Seekrankheit (nausea, engl. sea-sickness, frz. mal de mer) nennt man das eigentümliche Unwohlsein, welches Seereisende infolge der schwankenden Schiffsbewegungen auch bei übrigens vollständiger Gesundheit zu befallen pflegt. Es beginnt mit übelkeit, Schwindel und Störung der Gesichtswahrnehmungen und steigert sich bis zu wiederholtem Erbrechen, worauf endlich Unempfindlichkeit gegen andere Einflüsse und gänzlicher Lebensüberdruß bei meist ungetrübtem Bewußtsein folgen. Die S. ist ein zwar im höchsten Grade lästiges, jedoch nur bei sehr schwachen Individuen oder bei dem Vorhandensein anderer krankhafter Zustände, welche durch Störungen im Blutkreislaufe und Erbrechen verschlimmert werden, gefährliches übel. über die Ursache davon sind die Meinungen noch sehr geteilt; doch kann man den Grund am wahrscheinlichsten als eine Cirkulationsstörung (lungleiche Blutfüllung) des Gehirns lentsprechend derjenigen, die vom Schaukeln, Wagenfahren, Schwindel entsteht) annehmen. Dafur spricht auch die Natur ihrer entferntern Ursachen: das fortwährende Schwanken, die Unsicherheit des Blicks, der mit dem Schiffsleben unzertrennlich verbundene üble Geruch, leerer Magen, die Furcht vor der Krankheit selbst u. s. w. Die gegen die S. empfohlenen Spezifica (Opiagte, Chloralhydrat, Cocain, alkoholische Getränke u. dgl.) haben sich sämtlich als nutzlos erwiesen; dagegen erleichtern ein fester entschiedener Wille, die Vermeidung heftiger und schneller Körperbewegungen, die Anwendung fester, nur angeseuchteter Nahrung am frühen Morgen statt der gebräuchlichen Flüssigkeitsmengen und einer milden leicht verdaulichen Kost während der ganzen Fahrt wesentlich die Anpassung an die schwankenden Schiffsbewegungen. Gewohnheit übt auch hier ihre große Gewalt, indem sie bei den meisten Menschen die Empfänglichkeit für die Krankheit abstumpft. Beim Landen oder beim Einlaufen des Schiffs in eine Flußmündung pflegt das übel sofort zu verschwinden, oder wird doch geringer; bisweilen aber dauern gewisse Empfindungen, namentlich der Schwindel, auch noch längere Zeit auf dem Lande fort.