Schmerlen oder Grundeln (Cobitis) heißen Süßwasserfische, die der Karpfenfamilie nahe stehen, aber sich durch die ganz oben auf dem schuppenlosen Kopfe stehenden Augen, enge Kiemenspalten und sehr kleine Schuppen unterscheiden. Der Mund ist mit wulstigen Lippen und Bartfäden besetzt. Sie halten sich am Grunde der Gewässer auf. Es gibt in Deutschland drei Arten: der Schlammpeitzker, Bißgurre oder die Meergrundel (Cobitis fos-Silis, Tafel: Fische II, Fig. 2), mit 10 Bartfäden, aalförmigem, 30 em langem Körper, der häufig Luft zu wirklicher Atmung in den Darm schluckt; der Steinpitzger oder die Dorngrundel (C. taenia), ebenfalls mit aalförmigem, sehr schlüpfrigem, aber kleinerm Körper und sechs Bartfäden, beide in schlammigen Gewässern und ihres Fleisches wegen wenig geschätzt; und die eigentliche Bartgrundeloder Schmerle (C. barbatula), mit kurzem Körper und sechs Bartfäden, die bis 15 lang wird, klare Gewässer mit steinigem Grunde liebt und ihres zarten Fleisches wegen geschätzt ist. Schmerling (Anton, Ritter von), österr. Staatsmann, geb. 23. Aug. 1805 zu Wien, machte seine jurist. Studien auf der wiener Universität und trat 1829, zunächst als Auskultant, bei dem Landgericht in Wien in den Staatsdienst, wurde 1842 zum Rat ernannt und 1846 zum Appellationsgerichtsrat befördert. Als ein Gegner des Metternichschen Systems in den altständischen Versammlungen in die Bewegung der Märztage 1848 verflochten, wurde er von der österr. Regierung nach Frankfurt gesandt, um dort (seit 9. April 1848) als ihr Vertrauensmann den Berathungen über einen deutschen Verfassungsentwurf beizuwohnen. In dieser Stellung übte er auf die Ausarbeitung des Siebzehnerentwurfs einen nicht unbedeutenden Einfluß. Seine Richtung erschien damals rücksichtlich der Verfassungsangelegenheit unitarisch, wobei er auf Osterreichs Hegemonie hinzielte. Nach Colloredos Rücktritt erhielt S. 19. Mai 1848 für die letzten Wochen das Präsidium des durch die Wahl des Reichsverwesers im Juni aufgelösten Bundestags. In die deutsche Nationalversammlung von der tadt Tulln als Abgeordneter erwählt, nahm er auch hier eine einflußreiche Stellung ein. Er schloß sich den Verfechtern der konstitutionellen Monarchie an, beteiligte sich an mehrern Ausschüssen und nahm die Interessen Osterreichs mit Umsicht wahr. Als Erzherzog Johann zum Reichsverweser erwählt worden, ernannte derselbe zuerst S. zum Reichs-⸗ minister (15. Juli). In dieser Stellung vereinigte er anfangs Inneres und Äußeres, behielt jedoch nachher nur das erstere Departement. Der Malmöer Waffenstillstand und dessen Verwerfung in der Nationalversammlung veranlaßte mit den übrigen Ministern auch S. zum Rücktritt. Doch behielt er, als die Bildung eines neuen Ministeriums auf Schwierigkeiten stieß, die Geschäfte in den Händen und entwickelte beim Ausbruch der Unruhen 18. Sept. viel Energie. Am 24. Sept. von neuem definitiv Bentt Reichsminister ernannt, sah er sich nicht nur heftigen Angriffen von seiten der Linken ausgesetzt, sondern entzweite sich auch seit dem Beginn der Verfassungsberatung mit einem großen Teile seiner bisherigen Freunde, indem er der Richtung auf die preuß. Hegemonie immer offener entgegentrat. Er legte daher auch 15. Dez. 1848 sein Ministerium nieder und begab sich nach Olmütz und Wien, wo er bereits zum Abgeordneten in die österr. Reichsversammlung gewählt war. Die österr. Regierung übertrug ihm sodann die Stelle eines Bevollmächtigten bei der Centralgewalt, d. h. die Leitung der österr. Interessen in Frankfurt. Als Führer der Ssterreicher in der Nationalversammlung und einer der thätigsten Organisatoren der großdeutschen Partei arbeitete er nun eifrig dem preuß. Kaisertum entgegen. Nach der Erwählung König Friedrich Wilhelms IV. zum deutschen Kaiser kehrte er im April 1849 nach Wien zurück, wo er im Juli als Justizminister ins Kabinett Schwarzenberg trat. In dieser Stellung brachte er das öffentliche und mündliche Gerichtsverfahren zur Durchführung und leitete mancherlei Reformen ein, nahm aber schon im J. 1851 seinen Rücktritt, weil er sich mit der Restaurationspolitik Aholt ieram nicht im Einklang befand. S. erhielt hierauf das Amt eines Senatspräsidenten des obersten Gerichts- und Cassationshofs. Nach Erlaß des Diploms vom 20. Okt. 1860 trat S. 13. Dez. als Staatsminister ins Kabinett, um den übergang Ssterreichs zu einem konstitutionellen Staate fördern und leiten zu helfen. Das Staatsgrundgesetz vom 26. Febr. 1861 für die Reichs⸗ und Landtagsvertretungen war vornehmlich sein Werk. Auch hatte er an dem Rentlichen Fürstentage in Frankfurt a. M. (1863) wesentlichen Anteil. Doch war S. bei dem hartnäckigen Widerstande der auf den Dualismus hinarbeitenden ungar. Landesvertretung nicht im Stande, den einheitlichen Verfassungsstaat durchzuführen. Er reichte deshalb 27. Juli 1865 seine Entlassung ein und machte dem sog. Sistierungsministerium Belcredi Platz. An demselben Tage übernahm er das Amt eines ersten Präsidenten des Obersten Gerichtshofs. Von 1861 bis 1865 war S. Mitglied des böhm. Landtags; 1861-67 vertrat er auch die Stadt Wien im niederösterr. Landtage. Am 1.April 1867 ernannte ihn der Kaiser zum lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauses. Hier, wo er auch längere Zeit den Präsidentenstuhl einnahm, spielt S. eine sehr hervorragende Rolle; er beteiligte sich an allen wichtigen Fragen, und war mit Freiherrn von Lichtenfels der Führer der Verfassungspartei in diesem Hause. Seit 1879 ist er der Führer der Opposition des Herrenhauses und einer der hervorragendsten Sprecher gegen das föderalistische System und die Regierung des Grafen Taaffe. S. ist außerdem Kurator der Theresianischen Ritterakademie und der mit ihr neuestens vereinigten Orientalischen Akademie, sowie Kurator-Stellvertreter der Akademie der Wissenschaften. Sein Bruder, Joseph, Ritter von S. (geb. 1807), war lange Zeit Militärbevollmächtigter in Frankfurt a. M., dann im österr. Kriegsministerium, endlich als Landwehrkommandant-Stellvertreter thätig, seit 1868 auch Mitglied des Herrenhauses und der Delegation. Er stieg bis zum Feldzeugmeister auf, trat 1878 in den Ruhestand und starb 1884. Rainer, Ritter von S., der jüngste der drei Brüder, ist Vorstand des wiener mediz. Doktoren-Kollegiums und Leibarzt des Erzherzogs Albrecht.