Schweinfurt, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, am Main, Station der Linien Bamberg-Würzburg, S.⸗Meiningen und S.⸗Gemünden der Bayrischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Land- und Handelsgerichts, eines Amtsgerichts, Rentamts, Post⸗ und Hauptzollamts und zählt (1885) 12501 meist evang. E. Sehenswert ist das Rathaus am geräumigen Marktplatze, das 1570—72 im Renaissancestil aufgeführt ward und eine Sammlung von Altertümern, sowie eine Bibliothekenthält; ferner diegot. Johanneskirche, die 1717—19 erbaute Salvatorkirche und die kath. Kirche zum Heiligen Geist. über den Main führen zwei Brücken, eine eiserne und eine steinerne; über den sog. Sennfeldersee, einem Altwasser des Mains, eine eiserne Brücke. S. hat ein Gymnasium (ursprünglich 1631 von König Gustav Adolf von Schweden gestiftet, 1830 durch König Ludwig I. von Bayern wieder errichtet), eine Real⸗ und eine höhere Töchterschule, ein Waisen- und Krankenhaus, eine Armenversorgungs⸗ und eine Rettungsanstalt, sowie eine Kinderbewahranstalt. Die Industrie liefert besonders Bier, Bleiweiß und andere Farben (darunter auch das bekannte Schweinfurter Grün); außerdem bestehen eine Baumwollspinnerei, Kunstmahlmühlen, Lohmühlen, Schneidemühlen, Schuhfabriken, Dampfmühlen, Zucker⸗, Maschinen⸗, Seife-I Tabaks⸗ und viele andere Fabriken. Auf den Rebenhügeln der Umgegend wird ein guter Wein gebaut. Der Strom treibt bedeutende Mahlmühlen; Schiff⸗ und Floßfahrt sind nicht unbedeutend. Die Stadt hat eine Flußwasserleitung mit Hochreservoir. Die Ausflugorte: Wasserleitungshochreservoir, Peterstirne mit Kriegerdenkmal, Mainberger Schloß, Wilhelmsruhe sind herrliche Aussichtspunkte; die Anlagen an der Pfinz und in den drei Wehrwäldchen längs des Mains bieten gesunde und angenehme Spaziergänge und Ruheplätze. Die Vieh⸗, Schaf- und Pferdemärkte sind sehr besucht (Viehmärkte mit 33—35000, Schafmärkte mit 40—50000 Stück im Jahre). S. ist der Geburtsort Rückerts, dessen Geburtshaus am Markte seit Mai 1867 eine Gedenktafel mit dem Reliefbild des Dichters trägt. — Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt fällt ins J. 790. Im 12. Jahrh. wurde sie zur freien Reichsstadt (1130), und sie behauptete ihre Reichsunmittelbarkeit, bis sie infolge des Lunéviller Friedens 1801 an die Krone Bayern fiel; 1810 ging die Stadt gemäß den Traktaten mit Frankreich an das neugebildete Großherzogtum Würzburg über, mit welchem sie infolge des Pariser Friedens vom 3. Juni 1814 wieder an Bayern zurückgelangte. Das Gebiet der Stadt umfaßte etwa 55 a4km. Zu S. wurde 1652 die Leopoldinische Akademie der Naturforscher gestiftet. Vgl. Beck, «Chronik der Stadt S.» (2 Bde., Schweinf. 1836 — 41); Bundschuh, Beschreibung der Reichsstadt S. (Ulm 18621: Enderlein, „Die Reichsstadt S.v (2 Bde., Schweinf. 1862 — 63); Stein, «Geschichte der Stadt S.» (Schweinf. 1873); derselbe, «Monumenta Suinfurtensia historica (Schweinf. 1875); Wörl, «Führer durch S. und Ochrpcnt (Würzb. 1885). chweinfurter Grün, auch Kaiser⸗ oder Ka sseler Grün genannt, eine der schönsten, aber auch eine der gefährlichsten grünen Mineralfarben, insbesondere wenn sie zu Tapeten, Rouleaux oder zu Ballkleidern (Tarlatanen) benutzt wird; sie besteht aus einer Verbindung von arsenigsaurem und essigsaurem Kupferoxyd.