FeedGewindebohrer
TechnikBrockhaus 1882

Gewindebohrer, auch Schraubenbohrer, Schneid⸗- oder Mutterbohrer (frz. taraud, engl. screw-tap), nennt man ein im Maschinenbau zum Schneiden von Schraubengewinden in bereits vorhandene cylindrische Bohrungen, zur Anfertigung sog. Schraubenmuttern, angewendetes Werkzeug. Dasselbe ist eine aus gehärtetem Stahl bestehende Schraube, die durch drei, seltener vier zur Achsenrichtung parallel laufende Einkerbungen von geeigneter Form Schneiden erhalten hat. (S. beistehende Abbildung.) Um das durch Hineindrehen des Bohrers zu schneidende Muttergewinde nach und nach entstehen zu lassen, d. h. nicht zu starke Späne zu schneiden, müssen die Schneiden allmählich wachsen und erst zuletzt die volle, der Tiefe des zu schneidenden Gewindes entsprechende Länge erhalten. Dies wird dadurch erreicht, daß nach dem vordern Ende zu die Außenkanten des Gewindes mehr und mehr weggenommen sind, während der Kern cylindrisch blieb. Je schlanker die hieraus entstehende konische Form des Bohrers wird, desto geringer wird der Arbeitsaufwand; man läßt gewöhnlich erst beim 30. oder 40. Gewindegang die volle Tiefe des Gewindes entstehen. Um die Reibungswiderstände möglichst herabzumindern, sind die Schneiden so geformt, daß nur die Schneidkanten mit der Cylinderwandung in Berührung kommen, daher der Querschnitt die aus der Abbildung ersichtliche Form erhält. G. werden entweder von Hand geführt oder in Mutterschneidmaschinen eingesetzt; im erstern Falle bedient man sich des sog. Wendeeisens (bei kleinern Bohrern auch wohl eines Feilklobens), welches über den vierkantig gestalteten Ansatz des Bohrers gestreift wird. Die zu schneidende Mutter wird mittels eines Schraubstocks oder in anderer geeigneter Weise festgelegt, der Bohrer senkrecht aufgesetzt und unter mäßigem Druck hinein⸗, beziehungsweise hindurchgedreht. (S. auch Schraube.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 954Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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