FeedScarl (Val da)
ErdkundeBrockhaus 1882

Scarl (Val da), Hochthal im Bezirk Inn (Unterengadin) des schweiz. Kantons Graubünden, erstreckt sich 20 km lang in nordnordwestl. Richtung vom Costainaspaß (2251 m), der das Thal mit dem südlich gelegenen Münsterthal verbindet, bis Schuls (s. Tarasp), wo sein Bach, die Clemgia, in den Inn mündet. Die obere Thalstufe, von den Massiven des Piz Starlex (3081 m), des vergletscherten Piz Sesvenna (3221 m) und des Piz Tavrü (3168m) umschlossen, ist ein einsames Weidethal, in dessen waldigen Seitenschluchten hier und da noch der Bär vorkommt. Verfallene Hüttenwerke weisen auf einstigen Bergbau (Silber und Blei) hin. Mittelpunkt der wenigen Berghöfe ist der Weiler Scarl (1813 m) mit der Thalkirche. Die untere Stufe ist eine finstere tief eingeschnittene Klamm zwischen den Felswänden des Piz Pisoc (3178 m), Piz Madlain und Piz San-Jon, die kaum für den Bach und den Fahrweg nach Schuls Raum bietet. Soarlatina (sc. febris), das Scharlachfieber. „Scarlatti (Alessandro), einer der größten und einflußreichsten ital. Komponisten, geb. 1649 zu Trapani in Sicilien, erhielt seine musikalische Ausbildung wahrscheinlich durch Carissimi in Rom. Hier wurde er später auch Kapellmeister der Königin Christine von Schweden und führte als solcher 1680 die Oper „L'Onestà nell' amoreo im Palast der Königin auf. Von seinen größern Werken aus der Zeit 1680 —93 sind noch zu nennen die Opern: „Pompeo „ (1684), „Rosaura (um 1690) und „Teodora (1693), sowie das Oratorium dolori di Maria sempre vergine (ebenfalls 1693). Im J. 1693 verließ er Rom und nahm in Neapel ein Kapellmeisteramt an, in welcher Stellung er eine ganze Reihe von Opern lieferte. Im J. 1703 ging er wieder nach Rom, wo er nun bis 1707 als zweiter, von da bis 1709 als erster Kapellmeister an der Kirche Sta.Maria Maggiore und nebenbei als Direktor der Privatmusik des Kardinals Ottoboni wirkte. Im J. 1709 wandte er sich abermals nach Neapel. Hier wurde er königl. Oberkapellmeister und leitete abwechselnd die Konservatorien di Sant' Onofrio, dei Poveri di Gesu Cristo und di Loreto. Zu den bedeutenden Schülern, die er bildete, gehören Durante und Hasse. Er starb zu Neapel 24. Okt. 1725. Von den Opern, die S. in der Zeit von 1709 bis an sein Ende komponiert, kennt man noch die Titel von einigen 20; ganz besonders meisterhaft ist darunter der Tigranep (1715). Im ganzen hat er etwa 120 Bühnenwerke geschrieben. Daneben verfaßte er auch eine sehr große Menge von Kirchen⸗ und Kammerkompositionen, Oratorien, Madrigalen u. s. w. Besonders berühmt war er als Komponist von Cantaten für eine Singstimme mit Begleitung des Klaviers, deren er mehrere Hunderte geschrieben hat; auch Klavier⸗ und Orgelstücke hat er gesetzt, sogar eine Klavierschule geschrieben. Auf allen diesen Gebieten bewährte er seinen Erfindungsreichtum, namentlich in der dramatischen Musik, die Oper gestaltete er neu durch lebhaften scenischen Ausdruck, wandte in „Rosaura zuerst das begleitete Recitativ an und führte diejenigen Formen ein, die dann durch die sog. Neapolitanische Schule, deren Vater er ist, weiter gebildet und zu den herrschenden gemacht wurden. Sein Sohn, Domenico S., der größte Klavierspieler Italiens in der ersten Hälfte des 18. Jahrh., auch hervorragender Komponist für sein Instrument, geb. zu Neapel 1683, erhielt von seinem Vater und dann von Gasparini seine künstlerische Ausbildung. Im J. 1709 traf er in Ventdig uut Händel zusammen, dem er aus Bewunderung (namentlich für dessen Klavierimprovisationen) nach Rom nachreiste. Hier machte er sich durch Opern, Cantaten und Kirchensachen einen Namen und wurde dann 1715 Tommaso Bajs Nachfolger als Kapellmeister an der Peterskirche. Im J. 1719 ging er nach London, wo er als Accompagnateur an der Italienischen Oper fungierte, auch 1720 seine Oper Narcissoo zur Aufführung brachte, aber neben Händel nicht durchdringen konnte; 1721—26 wirkte er als Hofklavierlehrer in Lissabon. Sodann kehrte er nach Italien zurück, das er 1729 wieder verließ, um als Hofklavierlehrer nach Madrid zu gehen. Er starb 1757 zu Neapel. S ist der klassische Komponist für die ältere Klaviersonate. Die Zahl seiner Sonaten ist sehr groß; vieles davon erschien neuerdings wieder im Druck.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 279Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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