Schwind (Mor. von), ausgezeichneter deutscher Maler, geb. zu Wien 21. Jan. 1804, besuchte einige Zeit die Universität und erhielt Zeichenunterricht bei Ludwig Schnorr, kam 1828 zu Cornelius nach München, wo er an den malerischen Aufgaben in den entstehenden Prachtbauten teilnahm und unter anderm in der Residenz Darstellungen zu Tiecks Märchen malte. Sodann entstand 1838 das Olgemälde Ritter Kurts Brautfahrt (Kunsthalle zu Karlsruhe), welches das Goethesche Gedicht meisterhaft illustriert. Zuvor hatte er Entwürfe zur Ausschmückung des Schlosses Hohenschwangau geliefert. Er wurde 1839 nach Karlsruhe gerufen, um die neuerbaute Kunsthalle auszumalen. Neben manchen trefflichen Arbeiten, die er hier begann, schmückte er auch den Sitzungssaal der Ersten Kammer in Karlsruhe. Zugleich entstanden Olbilder und Kartons allegorischer Art, darunter eine große Komposition, die den Rhein mit seinen Nebenflüssen darstellt. S. hat dieses Bild später für den Grafen Raczynski in Berlin in Ol ausgeführt. Von Staffeleibildern sind ferner zu nennen: die Sage vom Ritter Kuno von Falkenstein; der Hochzeitsmorgen oder die Rose Nationalgalerie in Berlin), gemalt 1847, ein originelles phantasievolles Gedicht; der Sängerkampf, den er für das Städelsche Institut in Frankfurt an Ort und Stelle (1845) malte. Schon 1847 wurde er als Professor an der Akademie nach München zurückberufen. Von 1853 ab beschäftigte ihn die malerische Ausschmückung der Wartburg, wo er im Korridor eine Folge von Bildern aus dem Leben der heil. Clisabeth, im Sängersaale den Sängerkrieg und in einem andern Zimmer Darstellungen aus dem Leben des Landgrafen Ludwig schuf. Auf Bestellung des Vereins für histor. Kunst malte er Kaiser Rudolfs Todesritt nach Speier (1857), jetzt in der Kunsthalle zu Kiel. Seine hervorragendsten und populärsten Werke sind aber die verschiedenen cyllischen Kompositionen zu deutschen Volksmärchen, besonders die zu Aschenbrödelv (im Besitz des Barons Falkenstein) und zu den Sieben Raben⸗ (im Museum zu Weimar). In ihnen ist das eigentümliche Wesen von S.s Kunst am reinsten und glücklichsten zur Anschauung gekommen. Dasselbe bvesteht in einer hochpoetischen, von schwungvollem Schönheitssinn getragenen Verbindung des Romantischen und Humoristischen. S. bediente sich bei Ausführung seiner derartigen Kompositionen mit Vorliebe einer leichten, oft nur andeutend verfahrenden Aquarellbehandlung, wesche dem phantastischen Reiz der Gegenstände entspricht. Sein letztes und größtes Werk dieser Gattung, das Märchen von der schönen Melusine (in der Belvederegalerie zu Wien), kurz vor seinem Tode vollendet, erlangte ebenso wie S.s sieben Raben in ganz Deutschland die größte Bewunderung. Verwandt in seiner Eigenschaft als Bildergedicht ist die früher entstandene Symphonie (Zeichnung im Museum zu Leipzig), eine geistreich-graziöse Liebesgeschichte mit beziehungsreichem Ornamentschmuck. S. lieferte noch Kartons zu Glasmalereien für das Münster zu Glasgow, die Bilder für den Hauptaltar der münchener Frauenkirche (1860), die Fresken in der Pfarrkirche zu Reichenhall (1863), später die Kartons für die neue Michaelskirchein London und begann 1866 die Ausschmückung des neuen wiener Opernhauses, in der Loggia: ein Freskencyklus aus der „Zauberflöte, im Foyer: 16 Temperabilder. Außerdem sind von ihm vorhanden viele kleinere Olbilder, Zeichnungen zu Werken plastischer Kleinkunst (unter anderm ein Schild für den Grafen O'Donnell, Gerätschaften für die nürnberger Kunstschule), Holzschnitte (z. B. für die Münchener Bilderbogen und für die «Fliegenden Blättero) und Radierungen (unter anderm 42 Epigramme mit Text von Feuchtersleben), zahllose sinnige und humoristische Entwürfe aller Art, die seine zeitweiligen Stimmungen künstlerisch zum Ausdruck bringen und in denen, wie auch in den Werken großen Stils, ein musikalisches Element vorklingt, welches von Jugend auf die schöpferische Triebkraft seines Talents gewesen war. Der stets poetische Inhalt und die Grazie der Formgebung lassen die Mängel koloristischer Technik, welche S.s Olgemälden anhaften, zurücktreten; sein eigentliches Ausdrucksmittel ist neben Feder und Bleistift die leicht behandelte Wasserfarbe, mittels welcher er Wirkungen erzielt, die an das Fresko erinnern. Er starb als der edelste und begabteste Vertreter echt deutscher Romantik 8. Febr. 1871 in München. Vgl. von Führig, Moritz von S.v (Lpz. 1871); H. Holland, «Moritz von S.» (Stuttg. 1873).