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HeilkundeBrockhaus 1882

Schultern (huméri) nennt man die obern Grenzen des Rumpfes zu beiden Seiten des Halses, welche von den Schlüsselbeinen, den Schulterblättern und den dazugehörigen Muskeln gebildet werden. Die Schlüsselbeine sind leichtgekrümmte Röhrenknochen, die, vorn am obern Teile des Brustbeins seitlich befestigt, nach außen verlaufen und sich mit den Schulterblättern (Capulae) verbinden. Letztere gehören zu den breiten Knochen, sind sehr duünn, dreieckig und so auf dem Rücken zu beiden Seiten der Wirbelsäule gelegen, daß ihre schmalste Seite nach oben gekehrt ist. Auf der hintern Fläche haben sie ziemlich in der Mitte eine stark hervorspringende, dünne, horizontal verlaufende und nach oben etwas gekrümmte Leiste, die Schultergräte, deren äußerer Teil in einen nach vorn und außen gerichteten, durch straffe Bänder mit dem Schlüsselbein verbundenen Fortsatz, die Schulterhöhe (acromion), übergeht. Eine bedeutende Anzahl Muskeln, deren Anheftungspunkte sich an den Schulterblättern befinden, dient teils zur Befestigung dieser Knochen an die umliegenden festen Teile (Wirbelsäule, Schädel und Rippen), teils zur Bewegung der Schulterblätter sowohl wie der Arme, deren obere Knochen mit den äußern Winkeln der Schulterblätter durch das Schultergelenk (articulatio humeri) verbunden sind. Letzteres ist das freieste und beweglichste Gelenk des Körpers und daher am meisten der Gefahr einer Verrenkung ausgesetzt. Wegen der etwas bedeutendern Krümmung der Schlüsselbeine ist beim Weibe der übergang des Halses zur Schulter sanfter als beim Manne, dessen Schulter breiter erscheint. Nicht selten findet man, daß die eine Schulter höher steht als die andere, wodurch die Symmetrie des Körpers gestört wird. Diese Regelwidrigkeit, die sog. Hohe Schulter, kann entweder von einer Verkrümmung der Wirbelsäule, welche die Rippen der einen Seite und somit auch die darauf liegenden Schulterknochen erhöht, oder durch Verkürzung der Halsmuskeln der einen Seite bewirlt werden und findet in den allgemeinen orthopädischen Mitteln, Turnen, Streckbetten u. s. w., nach Befinden auch Sehnendurchschneidung, ihre geeignetste Behandlung. (S. Schiefwerden.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 517Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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