FeedSirenen (grch. Seirenes)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Sirenen (grch. Seirenes), dämonische Wesen der griech. Mythologie, Verkörperungen des zugleich verführerischen und verderblichen Wesens des Meers, das unter seiner glatten Fläche Klippen und Untiefen birgt, welche dem arglosen Schiffer Tod und Verderben bringen. In der Odyssee werden zwei S. erwähnt, die auf einer Insel im fernen Westen hausend die vorüberfahrenden Schiffer durch ihren bezaubernden Gesang anlocken und dann töten; Odysseus entgeht der Gefahr, indem er die Ohren seiner Gefährten mit Wachs verstopft, sodaß sie nichts von den bezaubernden Tönen vernehmen, und sich selbst an den Mastbaum seines Schiffes festbinden läßt, sodaß er der schmeichlerischen Lockung nicht folgen kann. Dann treten sie, gewöhnlich drei an der Zahl, in der Sage vom Zuge der Argonauten und andern Sagen auf, mit verschiedenen Namen bezeichnet und an verschiedenen Stellen der Küste Italiens lokalisiert. Die spätere Sage wußte zu berichten, daß sie, nachdem Odysseus (oder die Argonauten) ihnen entronnen seien, sich selbst ins Meer gestürzt hätten und in Klippen verwandelt worden seien. Als ihr Vater wird gewöhnlich Acheloos, als ihre Mutter eine Muse genannt. Ferner wurde erzählt, daß sie mit Persephone Blumen gepflückt hätten, als diese von Pluton geraubt wurde, und daß sie von den Musen in einem Wettkampf des Gesangs besiegt und ihnen ihre Federn ausgerupft worden seien. In der Odyssee sowie auch in einzelnen Kunstwerken späterer Zeit erscheinen die S. als Jungfrauen ohne Flügel. In der nachhomerischen Litteratur und in ältern Kunstdarstellungen findet man sie als Vögel mit Frauenköpfen; mit der Zeit erhalten sie mehr und mehr menschliche Gliedmaßen und Gestalt überhaupt und werden dann schließlich als Frauengestalten, nur mit Vogelklauen und Flügeln dargestellt. Auf Grabmälern stellten die Griechen oft das Bild einer S. als Symbol des Todes auf. Vgl. Schrader, „Die S.» (Berl. 1868), und Bolte, De monumentis ad Odysseam pertinentibuso (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 847Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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