Sprachrohr (frz. porte-voix, engl. speakingtrumpet). Da der Schall nach Art der Lichtstrahlen sich ausbreitet und fortpflanzt, so muß derselbe, wenn man, statt in die freie Luft, in eine Röhre hineinspricht, verstärkt werden, weil die festen Seitenwände der Röhre diejenigen Schallstrahlen, die sonst entweichen würden, zusammenhalten. Die theoretisch richtigste Form des S. ist die eines am Scheitel abgeschnittenen Paraboloides (s. Parabel), in dessen Brennpunkt der Mund des Sprechenden sich befindet, doch genügt auch für die Praxis die Form eines abgestumpften Kegels. Das S. pflegt an seinem engern Ende ein Mundstück, am weitern einen trompetenförmigen Fortsatz, ein sog. Schallstück zu haben, durch welches letztere die Schallfortpflanzung bedeutend vermehrt wird. Das Material des Instruments scheint 951 dessen Wirkung keinen Einfluß zu haben. Gewöhnlich wendet man Weißblech, seltener Kupferblech an; doch kann auch Pappe genommen werden. Dagegen ist die Länge von großem Einfluß, und je größer sie ist, desto wirksamer ist das Instrument. In England hat man S. bis zu 8 mlang verfertigt. Die auf Schiffen gebräuchlichen haben gewöhnlich 1 bis 2 m Länge, während der Durchmesser an dem einen Ende 5 em und an dem andern 15 bis 25 em beträgt. Die größte Entfernung, bis zu welcher eine starke Mannsstimme sich mittels eines Sprachrohrs von 6 bis 8 m Länge vernehmlich machen kann, beträgt schwerlich mehr als 5½ Em; die bequeme Rufweite eines 1 bis 2mlangen beträgt höchstens 1/5 bis 2 Km. Der Erfinder des S. ist der engl. Ritter Sir Sam. Morland, welcher 1670 die ersten S. aus Glas, später aus Kupfer verfertigen ließ und damit zahlreiche Versuche anstellte. Die Theorie des S. bearbeitete Lambert. Ist das S. überall gleich weit und verbindet es die beiden entfernten Räume direkt, so heißt es auchKommunikationsrohr. Biot hörte auf eine Länge von 1 km ein leises Gespräch durch die leere Röhre einer Wasserleitung. Auf Schiffen benutzt man das Kommunikationsrohr zur Verbindung des Mastkorbes mit der Kapitänskajüte. In ähnlicher Weise wendet man es in großen Gebäuden, Fabriken, Eisenbahnzügen etc. an. Sehr bequem dazu sind vulkanisierte Kautschukröhren mit Holzmundstücken.