FeedTobölsk
ErdkundeBrockhaus 1882

Tobölsk, die Hauptstadt des gleichnamigen russ. Gouvernements (1377775,6 dakm mit 1283 168 E. im J. 1885) in Westsibirien, am Einflusse des Tobol in den Irtysch, 55 muüber dem Eismeere gelegen, 3112 Em von Petersburg und 2430 Em von Moskau entfernt, ist nach russ. Weise regelmäßig mit breiten Straßen erbaut, hat zum Teil steinerne, größenteils aber hölzerne Häuser und zerfällt in die obere und die untere Stadt. Die erstere, schon w1589 erbaut, liegt auf einem hohen Mergelhügel am östl. Ufer des Irtysch, zu welchem eine steile Treppe von 290 Stufen hinaufführt, und bietet mit den Festungswerken und der Kathedrale einen imposanten Anblick. Die größere Unterstadt zieht sich in einem breiten Bogen an der Höhe hin und ist den Überschwemmungen des Irtysch ausgesetzt. Die Stadt hat einen Umfang von 12 km und zählt (1883) 20132 CE. Der Hauptteil der Bevölkerung besteht aus Russen, über ein Vierteil aus Tataren, Abkömmlingen der ursprünglichen Bevölkerung, welche ihre eigenen Moscheen besitzen, ferner aus Verbannten und deren Nachkommen. Die den gebildetern Ständen Angehörenden genießen innerhalb der Stadt vollkommene Freiheit; die Verbannten der niedern Klassen befinden sich in einem in der Festung eingerichteten Arbeitshause. Auch gibt es in der Stadt einige hundert Deutsche, die ein prot. Gotteshaus besitzen. T. ist der Sitz des Erzbischofs von „T. und Sibirieno und des Civilgouverneurs, einer Medizinalverwaltung und eines Centralgefängniskomitee, einer Schuldirektion und anderer Behörden. Außer der Uspenskischen Kathedrale, der größten sämtlicher sibir. Kirchen, bestehen 19 andere griech. Kirchen und 10 Kapellen, zwei Klöster, ein Priester⸗ und ein Schullehrerseminar, eine tatar. Moschee, eine geolog. Schule, ein Gymnasium (seit 1805) mit Pensionat, einer Bibliothek, Münz⸗, physik. und naturwissenschaftliche Sammlungen, eine Bezirks⸗ und andere Schulen, mehrere Buchdruckereien, ein Theater und ein Denkmal Jermak Timofejews, des ersten russ. Eroberers in Sibirien. Die Industriethätigkeit ist verhältnismäßig nicht von großem Belang. Man zählt 29 Etablissements, darunter vorzugsweise Gerbereien, Talg⸗ und Seifensiedereien, einige Leinen⸗ und Tuchfabriken, Lichtziehereien, Seilereien, Glas⸗ und Ziegelhütten. Viele Hände sind mit Fischfang und dem Einsalzen von Fischen, mit Schiffbau und Fuhrwesen beschäftigt. Der Handelsverkehr ist bedeutend, besonders mit europ. Waren, die von den Jahrmärkten von Irbit und Nishnij-Nowgorod hierher gebracht werden. Auch ist T. der Hauptstapelort alles für Rechnung der Krone eingehenden Pelzwerks.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 725Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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