FeedSabiner hieß ein mittelitalisches
ErdkundeBrockhaus 1882

Sabiner hieß ein mittelitalisches, nach den Alten ureinheimisches Volk, das Stammvolk aller Sabeller (s. d.), das seinen Namen von Sabinus oder Sabus, seinem ältesten Fürsten, einem Sohne seines Gottes Sancus, ableitete. Als ihre Stammsitze wurden die Gegenden des mittlern Apennin beim jetzigen Gran-Sasso d'Italia angesehen. Westlich und nördlich von diesem, vom MonteVelino und vom Mons Lucretius (jetzt Monte-Gennaro) wohnten sie im Thale des Aternus, wo Amiternum, des Avens (Velino), wo Reate, von Nebenflüssen des obern Nar (Nera), wo Nursia (Norcia) lag. Der Nar schied sie im Westen auf eine Strecke weit von den Umbrern, wie weiter südlich der Tiber von den Etruskern; gegen Süden galt der Fluß Anio (Teverone) aufwärts bis Tibur als ihre Grenze gegen Latium. Nach der Überlieferung hatten sie sich noch weiter bis in das Stadtgebiet des nachmaligen Rom verbreitet, wo auf dem Quirinal die sabin. Quiriten gewohnt haben sollen, die nach der Sage unter ihrem König Titus Tatius mit den Lateinern des Romulus auf dem Palatin zu Einem Volke verschmolzen. Nördlich von Tibur bildete das Sabinergebirge mit dem Monte-Gennaro ihre Ostgrenze gegen die Aquer; weiter nördlich waren die stammverwandten Vestiner ihre Nachbarn im Osten. Diese wie die Marser, die Herniker, Päligner, Marruciner, Picenter und wohl auch die Aquer, welche sämtlich unter sich und mittelbar oder unmittelbar dem Land der S. im engern Sinne benachbart waren, standen mit den S. auch in naher Verwandtschaft. Bei den S. war es üblich, in der Form der Darbringung eines heiligen Frühlings Ger sacrum), die überschüssige Jugend aus dem Lande zu schicken, infolge dessen sie sich über den größten Teil von Mittel⸗ und Unteritalien verbreiteten. Das Sabinische Land (Ager Sabinus) war fruchtbar an Wein und Öl, an Eichenwaldung und reichen Weiden. Das Volk wurde gerühmt wegen strenger Sitte und Genügsamkeit, nicht weniger wegen seiner Frömmigkeit; die röm. Sage läßt das röm. Religionswesen durch einen König sabin. Stammes, den Numa (s. d.), ordnen und die Augurallehre galt als namentlich von ihnen ausgegangen. Bekannt ist die Sage vom Raube der Sabinerinnen, durch den die Männer Roms sich mit Frauen versehen haben sollen. Die Römer unterwarfen sich schon frühzeitig die ihnen in der Campagna zunächst wohnenden S.; mit den übrigen fanden bis 448 v. Chr. häufige Kriege statt. Seitdem bestand Ruhe bis 290, wo sich die S. wieder gegen Rom erhoben, aber von Curius Dentatus bald unterworfen wurden. Sie erhielten damals das mindere Bürgerrecht, 268 v. Chr. aber wurden sie in das volle röm. Bürgerrecht aufgenommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 51Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6