FeedSolmisation
MusikBrockhaus 1882

Solmisation ist die mittelalterliche 4nt 14 nung der Töne nach den sechs Silben ut re mi la sol la. Bei tertlosen Singübungen wurden diese Silben allgemein gebraucht; ein solches Singen hieß solmisieren oder solfeggieren (s. Solfeggio). Man teilte damals die Töne nicht ab nach Oktaven oder Reihen von acht Tönen, sondern nach Systemen von sechs Tönen und benannte diese mit dem griech. Worte Hexachord. Dem Herachord lag die Durtonleiter zu Grunde. Jeder Grundton einer Leiter heißt ut, der zweite Ton oder die Sekunde re u. s. w. Also in C-dur bedeutet ut re mi ta sol la soviel als edefga, in G-dur soviel als g a h e d e, in F-dur soviel als fga bed. Hieraus geht hervor, daß bei der S. die Namen der Töne nicht konstant sind, wie bei unserer Buchstabenbenennung, sondern daß sie nach den Tonarten wechseln; so z. B. heißt c in C-dur ut, in G-dur aber ka und in P-dur sol, es hat also drei verschiedene Namen, je nachdem es Grundton oder Quarte oder Quinte ist. Dieses führte in der alten Musiklehre zu einem sehr verwickelten System der wechselnden Benennung der Töne, welches Mutation genannt wurde. Die Schwierigkeiten der Mutation suchte man dem Schüler an den Gliedern der guidonischen Hand zu erleichtern, so genannt von Guido von Arezzo (I. d.), dem angeblichen Erfinder der S., von dessen Schülern diese Lehren seit dem 10. Jahrh. nach und nach ausgebildet wurden. Zu den sechs Silben kam man angeblich durch einen von Paulus Diakonus gedichteten Hymnus an den heil. Johannes, in welchem die sechs ersten Verse mit diesen Silben anfingen (Ut queant laxis I Resonare fibris Mira gestorum Famuli tuorum solve pollutiI Labii reatum Sancte Johannes) und zwar zu einer Melodie, die in e (ut) begann, mit jeder folgenden Zeile einen Ton höher stieg und dadurch als die passendste Schulübung sich erwies. In Wirklichkeit dürfte aber der Gebrauch jener Silben viel älter sein, als der genannte Hymnus, denn die naturgemäßen Anforderungen des Kunstgesanges bedingen übungen in sämtlichen Vokalen und zwar mit an-⸗ oder ablautenden Konsonanzen. Die S. ist für Gesang und Kontrapunkt bestimmt und hat für beide bleibende Bedeutung. Hinsichtlich der Benennung der Töne mußte aber der Apparat der Mutation aufgegeben werden, als das System der Oktave an die Stelle des Hexachords trat. Man half sich nun damit, daß (im 17. Jahrh.) als Name für die siebente Tonstufe (h und b) die Silbe si gewählt wurde, wodurch die sieben Silben ut re mi fa sol la si für die sieben Töne der Oktave gewonnen und damit gleiche, feststehende Namen für alle Töne hergestellt waren. Nach diesen sieben Silben werden die Töne wie die Tonarten jetzt von allen musikalischen Nationen bezeichnet (die Italiener sagen do statt ut des Wohlklangs und der Gleichmäßigkeit wegen); nur die Deutschen machen hiervon eine Ausnahme, da sie aus ihrer alten Orgeltabulatur die noch einfachere, obgleich gesanglich ungünstigere Benennung nach den Buchstaben gewählt haben. Solmona, Stadt und Bezirkshauptort in der ital. Provinz Aquila degli Abruzzi, in herrlicher Gebirgsgegend der Abruzzen, 480 m über dem Meere, am Einfluß der Vella in den Gizzio, Station der Eisenbahn Castellamare Adriatico-Aquila, Sitz eines Bischofs, zählt (1881) 14 219 E. (als Gemeinde 17615), mehrere Kirchen, einen Kommunalpalast aus dem Anfang des 16. Jahrh., Renaissancebau mit spätgot. Anklängen, den Palast Tabassi, ein Gymnasium mit aus dem 15. Jahrh. stammender Holzstatue des hier geborenen röm. Dichters Ovid, eine Wasserleitung von 1258, Papier⸗ und Walkmühlen, Fabrikation von Tuch, Darmsaiten, berühmten Konfitüren und Würsten und Weinbau. — S. ist das antike Sul mo, ursprünglich eine Stadt der Paeligner, seit Sulla röm. Kolonie. Durch die Erdbeben von 1703 und 1706 wurde der Ort hart mitgenommen. Etwa 5 km im Norden von S. in der Nähe der Badia di San-Spirito (mit Gemälden von Mengs), befinden sich umfangreiche Reste antiker Fundamente; oberhalb derselben liegt vater Marquard, Graf zu S., im Hessengau 1129 erwähnt wird. Das ursprüngliche Stammhaus S., eine alte verfallene Burg unweit Braunfels an dem Flüßchen Solms, wurde bereits im 14. Jahrh. durch das bedeutendere Braunfels bei Wetzlar verdrängt. Das Haus S. hatte in Ansehung seiner im oberrheinischen Reichskreise gelegenen Stammbesitzungen Reichsunmittelbarkeit, Landeshoheit, Reichs- und Kreisstandschaft bis zum J. 1806. Die Söhne des Grafen Otto, gest. 1409, Bernhard und Johann, gründeten die Linien S.⸗Braunfels und S.⸗Lich. Erstere teilte sich in drei Zweige, von denen nur der Zweig Greifenstein übrig ist, der 1693, nachdem er Braunfels ererbt, diese Linienbezeichnung annahm und 1742 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Der Fürst von S.⸗Braunfels, Georg, geb. 18. März 1836, welcher 1880 seinem Bruder Ernst folgte, besitzt den wichtigsten zusammenhängenden Teil der Solmsschen Besitzungen: unter preuß. Oberhoheit die Amter Braunfels und Wolfersheim unter hessischer die Amter Hungen, Wölfersheim und Gambach und unter württembergischer einen Teil von Limpurg-Gaildorf, zusammen 500 àlem. Er ist erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses und der Ersten Kammer im Großherzogtum Hessen. Die zweite von Johann abstammende Linie teilte sich in zwei Hauptzweige: a) S.⸗Hohensolms-Lich, welcher seit 1792 dem Reichsfürstenstande angehört und deren Chef, Fürst Hermann, geb. 15. April 1838, im J. 1880 seinem 2½ Ludwig (geb. 1805, gest. 1880) folgte. Er besitzt unter preuß. Hoheit das Amt Hohensolms und unter hessischer die Amter Lich und Niederweisel, zusammen 220 qkm, residiert zu Lich, einer kleinen Stadt an der Wetter, und ist erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses und der Ersten Kammer im Großherzogtum Hessen. In weitern Kreisen wurde der verleschen Prin Ludwig bekannt durch seine auf Hallerschen Prinzipien beruhende Schrift „Deutschland und die Repräsentativverfassunge (Gieß. 1838), die manche Widerlegung fand, auch von dem Grafen von S.⸗Wildenfels in seiner Schrift Bemerkungen zu der Schrift: Deutschland und die Repräsentativverfassunge(Zwickau 1838) scharf angegriffen wurde. b) S.⸗Laubach mit den Unterlinien S.⸗Sonnenwalde und S.⸗Baruth. Erstere, diejenige zu Sonnenwalde, wird jetzt im Rösaer Zweige durch den Grafen Wilhelm, geb. 21. Mai 1828, anbaltischen Kammerherrn und Oberjägermeister, diejenige zu Sonnenwalde-Alt-Ponch durch den Grafen Theodor, geb. 6. Febr. 1814, erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses, vertreten. Die Baruther Unterlinie spaltete sich in vier Zweige: 4) zu Rödelheim-Assenheim, deren Standesherr, Graf Maximiian, geb. 14. April 1826, erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses und der Ersten Kammer im Großherzogtum Hessen ist. 6) Laubach mit dem Standesherrn Grafen Friedrich, geb. 23. Juni 1833 und ½) Wildenfels, dessen Standesherr, Graf Friedrich Magnus, erbliches Mitglied der Ersten Kammer des Königreichs Sachsen, geb. 26. Juli 1847, neben der Herrschaft Grobherz unter sächs. Hoheit auch Besitzungen im Großherzogtum Hessen und Sachsen-Weimar hat. Einen Nebenzweig des zuletzt genannten Hauses bildet der gräfliche, ehemals zu Sachs enfeld angesessene, gegenwärtig auf den Augen des Grafen Arthur zu S., geb. 20. Juni 1808, beruhend. d) Baruth, vertreten durch den Grafen Friedrich, geb. 29. Mai 1821, erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses. Die gräfl. Linie S.Laubach besaß früher jenseit des Rheins die Herrschaften Rohrbach, Scharfenstein und Hirschfeld, für deren Verlust sie 1802 durch die im Solmsischen Territorium gelegenen Abteien Altenburg und Arensberg entschädigt wurde. Vgl. Graf zu S. Laubach, „Geschichte des Grafen- und Fürstenhauses S. (Frantf. a. M. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 911Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Musik 6