Smolensk, seit 1796 die Hauptstadt des gleichnamigen russ. Gouvernements (56041,4 akm mit 1223863 E.), 440 km im WSW. von Moskau malerisch auf dem Steilufer des Dnjepr gelegen, am Knotenpunkt der Bahnen Orel-Witebskund Moskau-Brest, eine der ältesten Städte des Reichs, nach dem Brande von 1812 neu aufgebaut, ist Sitz des Bischofs von S. und Dorogobusch. Die Stadt hat sehr dicke Mauern mit 17 Türmen und wird durch eine Citadelle, einen Erdwall mit fünf umfangreichen Bollwerken, sowie durch mehrere Außenwerke verteidigt. Es sind dies die überreste einer ungeheuern Feste, welche 1596 vom damaligen Reichsverweser Boris Godunow angefangen und im Laufe von vier Jahren vollendet ward. Die Stadt hat die große, prachtvolle Kathedrale zur Himmelfahrt Mariä, 35 zum Teil höchst altertümliche Kirchen und Kapellen, 3 Klöster, 11 Lehranstalten, darunter 1 Priesterseminar, 1 Gymnasium, 1 Kreis⸗ und mehrere Pfarrschulen, mehrere Wohlthätigkeitsanstalten und (1882) 35830 E., welche viele Fabriken in Leder, Hüten, Licht und Seife unterhalten und ausgebreiteten Handel mit Getreide und andern Landeserzeugnissen treiben. S. ist gewissermaßen der Schlüssel zum Innern Rußlands, das Thor auf der Straße nach Moskau, auf welcher stets die Feinde des Reichs, die Litauer, Polen, Karl XII. und Napoleon I., vorgedrungen sind. Schon im 9. Jahrh. wird die Stadt erwähnt. Sie wurde 882 von Oleg, dem Vormunde von Ruriks Sohn, Igor, erobert, 1395 und 1404 durch Witowt von Litauen eingenommen, der sie zur Hauptstadt eines Palatinats machte, 1514 aber von den Russen unter Wassilij Iwanowitsch samt dem ganzen Palatinat zurückerobert. Bald nach ihrer Befestigung durch Boris Godunow wurde S. vom Polenkönig SigismundIII. mit 12000 Reitern, deutschem Kriegsvolt, litauischen Tataren und 10000 saporoger Kosaken umschlossen und nach einer 20monatlichen heldenmütigen Verteidigung unter dem Bojaren Schein 3. Jan. 1611 erobert, freilich fast nur noch als Aschenhaufen. Erst 1654 fiel sie durch Verrat wieder in die Hände der Russen. Am 17. (5.) Aug. 1812 besiegte hier Napoleon I. die Russen unter Barclay de Tolly und Bagration, wobei die Stadt zur Hälfte in Flammen aufging, und bahnte sich so den Weg nach Moskau. Auch sammelten sich bei S. wieder die Franzosen 9. bis 13. Nov. auf ihrem Rückzuge. Kutusow erhielt von der Stadt den Beinamen Smolenskoi.