FeedSchrauben
TechnikBrockhaus 1882

Schrauben (frz. vis, engl. screw) sind Maschinenelemente, welche zur Herstellung lösbarer Verbindungen (Befestigungs-oder Verbindungsschrauben, Schraubenbolzen), zur Erzeugung von Druck (Druckschrauben, Preßschrauben), zum genauen Einstellen von Maschinenteilen (Stellschrauben), zur übertragung einer Bewegung (Bewegungsschrauben) Anwendung finden. Eine S. entsteht dadurch, daß in einem Vollcylinder, die Schraubenspindel, ein Profil nach einer Schraubenlinie bis zu einer gewissen Tiefe (bis auf den Kern) eingeschnitten wird, und daß die so entstandenen rippenartigen Erhöhungen, das Schraubengewinde, in die entsprechenden Vertiefungen im Innern eines Hohlkörpers, des Muttergewindes, z. B. der Schraubenmutter, eingreifen, wie umgekehrt die Erhöhungen des Schraubengewindes in die Vertiefungen der Schraubenspindel. Ist das Profil ein Dreieck, so erhält man eine scharfgängige Schraube, wie sie in nachstehender Fig. 1 abgebildet ist; hat es dagegen quadratischen Querschnitt, so ist das erzeugte Gewinde ein flachgängiges (s. Fig. 2); trapezförmige (halbierte) und runde Gewinde kommen selten vor. Die Entfernung, um welche das Gewinde einer S. auf einem vollen Umgang (Gang) längs der S. fortrückt, wird die Steigung, Steighöhe oder Ganghöhe genannt. Ist die S. nur mit einem fortlaufenden Gewinde versehen, so heißt sie eingängig oder einfach; mehrgängig oder mehrfach heißt eine S., wenn sie mehrere parallel nebeneinander liegende, fortlaufende Gewinde besitzt. Der Unterschied des Halbmessers von Schraubenkern und Schraubenspindel ist die Gewindetiefe oder Gangtiefe. Je nachdem das Gewinde, von vorn gesehen, nach rechts oder nach links aufsteigt, ist die S. rechtsgängig oder linksgängig; in der Regel werden rechtsgängige S. angewendet. Als Feinheit einer S. bezeichnet man das Verhältnis der Höhe oder Breite ihrer Gänge zu einer bestimmten Länge der S. Die Wirkung der Befestigungsschrauben oder S. im engern Sinne (s. Fig. 3), welche aus Schmiedeeisen oder Stahl, selten aus andern Metallen oder aus Noiz hergestellt werden, beruht auf dem Gesetz der Reibung. Der Bolzen der S. trägt an seinem obern Ende den Schraubenkopf, der ebenso wie die an der Gewindeseite aufgeschraubte Mytter meist sechseckige Grundrißform hat; seltener iß derselbe viereckig, nur zuweilen kreisförmig oder achteckig. In besondern Fällen wird der Kopf der S. durch einen Keil oder auf andere Weise ersetzt; zuweilen wird der Bolzen eingeschraubt und der Kopf fällt ganz weg (Stiftschrauben). Die Schraubenmutter wird, nachdem der Bolzen durch die zu verbindenden Metallkörper hindurchgeschoben ist, auf denselben aufgeschraubt und dann festgezogen. Schraubenkopf und Schraubenmutter von demselben Gewinde haben gewöhnlich gleiche Grundrißform; doch findet man auch sechseckige Muttern auf S. mit viereckigem Kopf. Wird das Hohlgewinde statt in die Mutter in einen der beiden zu verbindenden Metallkörper geschnitten, so nennt man die S. eine Kopfschraube, während die gewöhnliche in Fig. 3 gezeigte Form den Namen Mutterschraube führt. Das Festziehen und Lösen von S. und Mutter geschieht mit Hilfe der Schraubenschlüssel. Dieselben werden meist als Doppelschlüssel (Fig. 4 und 5) ausgeführt und erhalten dann an beiden Enden zangenförmige Mäuler b von verschiedener Weite, Fig. 4. u. Fig. 5. entsprechend zwei verschiedenen Schraubengrößen. Außer diesen sind auch einfache, sowie verstellbare Schraubenschlüssel, Universalschlüssel, auch Franzosen genannt, in Gebrauch. Um bei der vielseitigen Verwendung der S. für verschiedene Größen derselben einheitliche Verhältnisse zu bewahren, hat man sie nach bestimmten Regeln ausgeführt, wodurch verschiedene Schraubensysteme entstanden sind. In Europa ist das System von Whitworth allgemein verbreitet. Dasselbe nimmt für die scharfgängige S. einen Kantenwinkel von 55 an und teilt die Gewindestärken nach engl. Zollen ein. Das in Amerika gebräuchliche System ist das von Sellers, welches gleichfalls das engl. Maß, aber einen Kantenwinkel von 60° hat. Die neuerlich in Deutschland gemachten Versuche, ein Schraubensystem mit Metermaß einzuführen, sind bis jetzt noch nicht erfolgreich gewesen. Die Uhrmacherschrauben besitzen ihre eigenen Systeme, und zwar ist das schweiz. Latard-Gewinde das am meisten verbreitete. Zur Befestigung in Holz verwendet man fast nur Kopfschrauben, wie die in Fig. 6 abgebildete. (Vgl. Holzschrauben.) Das Einschrauben derselben geschieht mit dem Schraubenzieher, einem lanzettenförmigen Instrument, das vorn eine schmale, stumpfe Schneide hat, mit welcher es in and befestigt werden, wendet man vielfach Flügelschrauben an, nämlich solche S., deren Kopf meist ein flaches, auf der Kante stehendes Oval bildet, sodaß sie von Hand leicht drehbar sind. Für ähnliche Zwecke sind auch Flügelmuttern in Gebrauch; diese haben konische Form und sind seitlich mit zwei flügelartigen Lappen versehen. Während die Befestigungsschrauben mit wenigen Ausnahmen scharfgängig geschnitten werden, gibt man den Bewegungsschrauben in der Regel flaches, bei Messing oder Rotgußmetall rundes Gewinde. Auch kommen hier oft mehrgängige S. zur Anwendung, was bei Befestigungsschrauben im allgemeinen nicht statthaft ist, da die mehrgängigen S. rückgängig sind, d. h. die Reibung bei denselben so gering ist, daß sie sich bei genügender Belastung selbständig zurückdrehen können, während die gewöhnlichen eingängigen S. selbstsperrend sind, sich daher unter keinen Umständen durch Belastung oder Druck in der Achsenrichtung drehen. Bei vielen Arbeitsmaschinen, namentlich bei den Werkzeugmaschinen, den on Renden Hobelbänken, Bohrmaschinen, werden X ewegungsschrauben verwendet; sie dienen dann als Führungsschraube oder Leitspindel, wobei der zu bewegende Support die Mutter bildet. Abarten der Bewegungsschrauben sind die Schiffsschraube (s. Propellerschraube), bei welcher das Wasser die Mutter bildet, in die sich die S. hineindreht; ferner die Transportschraube oder Transportschnecke (s. Mehlschraube unter Mehlfabrikation), die sich in dem fortzubewegenden Material gewissermaßen ihre Mutter selbst formt; die Mikrometerschraube (s. d.), eine S. mit besonders feinem Gewinde, und die Schraube ohne Ende, deren Mutter ein Zahnrad, das

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 487Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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