FeedSleidanus (Joh.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sleidanus (Joh.), einer der größten Publizisten seines Zeitalters, hieß eigentlich Philipson und war zu Schleiden bei Köln 1506 geboren. Er studierte zu Lüttich, Köln, Löwen, Paris und Orléans die Rechte, war einige Zeit in Diensten des Königs Franz I. von Frankreich und wohnte als dessen Abgeordneter dem Reichstage zu Regensburg bei. Nachdem er sich nach Straßburg gewendet, machten ihn die Fürsten des Schmalkaldischen Bundes zu ihrem Geschichtschreiber. Der Rat zu Straßburg gebrauchte ihn zu wichtigen Gesandtschaften und ernannte ihn 1542 zum Professor der Rechte. Die prot. Fürsten sandten ihn 1545 an den König von England und hierauf zu der Kirchenversammlung nach Trient. Er starb 31. Okt. 1556 zu Straßburg. Einen bleibenden Ruhm erwarb er sich durch sein klassisches Werk De statu religionis et reipublicae Carolo V. Caesare commentarii (Straßb. 1555; beste Ausgabe von Am Ende, 3 Bde., Frankf. 1785 86). Dieses Werk ist gleich schätzbar wegen seiner seinfachen und schönen Schreibart wie wegen der Genauigkeit und Treue in der Darstellung und der Unparteilichkeit des Urteils. Eine deutsche Überusetzung lieferten Stroth und Semler (3 Bde., Halle 1771). Vgl. Pauer, „Des S. Kommentare über die Regierungszeit Karls V.y (Lpz. 1843). Außerdem schrieb S. noch „De quatuor summis imperiis (Straßb. 1556), die oft aufgelegt und von Schurzfleisch bis 1676 fortgeführt wurden, und (Summa doctrinae Platonis de republica et de legibuso (Straßb. 1548). Seine «Opuscula gab Putschius (Sannov. 1608) heraus. Vgl. Baumgarten, «über S.» (Straßb. 1876); auch gab Baumgarten S. Briefwechsel (Straßb. 1881) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 882Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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