FeedSchwindel
HeilkundeBrockhaus 1882

Schwindel (vertigo) nennt man ein krankhaftes Gefühl, zufolge dessen dem Schwindeligen seine Glieder oder die Außenwelt schwankend und bewegt scheinen. Bei der gewöhnlichsten Art des S. scheint sich die Außenwelt horizontal im Kreise herumzudrehen, während in andern Fällen die Gegenstände sich scheinbar von oben nach unten oder umgekehrt drehen. Die Ursachen der den S. bedingenden Gefühlsnervenstörung sind sehr mannigfach: am häufigsten betreffen sie das Gehirn selbst (Kopfschwindel), daher der S. häufig vein psychisch bedingt ist (Angstschwindel, Hallucinationsschwindel), oder von wirklicher Hirnkrankheit abhängt (3. B. von narkotischen Vergiftungen, Blutanhäufung, Blutarmut, Schlagfluß, Typhus), oder mit Störungen der Sinnesorgane zusammenhängt (z3. B. Augenschwindel von Bewegtsehen oder Augenflimmern, Ohrenschwindel von Ohrenbrausen, innerer Ohrentzündung). Bisweilen wird S. auch reflektorisch durch Krankheiten des Magens und Darmkanals erregt (sog. Ragenschwindel). Höhere Grade des S. führen zu Zittern und Schwanken des Körpers und wirklichem Hinfallen, auch wohl zu Gesichtsverdunkelung, Erbrechen, Ohnmacht, Bewußtlosigkeit re. Da die Ursachen sehr verschieden sind, so ist auch die Behandlung verschieden; immer muß sie durch einen kräftigen Willen, die Herrschaft über das Muskelsystem zu behaupten, gehörig unterstützt werden, um das Ausarten der Schwindelanfälle in die höhern Grade (Hinfallen u. dgl.) oder in eine Gewohnheitskrankheit zu verhüten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 614Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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