dem Bergland zwischen der apulischen und campanischen Ebene niedergelassen und verzweigten sich von dort aus auch nach den südl. und östl. Ausläufern des Apennin. Die S um Bovianum (jetzt Bojano) ward der Mittelpunkt ihres Gebietes. Ihr Land war wald- und weidenreich und hatte am Volturnus beträchtlichen Olbau. Das Volk, kriegerisch und freiheitsliebend, wohnte zum größten Teil in offenen Dörfern und zerfiel in einzelne Gemeinden und Gaue, die zusammen für die Zwecke gemeinsamer Verteidigung eine Eidgenossenschaft bildeten mit einer Vertretung der einzelnen Gemeinden, die den Oberfeldherrn wählte. Ein Mittelpunkt des Stammes war Bovianum vetus (jetzt Pietrabbondante). Aggressive Einfälle in fremdes Gebiet machten die einzelnen Kantone auf eigene Faust. Samnitische Krieger stürzten 424 v. Chr. die Herrschaft der Etrusker in Capua, 420 die der Griechen in Cumä. Mit den Römern kamen die S. 354 v. Chr. in Berührung, als beide, von verschiedenen Seiten erobernd vorgehend, am Liris, der Grenze zwischen Latium und Campanien, zusammentrafen. Zunächst wurde damals ein Freundschaftsbündnis geschlossen; allein als die Campaner in Capua, von den S. der Berge bedrängt, sich unter Roms Schutz stellten, kam es 343 zum ersten feindlichen Zusammenstoße, der aber nach den Siegen der Römer unter Valerius Corvus am Berge Gaurus und bei Suvessula schon 341 damit endigte, daß Capua den Römern, das ebenfalls bestrittene Teanum aber den S. blieb. In den nächsten Jahren machten jedoch die Römer an der Grenze des samnitischen Gebietes hin solche Fortschritte in Befestigung und Ausdehnung ihrer Macht, daß die S. 326 aufs neue den Kampf aufnahmen, verbündet mit den ihnen stammverwandten benachbarten Völkern. Anfangs glücklich, gerieten die Römer 321 mit ihrer ganzen Heeresmacht bei den Caudinischen Pässen (s. d.) in die Gewalt des samnitischen Feldherrn Pontius, wandten aber durch Kassierung des dabei geschlossenen Vertrags von seiten des röm. Senats die Folgen des Unfalls ab, und schon 320 rächten, wenn der Erzählung bei Livius Glauben geschenkt werden dürfte, Papirius Cursor und Publilius Philo durch ihre Siege bei Caudium und Luceria die erlittene Schmach. Auch blieben die Römer im ganzen den S. überlegen; obgleich von 311 an die Etrusker von Norden her den S. Luft zu machen suchten und hernach auch die Umbrer, Marser, Päligner und die Herniker sich gegen Rom erhoben, behaupteten sich die Römer nach allen Seiten, brachten ihren Gegnern im Norden, namentlich durch Fabius Rullianus, den S. selbst namentlich durch Papirius Cursor große Niederlagen bei und zwangen nach der Einnahme von Bovianum die S. zum Frieden (304). In demselben wurden zwar den S. und ihren Verbündeten nur mäßige Opfer auferlegt, aber die energische Art, mit welcher die Römer durch Anlegung von Straßen und Kolonien Samnium von allen Seiten einzwängten, sowie ihre Einmischung in den Streit zwischen S. und Lucanern, führte schon 298 zum dritten Samnitischen Krieg. Nicht nur die stammverwandten Umbrer und Sabeller, sondern auch das ganze nördl. Mittelitalien, Etrusker und Gallier standen diesmal mit den S. gegen Rom auf, jedoch wieder vergeblich. In Lucanien waren die Römer von Anfang an im Vorteil, und die nördl. Feindesmacht wurde von Fabius in der Schlacht von Sentinum in Umbrien gesprengt, sodaß von da an der Kampf auf das eigentliche Samnium beschränkt blieb. Trotz der hartnäckigsten Gegenwehr blieben die Römer Sieger, und auch dieser Krieg endigte 290 mit einem Frieden, der, wie die vorhergehenden, die S. zwar unabhängig ließ, aber ihnen ein Bündnis mit Rom aufnötigte und jedes Hinübergreifen über das eigentliche Samnium verwehrte. Der Unabhängigkeitsgeist der S. wurde freilich dadurch nicht gebrochen; Pyrrhus und Hannibal fanden sofort wieder Bundesgenossen an ihnen. In dem letzten Unabhängigkeitskampfe, den die Italiker gegen Rom kämpften, dem sog. Bundesgenossenkrieg seit 91 v. Chr., bildeten die S. den Kern und die Seele der Aufständischen. Sie setzten, als die übrigen Italiker sich bereits unterworfen, an der Seite der Marianer den Kampf gegen Sulla fort, lieferten diesem 1. Nov. 82 eine Schlacht unter den Mauern Roms und wurden erst nach der dabei erlittenen Niederlage, infolge deren Sulla 6000 Gefangene töten und Samnium verwüsten ließ, unschädlich gemacht oder vielmehr vernichtet. Nach diesen Kämpfen und der neuen Kolonisierung des Landes blieben nur noch spärliche Reste der S. übrig.